
UKRAINE AKTUELL Nr. 917 (28.8.24 / 20Uhr)
- Weitreichende Drohnenangriffe
- Zweites Öldepot in Rostow brennt
- Angeblich kritische Lage für Gerasimow
- Wie der Kyiver Geheimdienst rekrutiert
- Weiterer Ärger für Telegram Chef Durov
- Russlands Frachtprobleme
- Ukraine-Kino Hinweis für Zürich
- Und … neues zu Facebook-Zensur
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WEITREICHENDE DROHNEN-ATTACKEN
Heute haben ukrainische Drohnen ein Ziel in Russland angegriffen, dass sich 1’190 Kilometer entfernt von der ukrainischen Grenze befindet. Der Angriff galt einer Tankanlage für Erdölprodukte in der Stadt Kotelnich in der Region Kirow.
Dies berichtet die russische Nachrichtenagentur RBC und veröffentlicht eine Grafik, in welcher der heutige und vorangegangene Angriffe mit Distanzangaben eingezeichnet sind. Zu den Schäden der bisherigen Angriffe machte RBC keine Angaben.
Doch der Angriff von heute auf Kirow habe weder Feuer noch Verletzte verursacht, sagte Gouverneur Alexander Sokolov der Nachrichtenagentur. https://t.me/rbc_news/102103

WEITERES ÖLDEPOT IN BRAND
Die Behörden der russischen Region Rostow bestätigten den Brand in einem anderen ihrer Öllager – neben demjenigen von Proletarsk. Der Gouverneur von Rostow, Wassili Golubew, gab zu, dass nach einem erfolgreichen Angriff ukrainischer Drohnen von letzter Nacht das Öllager Rosrezerv «Atlas» im Bezirk Kamensky in Brand geraten sei. Aktuell brennen zwei der Tanks.
Seit dem 18.August, also seit 10 Tagen brennt das Öldepot Kawkas in Proletarsk, ebenfalls in der Region Rostow. Auch dort hatte es mit dem Brand von wenigen Tanks begonnen, doch das Feuer griff immer weiter um sich und brachte weitere Behälter zu platzen. https://t.me/uniannet/143359

KRITISCHE LAGE FÜR GERASIMOW
Es gibt nicht bestätigte Hinweise, dass es sich beim russischen und Kreml-kritische Blogger «general-srv» um einen ehemals FSB-General handelt. «general_srv» behauptet von sich, dass er ein grosses Netz an Zuträgern aus dem Innern des Kremls habe. Heute schreibt er:
«Der Mangel an wirksamen Optionen zur Befreiung der Kursk -Region belastet die Schultern von Valery Gerasimow, dem Generalstabschef der russischen Streitkräfte. Die Unzufriedenheit mit Gerasimow wird im Politbüro nicht nur von Befürwortern einer Fortsetzung des Krieges geäussert, sondern auch von denen, die der Friedenspartei zugerechnet werden können.
Bis gestern Abend konnte die Lage in der Region Kursk nicht einmal als stabil bezeichnet werden. Die ukrainischen Truppen versuchen weiterhin eine Offensive in diese Richtung und haben teilweise Erfolg. Die Tatsache, dass die Offensive der Streitkräfte in der Region Kursk gestoppt wurde, ist völliger Unsinn und ein Versuch, die Öffentlichkeit und die Eliten zu beruhigen. Alle Versprechen von Valery Gerasimow, die Region Kursk zu befreien, geschweige denn die Offensive der Ukraine auf dem Gebiet von Russland zu stoppen, erwiesen sich als nichts. Ganz zu schweigen von einigen mythischen Fristen für die Umsetzung der Versprechen, die längst abgelaufen sind.
Es ist nicht das erste Mal seit Kriegsbeginn, dass Gerasimow unter Beschuss steht, aber jetzt ist seine Position wirklich kritisch. Den Generalstabschef während des Krieges auszutauschen, heisst, die eigenen Fehler und Dummheiten einzugestehen, und das steht nicht in den Regeln der gegenwärtigen russischen Führung. Ein Verkehrsunfall (Helikopter prallen manchmal gegen Stromleitungen) oder ein geplatztes Blutgerinnsel würden das Problem viel effektiver lösen, und, was am wichtigsten ist, ein solches Ende passt allen ausser Gerasimov, aber wer würde ihn fragen?
Das Problem ist ein anderes. Derzeit ist keiner der Loyalisten besonders erpicht darauf, Gerasimow zu ersetzen, und die Probleme werden sich verschärfen, wenn jemand Unzulängliches ernannt wird. Die Führung des Landes ist also in Agonie und muss entscheiden, was mit Gerasimov geschehen soll. Gestern haben sie fast eine endgültige Entscheidung getroffen, aber sie haben die Diskussion auf heute verschoben, sodass der Generalstabschef sehr bald ersetzt werden könnte.» https://x.com/generalsvr_en/status/1828728744049074258

WIE DER GEHEIMDIENST REKRUTIERT
Kyrylo Budanov, Chef des militärischen Geheimdienstes der Ukraine (GUR), deckte in einem Interview die Rekrutierungspraxis des Dienstes auf.
Derzeit wachse das Geheimdienstnetzwerk der Ukraine, der Rekrutierungsprozess sei jedoch «sehr mühsam» und bestehe aus mehreren Phasen. Laut Budanov beginnt jede Operation im Rücken des Feindes mit der Suche nach kooperationswilligen Personen und deren anschließender Rekrutierung.
«Es gibt drei Motive für die Zusammenarbeit mit Geheimdiensten – materielle und finanzielle, ideologische und patriotische sowie Hass auf eine dritte Partei oder einen gemeinsamen Feind. Alles, was man betrachtet, wird zu einer dieser Optionen führen», sagte Budanov.
Der GUR-Scout mit dem Rufzeichen «Khartsyz» wiederum stellte fest, dass echte Agenturarbeit keine situative und einmalige Zusammenarbeit sei. In der Regel handele es sich dabei um eine langfristige Beziehung zu Agenten. https://x.com/anno1540/status/1827796896515334548

WEITERER ÄRGER FÜR DUROV
Gegen den in Paris verhafteten Telegram-Chef laufen zwei Strafverfahren in der Schweiz und Frankreich wegen von ihm verübter Gewalt gegen seine eigenen Kinder.
Das US-Wirtschaftsmagazin Forbes berichtet, der erste Fall wurde nach einer Berufung von Irina Bolgar (BILD im Abo-Newletter) eröffnet, die sich selbst als Mutter von Durovs drei Kindern bezeichnet. Nachdem Durov ihrer Version zufolge die Unterhaltszahlungen eingestellt hatte, reichte sie bei einem der Genfer Gerichte zwei Klagen ein – wegen Sorgerechts (zivilrechtlich) und wegen körperlicher Gewalt (strafrechtlich). Laut Forbes zahlte Durov ihr monatlich 150’000 Euro. Bei einer im März eingereichten Klage behauptet Irina Bolgar, dass Durov fünfmal körperliche Gewalt gegen einen der Söhne ausgeübt habe. https://www.forbes.com/sites/phoebeliu/2024/08/28/billionaire-telegram-ceo-pavel-durov-criminal-complaint-switzerland/
Laut der französischen Nachrichtenagentur AFP ist Pavel Durov auch Gegenstand einer Untersuchung in Frankreich im Zusammenhang mit Gewalt gegen eines seiner Kinder in Paris. Ihm zufolge wurde Gewalt gegen den 2017 geborenen Sohn eines Unternehmers verübt, der in der französischen Hauptstadt zur Schule ging. https://www.lefigaro.fr/faits-divers/garde-a-vue-du-patron-de-telegram-la-justice-francaise-doit-se-prononcer-sur-une-possible-mise-en-examen-20240828
Im weiteren meldet das US-Magazin «Politico», dass die französischen Strafbehörden auch gegen Nikolai Durov, den Bruder von Pavel Durov, der mit ihm Telegram gründete, ausgestellt hat. Der Fall steht wie im Fall von Pavel Durov im Zusammenhang mit der Weigerung von Telegram, mit französischen Strafverfolgungsbehörden zusammenzuarbeiten. https://www.politico.eu/article/exclusive-telegram-ceo-brother-nikolai-durov-wanted-france-authorities-pavel-durov/
Nach vier Tagen Untersuchungshaft wurde Durov heute «aus der Polizeigewahrsam entlassen und der Justiz überstellt». Das berichtet der französische TV-Sender BFMTV. Das heisst nicht, dass Durov frei ist. Als nächster Schritt folgt eine Befragung vor Gericht und eine mögliche Anklageerhebung. https://www.bfmtv.com/tech/actualites/reseaux-sociaux/fin-de-garde-a-vue-pour-pavel-durov-le-patron-de-telegram-transfere-a-la-justice_AD-202408280531.html

RUSSLANDS FRACHTPROBLEME
Russland verfüge nicht über eine eigene Frachtflotte, die notwendig sei, um den Export der wichtigsten strategischen Güter selbständig sicherzustellen. Das sagte der Berater des russischen Präsidenten Nikolai Patruschew heute auf einer Sitzung des Seerats. (Patrushew gilt aktuell als die Nummer 2 im Kreml, siehe Ukraine Aktuell Nr. 628 https://aldrovandi.net/2023/11/13/ukraine-aktuell-nr-628-13-11-23-22uhr/)
Patruschew zufolge seien russische Exporteure auf ausländische Reedereien angewiesen, auch aus «unfreundlichen» Ländern: «Seit vielen Jahren ist das Frachtvolumen, das von Schiffen unter russischer Flagge transportiert wird, unannehmbar niedrig geblieben, hauptsächlich aufgrund des Mangels an inländischen Schiffen», beklagte Patruschew.
«Russlandfeindliche Länder haben russische Transportunternehmen tatsächlich gezwungen, sich aus dem Markt für den Transport unserer eigenen strategischen Export- und Importgüter, darunter Öl, Ölprodukte und Getreide, zurückzuziehen», sagte Patruschew weiter.
Er fügte hinzu, dass ausländische Werften aufgrund der Sanktionen den Bau von Schiffen für Russland verweigerten. Auch die Lieferung von Ausrüstung an die russische Schiffbauindustrie sei eingestellt worden. Und drittens seien Unternehmen von Sanktionen bedroht, wenn sie Güter für Russland transportieren. «All dies stellt eine erhebliche Bedrohung für die Sicherheit Russlands dar», wurde Patruschew von Interfax zitiert. https://x.com/Eric_Lecomte_/status/1828455710352347538

FREIZEIT HINWEIS FÜR ZÜRICH
Das Kino Xenix an der Kanzleistrasse in Zürich zeigt in diesen Tagen eine Serie von Filmen mit dem Themenschwerpunkt Ukraine. Zu sehen sind unter anderem OLGA (Schweizer Filmpreis), PUSHING BOUNDARIES (Regie: Lesia Kordonets), KLONDIKE (Premiere am Sundance Festival), «20Tage in Mariupol», PAMFIR und BUTTERFLY VISION (Premiere in Cannes), HOW IS KATYA? (Preisträger Locarno Filmfetival); LUXEMBOURG (Filmfestival Venedig) und weitere Werke.
Webseite Xenix Zuerich. https://xenix.ch/programm/september-2024/ukrana-ukrana

… UND ZUM SCHLUSS NOCH DIES
Die Zensur von «Ukraine Aktuell» durch Facebook wird immer absurder. Heute Morgen erschien unter dem Newsletter von gestern dieser Eintrag von Grazi Gähler: «Danke für all die Infos! Aber darf ich mir eine kleine Anmerkung erlauben? Kriwoi Rog (Кривой Рог) ist der RUSSISCHE Name der ukrainischen Stadt Krywyj Rih (Кривий Ріг), der Heimatstadt der Selenskijs…. ein kleiner Beitrag zum Kapitel: Kyjiw oder Kyiv statt Kiew (was die meisten Schweizer Medien immer noch nicht gemerkt haben). Es ist ein bisschen, wie wenn man «Fräulein» statt «Frau» sagt: nur Linguistik, aber dennoch nicht ganz unwichtig…..»
Ich schrieb darunter, dass «Kyiv» und «Odesa (mit einem S)» unterdessen in meiner Schreibweise angekommen sind, aber dass es immer noch Namen gibt, von denen ich die ukrainische Schreibweise nicht kenne. Wenige Augenblicke später erhielt ich die Meldung: «Dein Kommentar wurde entfernt» und der Versuch, wenigstens Danke zu sagen, wurde ebenfalls mit «gelöscht» beantwortet. Versuche mit Facebook in Kontakt zu treten, gelangen nicht.
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