UKRAINE AKTUELL Nr. 904 (15.8.24/21Uhr)

  • Warum «Krieg nach Regeln» wichtig ist
  • Viele Gefangene und Evakuierte aus Kursk
  • 102 russische Kämpfer überwältigt
  • Erster Bericht aus der Stadt Suzhda
  • 12 Jahre Lagerhaft für eine 51.8 $ Spende
  • Putin will angeblich Armeespitze säubern

++++++++++++++++++++

GRATIS NEWSLETTER

Die Nachrichten mit allen Links zu den Informationsquellen und mehr Fotos gibt es gratis, zuverlässig und täglich im persönlichen Postfach. Abo hier in einer Minute abschliessen: www.bit.ly/3whDOe4

+++++++++++++++++++++

«KRIEG NACH DEN REGELN»

Am 6.Juli schrieb hier der australische Ex-General und Analyst Mick Ryan mit besten Verbindungen in die Ukraine, dass die Ukraine von der Verteidigungsposition in eine offensive Situation komme müsse. Er nannte das «Entwicklung einer Siegestheorie» https://ukraineaktuell.com/ukraine-aktuell-nr-864-6-7-24-17uhr/ und am 29.Juli schrieb Ryan, dass die ukrainische Taktik sei, die Russen durch Angriffe an verschiedene Fronten in «permanente Dilemmas» zu stürzen: «Damit sollen die Russen gezwungen werden, harte Entscheidungen über die Verteilung der Ressourcen in der Rüstungsindustrie und über die Aufteilung der knappen militärischen Mittel zu treffen.» https://ukraineaktuell.com/ukraine-aktuell-nr-887-29-7-24-21uhr/

Heute schreibt Mick Ryan etwas Grundsätzliches zur Kriegsführung (vor mir leicht gekürzt):

«Mit ist heute etwas aufgefallen, das in der Berichterstattung über die Kursk-Operation übersehen wurde. In seinem Video, das in den letzten 24 Stunden veröffentlicht wurde, hat der ukrainische Präsident Zelenskyj die folgenden Worte verwendet: «Es ist wichtig, dass die Ukraine nach den Regeln kämpft.»

Dies ist ein sehr wichtiger Gedanke im Krieg allgemein. Aber sie ist auch für die Ukraine entscheidend.

Es gibt strategische, diplomatische und moralische Gründe für die Ukraine, «nach den Regeln zu kämpfen». Und es hat eine direkte Auswirkung auf die laufende Operation der Ukraine in der Oblast Kursk.

Seit der gross angelegten russischen Invasion im Februar 2022 führt die Ukraine einen Verteidigungskrieg im Rahmen des Völkerrechts. Sie hat die Theorie des gerechten Krieges in ihre Militärstrategie integriert. Gleichzeitig hat die Ukraine ans Licht gebracht, wo das russische Militär und die russische Regierung gegen das Völkerrecht verstoßen haben.

Die Russen, die oft auf schockierende Weise gegen Zivilisten, ukrainische Kriegsgefangene und wichtige Kulturstätten vorgegangen sind, haben bei der Durchführung ihrer speziellen Militäroperation keine nennenswerten Anstrengungen unternommen, das Völkerrecht einzuhalten. Dies ist eine der wichtigsten Asymmetrien in diesem Krieg.

Mehrere OSZE-Berichte haben das gesamte Ausmass russischer Kriegsverbrechen beleuchtet. Der Internationale Strafgerichtshof hat Haftbefehle gegen Russlands Präsidenten Putin sowie gegen Militärführer wie General Gerasimov erlassen. Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft hat über 120’000 offene Verfahren wegen Kriegsverbrechen gegen russisches Personal.

In ihrer Gesamtheit stellen sie einen systematischen Ansatz für die Brutalisierung des ukrainischen Volkes, die Zerstörung seiner Städte und Kulturstätten und eine rücksichtslose Missachtung des Völkerrechts und der Kriegsgesetze durch Russland dar.

Das russische Verhalten hat auch gezeigt, wie unterschiedlich Russen und Ukrainer den Krieg sehen und wie sie kämpfen. Russland setzt fast alle Mittel ein, die ihm zur Verfügung stehen, legale und illegale, moralische und unmoralische. Die Ukraine tut dies nicht.  Was bedeutet dies für die Operation Kursk?

Menschen, die im Militär dienen, haben die rechtmäßige Fähigkeit, Operationen zur Tötung anderer Menschen zu planen und durchzuführen. Das ist ein wichtiger Teil des Soldatentums. Die Kehrseite dieser rechtmäßigen Befugnis ist jedoch, dass sie verantwortungsvoll und verhältnismäßig ausgeübt werden muss.

Dies ist nicht nur ein Grundsatz des Völkerrechts. Es ist auch die Erwartung der Bürger in Demokratien. Sie erwarten, dass ihr Militärpersonal trotz der schrecklichen Taten, die es im Krieg oft verrichten muss, die Werte der Gesellschaft widerspiegelt, aus der es stammt und die es vertritt.

Und es geht nicht nur darum, die Werte einer Gesellschaft zu vertreten. Sicherzustellen, dass Militärangehörige rechtmäßig und ethisch handeln (und das sind zwei verschiedene Dinge), ist entscheidend für die strategische Legitimität einer Nation im Krieg. Wenn Militärangehörige professionell handeln, stärken sie die Legitimität ihrer Nation und der Sache, für die sie kämpfen.

Das nationale Ansehen, das Ukraine während des Krieges durch seine Legitimitätsprojektion aufgebaut hat, hat seine Tätigkeit in Kursk begünstigt. Da die Ukraine ein legitimes Ziel zu verfolgen scheint – Russland aus der Ukraine zu vertreiben – hat der Einmarsch in Kursk von seinen wichtigsten Unterstützern keine nennenswerte Kritik hervorgerufen.

Die Ukrainer in Kursk kämpfen nicht, um die Grösse des ukrainischen Staates zu vergrössern. Sie führen eine Operation durch, um die Russen zu zwingen, ihre Truppen aus dem Donbas abzuziehen und um Russland davon zu überzeugen, dass es diesen Krieg nicht gewinnen kann. Der Kampf nach den Regeln, wie Zelenskyj ihn beschreibt, ist ein wichtiger strategischer Wegbereiter für ukrainische Militäroperationen im Inland und in Russland.

Ein letztes Element des «Kampfes nach den Regeln» sollte betont werden. Wer für legitime Zwecke kämpft und Gewalt auf ethische Weise ausübt, ist besser vor moralischem Schaden geschützt.

Indem der ukrainische Staat einen Ansatz des gerechten Krieges als Teil seiner Militärstrategie verfolgt und «nach den Regeln kämpft», schützt er auch die Seelen der kämpfenden Soldaten. Das ist wichtig.

Clausewitz verstand, dass die moralischen Kräfte im Krieg entscheidend für den Ausgang sind.  Er schreibt in Kapitel V von Band 3 seine Buches «Vom Krieg», dass «die militärische Tugend eines Heeres eine der wichtigsten moralischen Kräfte im Krieg ist.»

Ich denke, die Ukrainer verstehen das und scheinen sich während dieses Krieges so weit wie möglich darin geübt zu haben, ein tugendhaftes Militär zu sein. Das kommt ihnen zugute, während ihre Soldaten sich gegen die russischen Vorstösse im Donbass verteidigen und ihren Vormarsch durch Westrussland fortsetzen.

(Den ganzen kostenpflichtigen Artikel gibt es hier: https://mickryan.substack.com/p/kursk-and-the-battle-of-wills

VIELE GEFANGENE UND EVAKUIERTE

Der Schweizer Militärjournalist («Schweizerische Militärrevue») Christophe Tymowski schreibt, dass die Offensive der Ukrainer ihren Streitkräften einen «strategischen Vorteil gegenüber der Russischen Föderation» bringt und weiter:

«Infolge der Kämpfe in der Oblast Kursk gelten derzeit bis zu 4’000 russische Soldaten als vermisst. Diese Zahl umfasst Gefangene, Deserteure und Kämpfer, die sich isoliert an Widerstandspunkten befinden (Verlust der Kommunikation). (…) Die Russische Föderation schätzt, dass sich etwa 2000 russische Bürger in den von den ukrainischen Streitkräften besetzten Gebieten befinden, während mehr als 125’000 vom russischen Zivilschutz mit Hilfe von Ressourcen des Ministeriums für Notfälle evakuiert wurden. Die gesamte Evakuierungs- und Flüchtlingsunterstützungsaktion wurde von den Russen sehr effizient und ohne Unterbrechung durch ukrainische Militäraktionen durchgeführt.» https://x.com/christophe_tymo/status/1824021271363105030

In den letzten 24 Stunden gab es sehr viele Videos von gefangenen Russen. Sie stammen vom ukrainischen Geheimdienst, aber auch von ukrainischen Journalisten. So zeigen Aufnahmen des Senders «TCH» mehrere dutzend Gefangene, die mit verbundenen Augen einem Feldweg entlang auf dem Boden liegen (https://x.com/i/status/1824029473672499351), andere die in einer Wiese auf dem Boden sitzen (https://x.com/i/status/1824020463661519235) und wieder eine sehr grosse Gruppe, die entlang einer Strasse aufgereiht ist (https://x.com/i/status/1823984935255883787)

ES GIBT RUSSEN DIE KÄMPFEN WOLLEN

Spezialeinheiten der ukrainischen Geheimdienstes SBU haben in der russischen Region Kursk auf einen Schlag 102 russische Soldaten gefangen genommen. Unter den Gefangenen sind Soldaten des 488. Garde-Motorisierten Schützenregiments der Streitkräfte der Russischen Föderation und der Einheit «Achmat».

Die Ukrainer eroberten auch die weitläufige, betonierte und gut befestigte Kompaniefestung.

«Oriannalyla» schreibt unter Verweis auf ein Video aus diesem Bunkersystem (https://x.com/i/status/1824032476148154670): «Die einzelnen Stellen waren mit unterirdischen Kommunikationswegen verbunden Es gab Unterkünften für das Personal, eine Kantine, eine Waffenkammer und sogar einem Badehaus.

Der Feind hatte nicht vor, sich zu ergeben, es gab mehr als genug Proviant und Munition.» https://x.com/Lyla_lilas/status/1823999139669069888

BERICHT AUF SUZHDA

Die italienische Reporterin Stefania Batisttini war für die Tagesschau (TG1) der staatlichen RAI-TV-Gesellschaft in der von Ukrainern kontrollierten russischen Stadt Suzhda und interviewte Russen, die ihre Stadt nicht verlassen hatten. Eine junge Frau sagte in dem Kurzbericht https://www.raiplay.it/video/2024/08/Tg1-ore-2355-del-14082024-af09e9c0-2c03-4a80-9efe-69a2884d2234.html: «Die russischen Soldaten haben uns gesagt, wir sollen hier bleiben und dann sind sie verschwunden» Auf die Frage, ob die Ukrainer «nett» seien, meinte die Befragte «Ja, sehr nett». Später sagte ein ukrainischer Soldat der Reporterin: «Das ist der Unterschied zwischen uns und den Russen. Wir zerstören ihre Städte nicht».

12 JAHRE LAGERHAFT FÜR SPENDE

Am 21.Februar dieses Jahres wurde die russisch-amerikanische Doppelbürgerin Ksenia Karelina in Russland verhaftet (https://ukraineaktuell.com/ukraine-aktuell-nr-728-21-2-24-22uhr/). Ihr wurde zur Last gelegt, dass sie 51.8 US-Dollar an eine ukrainische Hilfsorganisation gespendet hatte, welche vor allem humanitäre Güter für die ukrainischen Soldaten zur Verfügung stellt.

Heute hat ein Gericht in Jekaterinenburg die 33-jährige Frau zu 12 Jahren Lagerhaft wegen «Landesverrat» verurteilt. Die Verteidigerin von Ksenia Karelina will das Urteil anfechten. https://x.com/kvistp/status/1824021072343101627

PUTIN WILL ANGEBLICH «SÄUBERN»

Anton Gerashchenko, Berater des ukrainischen Innenministeriums schreibt: «Aus russischen Quellen heisst es, dass wegen des Versagens der Verteidigung der Region Kursk Strafverfahren gegen russische Generäle vorbereitet würden.

Die „Säuberung“ des russischen Verteidigungsministeriums, die nach der Entlassung von Sergej Schoigu begann, könnte mit einer neuen Reihe von Verhaftungen hochrangiger Gesetzeshüter fortgesetzt werden, die bei der Verteidigung der Region Kursk versagt haben.

Es wird berichtet, dass Generalstabschef Gerasimow bei Putin in Ungnade gefallen sei.» https://x.com/Gerashchenko_en/status/1824139392547688627

Das Foto stammt von Dezember 2023 und zeigt Gerasimow (links),  Schoigu rechts und Putin bei einem Besuch einer russischen Waffenfabrik. Schoigu war damals noch Verteidigungsminister, Gerasimow ist heute noch Armeechef und alle drei werden als Kriegsverbrecher international gesucht.

Ältere Beiträge nach Monat

#UKRAINE AKTUELL Nr. 1507 (9.4.2026 / 8Uhr)

• J.D. Vance will Donbass aufgeben
• Ukraine reduziert USA-Abhängigkeit
• Alternative zu «Patriot» wird entwickelt
• Kriegsschiffe schützen Schmuggelflotte
• Viertgrösste Raffinerie stellt Betrieb ein
• Ukraine baut ihr Drohnenarsenal aus
• Verzweifelte russische Frontsoldaten
• UNGARN26: Anschlag verhindert

Weiterlesen »

#UKRAINE AKTUELL Nr. 1480 (13.3.2026 / 8Uhr)

• Putins Regime profitiert vom Irankrieg
• Ukrainer verhindern mehr Öl-Exporte
• Schweden blockiert Schatten-Tanker
• Analyse: Der autoritäre Block «RICN»
• Trump war 2025 gegen Drohnenschutz
• Beliebte ukrainische Abwehr-Drohnen
• Russland beschuldigt Grossbritannien

Weiterlesen »

#UKRAINE AKTUELL Nr. 1504 (6.4.2026 / 7Uhr)

• März: 35’00 Russen ausgeschaltet
• Mehr Verluste als Neu-Rekrutierte
• Russische Offensive geht weiter
• Ukrainische Front bricht nicht ein
• Gegenoffensive bringt Landgewinne
• Verzweifelter russischer Soldat
• Zwangsmobilisierung bleibt nötig
• Dritter Ölexporthafen angegriffen
• Getreide-Diebstahlschiff gesunken
• Putin – Orbán-Deal aufgedeckt
• Orbán hat einen Palast in Moskau

Weiterlesen »

#UKRAINE AKTUELL Nr. 1487 (20.3.2026 / 9Uhr)

• Putin-Kritiker in Psychiatrie-Klinik
• Ukraine weitet «Todeszone» aus
• Teilweise primitive Drohnenabwehr
• Megalöhne für Drohnenpiloten
• Korruption in ukrainischen Spitälern
• Orban blockiert erfolgreich EU-Kredit
• Länder wollen ihre Söldner zurück

Weiterlesen »

#UKRAINE AKTUELL Nr. 1494 (27.3.2026 / 9Uhr)

• Russische Häfen und Raffinerie brennen
• Erdöl-Exporte Russlands unterbrochen
• Feuer in der grössten Phosphat-Fabrik
• Putin bittet Wirtschaft um Spenden
• US-Militärs von der Ukraine beeindruckt
• Saudi-Arabien schliesst Abkommen
• Ungarns Aussenminister gibt Verrat zu

Weiterlesen »