UKRAINE AKTUELL Nr. 902 (13.8.24/21Uhr)

  • Ukraine baut Präsenz in Kursk aus
  • Russen plündern Häuser in Kursk
  • Putin ernennt neuen starken Mann
  • Gegenoffensive wie in Tschetschenien
  • Evakuierte «Vom Feuer in die Flamme»
  • Kleine Truppenteile wurden abgezogen
  • Ostukraine-Fortschritte der Russen
  • Erstmals Bericht über «Ukraine Aktuell»

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74 DÖRFER UNTER KONTROLLE

In der russischen Region Kursk haben die ukrainischen Truppen 40 Quadratkilometer dazugewonnen. Das berichtete der ukrainische Generalstabschef Olexandr Syrskyj an den Präsidenten Zelenskyj. https://t.me/Tsaplienko/58554

Volodymyr Zelenskyj selber schreibt auf seinem Telegram, dass er in ständigem Kontakt mit Syrskyj sei und über die Lage in der Region Kursk: «74 Siedlungen stehen unter der Kontrolle der Ukraine. Dort werden Inspektionen und Stabilisierungsmassnahmen durchgeführt. Die Entwicklung humanitärer Lösungen für diese Gebiete geht weiter.» https://t.me/V_Zelenskiy_official/11362

Gestern hatte der russische Gouverneur von Kursk gesagt, dass 28 Siedlungen unter ukrainischer Kontrolle seien. (Siehe Ukraine Aktuell Nr. 901)

In einem weiteren Eintrag schreibt Zelenskyj: «Besonderes Augenmerk wird auf die Region Kursk und damit auf den Schutz aller unserer angrenzenden Grenzgemeinden gelegt. Je stärker die russische Militärpräsenz in den Grenzregionen zerstört wird, desto größer wird der Frieden und die wirkliche Sicherheit für unser Land sein.» https://t.me/V_Zelenskiy_official/11363

Der russische Militärblogger Yuri Podoljak (3,07 Mio Abonnenten auf Telegram) schreibt über die Lage in der Region Kursk heute Abend: «Der heutige Tag war nicht so angespannt wie gestern, und insgesamt schien die Lage an diesem Frontabschnitt zwar angespannt aber stabil zu sein. Einerseits versuchte der Feind stellenweise anzugreifen (wenn auch nicht so aktiv). Andererseits waren wir auch an manchen Orten aktiv.» Die «Vertreibung des Feindes … scheint immer noch eine sehr ferne Zukunft zu sein.» und «in der Zwischenzeit haben die Streitkräfte der Ukraine immer noch Truppen für Angriffe hier und versuchen, wenn auch lokale, Erfolge zu erzielen.» https://t.me/yurasumy/17100

Die aktuelle Karte des amerikanischen «Institut for the study of wars» (ISW) ist 18 Stunden alt. Sie zeigt die massiv erweiterte Fläche, welche gemäss verschiedenen geolokalisierten Meldungen unter der Kontrolle der Ukraine sind. https://x.com/TheStudyofWar/status/1823168917550047675

ZUSAMMENBRUCH DER ORDNUNG

Eine genaue Einschätzung, wo die ukrainischen Truppen in den Regionen Kursk und Belgorod dominant sind, ist aufgrund fehlender oder nicht bestätigter Daten schwierig. Im Raum steht weiterhin die Aussage des ukrainischen Generalstabschefs Olexandr Syrskyj von gestern, dass 1’000 Quadratkilometer unter der Kontrolle der Ukrainer seien.

Es gibt Hinweise, dass die Ordnung in der Region Kursk zusammenbricht. So wird berichtet, dass russische Soldaten die Häuser ihrer Landsmänner in der Region Kursk plündern, welche diese in aller Eile verlassen haben. Auf dem Handy eines gefangenen Russen wurden entsprechende Aufnahmen gefunden. In dem Video (Link im Newsletter: https://x.com/i/status/1823003072177553458  ) sieht man den Mann, wie er durch das durchwühlte Innere des Hauses irrt. Das Gebäude scheint beschädigt worden zu sein, wahrscheinlich durch Artilleriebeschuss. Er beschwert sich, dass «das Verteidigungsministerium» (also die Armee) vor ihm dort gewesen sei und das Haus ausgeplündert habe. https://x.com/ChrisO_wiki/status/1823003074564092200

Eine Bewohner von Kursk sagte in einem Video https://x.com/i/status/1823024679982137683 , dass sich Menschen aus Kursk den Ukrainern anschliessen: «Was passiert? Alle wechseln auf die ukrainische Seite. Jeder in der Kursk Region wartet auf die Ukraine. Nur Einwohner von Moskau und St.Petersburg warten nicht auf die Ukraine, weil es ihnen gut geht.»

PUTINS NEUER STARKER MANN

Putin hat heute Generaloberst Alexei Dyumin zum «Koordinator für Kursk» ernannt. https://x.com/Fitek69/status/1823097424715341864 

Damit revidiert Putin die Ernennung des FSB-Geheimdienstchefs Alexander Bortnikow als Chef der «Spezialoperation» in Kursk, die er vor zwei Tagen bekanntgegeben hatte (Siehe Ukraine Aktuell Nr. 900: «Gerasimow degradiert», https://ukraineaktuell.com/ukraine-aktuell-nr-900-11-8-24-22uhr/ )

Von Alexei Dyumin weiss man, dass er in Kursk geboren wurde, von 2016 bis 2024 Gouverneur der Oblast Tula war und 2014 die Annexion der Krim im Auftrag Putins überwachte. Während Putins erster und zweiter Amtszeit war Dyumin Leiter von Putins persönlichem Sicherheitsstab. Gegen ihn haben die USA 2018 Sanktionen verhängt. https://de.wikipedia.org/wiki/Alexei_Gennadjewitsch_Djumin

Der russische Militärblogger Semyon Pegow (WarGonzo, 1 Mio. Follower auf Telegram) schreibt, dass die Ernennung von Dyumin weitreichende Konsequenzen haben könne: «Es gibt auch Grund zu der Annahme, dass der Einmarsch des Feindes in die Region Kursk auch gewisse Veränderungen im Generalstab mit sich bringen wird. Es ist einfach logisch. Vielleicht wird Dyumin auf diese Weise bereits in die Situation eingeführt.» https://t.me/wargonzo/21542  

KREML BEREITET REAKTION VOR

Analyse von Dara Massicot, eine Fachfrau für russische Verteidigungsfragen beim Washingtoner «Carnegie Endowment for International Peace» https://x.com/MassDara/status/1823058780537733306 .

Ich habe ihre Überlegungen gekürzt, und zwar an jenen Stellen, in denen Dara Massicot sehr auf die personellen Verstrickungen eingeht.

«Russland beginnt mit seiner Reaktion auf den Einmarsch der Ukraine in Kursk. Mehrere Ministerien sind daran beteiligt, und die Kommandostruktur ist noch im Aufbau begriffen. Russland hat seine Verteidigungsoperation zu einer «Anti-Terror-Operation» (KTO auf Russisch) erklärt. Dabei handelt es sich um eine inländische Operation, bei der neben dem Militär auch der FSB [Geheimdienst] und Rosgvardia [Nationalgarde, repressive Inlandpolizei] eine Rolle spielen. «KTO» wurde auch der Krieg in Tschetschenien von 1999 bis zu seinem Ende genannt.

Putin hat die Grenztruppen des Inlandgeheimdienstes FSB und die Rosgvardia angewiesen, die Grenzen zu verteidigen. Den Militärs hat er befohlen, dass dass ihre Hauptaufgabe darin besteht, die ukrainischen Kräfte aus dem russischen Hoheitsgebiet zu vertreiben und ukrainische Aufklärungs- und Sabotagegruppen zu bekämpfen.

Russland hat aus dem zweiten Tschetschenien-Krieg Erfahrung mit der Schaffung einer kombinierten Struktur, an der interne Sicherheitsorgane und das Militär beteiligt sind. Ich spreche dies an, weil Bortnikow [aktueller Chef des Geheimdienstes FSB] und Gerasimow [Generalstabschef] in Tschetschenien mit dieser Anordnung – also der Kombination von zwei ganz unterschiedlichen Diensten – gearbeitet haben. Die heutige Situation ist zwar ganz anders, aber sie wissen noch, wie man zusammenarbeitet.

FSB-Mitarbeiter werden Aufklärungsarbeit leisten und versuchen, Teams der ukrainischen Streitkräfte (AFU) aufzuspüren und zu verhören. Die russischen Streitkräfte haben bereits eine kleine Anzahl von AFU-Teams gefangen genommen. Hier mache ich mir Sorgen, was als Nächstes kommt, denn der FSB wendet grausame Foltermethoden an.

Das russische Ministerium für Notstandssituationen (MChS) ist jetzt mit der Evakuierung von Städten beschäftigt. Wahrscheinlich wird die Armee Artillerie einsetzen, vor allem wenn die Städte geräumt sind.

Dieser Krieg hat Russlands Grenzen geschwächt, die Armee ist in der Ukraine engagiert und nicht sofort verfügbar, um die Grenzregionen zu verteidigen, und die FSB-Grenztruppen sind auf sich alleine gestellt. Das russische System wird instinktiv überkorrigieren und bei Kursk hart durchgreifen.» https://x.com/MassDara/status/1823058780537733306

EVAKUIERTE SOLLEN IN DIE UKRAINE

Heute Abend wurde die Evakuierung der russischen Bevölkerung aus dem Bezirk Bolschesoldatski nahe Sudschanski in der Region Kursk angekündigt. Wohin die Menschen gebracht werden sollen, wurde nicht gesagt. https://t.me/uniannet/141957

Ein Teil der Flüchtlinge aus der Region Kursk der Russischen Föderation wird in den besetzten Teil der Region Saporischschja geschickt. Eine solche Erklärung gab der amtierende Gouverneur des Oblast Kursk, Alexej Smirnow, nach einem Gespräch mit dem russischen Gauleiter des besetzten Teils von Saporischschja, Jewgeni Balyzkyj, ab. Smirnow und Balyzkyj einigten sich darauf, dass die Vertriebenen aus den Grenzgebieten der Region Kursk in Sanatorien und Pensionen am Ufer des Asowschen Meeres, auf der Strecke von Berdjansk nach Kyryliwka, untergebracht werden. https://t.me/UkraineNow/57306

KLEINE TRUPPENTEILE SIND WEG

«Russland hat einige seiner Einheiten aus den Regionen Saporischschja und Cherson im Süden der Ukraine abgezogen», sagte Dmytro Lychowij, ein Sprecher der ukrainischen Armee. Es handle sich um relativ wenige Einheiten, welche abgezogen und nach Kursk geschickt werden. Um den Abzug zu verdecken sei gleichzeitig die südukrainische Stadt Kherson massiv beschossen worden. Aus der Ostukraine würden keine Truppen abgezogen, um dort den russischen Vorstoss nicht abzubremsen. https://www.politico.eu/article/vladimir-putin-pull-army-units-out-ukraine-defend-russia-kursk-belgrod-region/

RUSSEN-FORTSCHRITT IM OSTEN

Das ukrainische Analystennetzwerk notierte Fortschritte der russischen Truppen im Osten der Ukraine. Der Feind besetzte Lysichne, Ivanivka, Svyridonivka in Richtung Pokrovsky. Auch in der Gegend von Grodiwka, Kostjantyniwka, Newelskyj, in der Nähe von Sergijiwka, Pischtschany und Nowotorezkyj haben die Besatzer Fortschritte gemacht. Der Kartenausschnitt zeigt unten den Stand vor zwei Tagen und oben den Stand heute (Karte im Newsletter sichtbar). https://t.me/DeepStateUA/20115

Der Kreml-Blogger «Rybar» schreibt in seinem Beitrag über mehrere Durchbrüche im Osten von Konstantinowka und nutzt hier – im Gegensatz zu seiner Berichterstattung über die russische Region Kursk – einen nahezu euphorischen Ton. Mehr Schwierigkeiten scheinen die russischen Truppen bei der Überwindung der ukrainischen Verteidigung bei Vodjanoje zu haben. https://t.me/rybar/62739

Die Fortschritte der Russen bewegen sich im Bereich von hunderten Metern bis wenigen Kilometern und sind nicht vergleichbar mit dem Vordringen der ukrainischen Truppen in Kursk, aber für die Verteidigung der Ukraine sind sie dennoch bedeutend.

BERICHT ÜBER «UKRAINE AKTUELL»

Zum ersten Mal hat ein journalistisches Produkt über «Ukraine Aktuell» berichtet. Nick Lüthi vom Schweizer Fachmagazin «Persoenlich» hat in der Onlineausgabe einen Hintergrundartikel veröffentlicht, welcher die Motivation für und die Funktionsweise von «Ukraine Aktuell» darstellt. https://www.persoenlich.com/medien/er-wird-auch-den-tausendsten-newsletter-verschicken

Ältere Beiträge nach Monat

#UKRAINE AKTUELL Nr. 1548 (20.5.2026 / 8Uhr)

• Russen greifen mehrere Städte an
• Ukrainer beschädigen Raffinerien
• Vermehrt Angriffe auf Krim-Logistik
• Erinnerungen eines Krim-Tataren
• US-Vizepräsident J.D. Vance lügt
• 7-mal mehr tote Russen als Ukrainer
• Kreml-Blogger bettelt um Netze
• Russische Partisanen in Aktion
• EU will Deserteure weniger schützen

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#UKRAINE AKTUELL Nr. 1547 (19.5.2026 / 8Uhr)

• Ukraine kauft 25’000 Bodenroboter
• Moskau ist verletzlicher als gedacht
• Partisanen melden sich aus Russland
• Russischer Angriff auf China-Frachter
• 900 Mio € aus Berlin für Granaten
• Merkel will Putin nicht mehr treffen
• Was Xi Jinping und Trump besprachen
• In Washington dreht sich der Wind

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#UKRAINE AKTUELL Nr. 1554 (26.5.2026 / 6Uhr)

• Kein Benzin-95 mehr auf der Krim
• Russische Logistik als neues Ziel
• Russen trafen auch Militärindustrie
• Telefon zwischen Lawrow und Rubio
• Russischer Aussenminister droht
• Kremlnahe Blogger sind unzufrieden
• Ukraine schlug in 4 Tagen 3 Mal zu
• Kreml sperrt Himmel über Moskau
• Internetsperre im besetzten Luhansk
• KI-Drohnenschwärme im Einsatz
• Ex-CIA-Chef: «Von der Ukraine lernen»

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#UKRAINE AKTUELL Nr. 1549 (21.5.2026 / 8Uhr)

• Strasse des Todes in Richtung Krim
• Marschflugkörper aus der Schweiz
• Ukraine beeindruckt US-Heereschef
• USA verhandeln über Drohnenkauf
• China ist im Ukrainekrieg nicht neutral
• Putin verlässt Peking mit leeren Händen
• Milliardenforderung an Gazprom
• Kreml droht Lettland offen mit Krieg

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#UKRAINE AKTUELL Nr. 1558 (30.5.2026 / 7Uhr)

• Drohungen gegen Europas Städte
• «Schwachköpfe und Atombomben»
• Propagandistin in französischem TV
• Russische Sorgen wegen 3. Front
• Ukrainer erobern Gebiete zurück
• Schlag über 2’000 Kilometer Distanz
• Ukraine bekam 215’000 Drohnen
• Angriffe auf 3 Schattenflotte-Tanker
• Mobilisierung scheitert in Russland

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#UKRAINE AKTUELL Nr. 1553 (25.5.2026 / 8Uhr)

• Russische Armee zeigt Schwäche
• Widerstandsfähige Stadtbewohner
• «Light of the Gospel» Kirche brennt
• Pfingst-Angriff kostete 850 Mio. $
• Nur ein ganzer Sieg schützt Ukraine
• Donbasverteidigung wird ausgebaut
• Ukraine produziert zu viele Drohnen

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