Am Sonntag reisten die beiden Trump-Delegierten Jared Kushner und Steven Witkoff von Moskau nach Kyiv. Sie taten dies im Zug, weil die Lage in Kyiv trotz der von Russland angekündigten begrenzten Angriffspause als unsicher eingeschätzt wurde. Um 22 Uhr am Sonntagabend reisten die beiden wieder aus Kyiv ab, ebenfalls im Zug, dem «Peace Train».
Dazwischen trafen sie sich zu Gesprächen mit einer vierköpfigen ukrainischen Delegation, angeführt vom Präsidenten Volodymyr Zelenskyi und dem Leiter des Präsidialamtes Kyrylo Budanov.
Danach sagte Volodymyr Zelenskyj vor den Medien:
Danke an Kushner, Witkoff und Trump;
Es gab drei Gesprächsrunden;
Themen: Der kommende Winter und seinen Herausforderungen, Unterstützung im Bereich Luftverteidigung und Energieversorgung; Witkoff und Kushner haben den Verhandlungsprozess aufgenommen – aktuell gibt es kein festgelegtes Gesprächsformat; Europa muss an den Gesprächen teilnehmen;
Das «territoriale Thema» ist ein wichtig und komplex und kann nur auf der Ebene der Staatschefs gelöst werden; die Ukraine benötigt Sicherheitsgarantien auch für den Wiederaufbau;
«Wir haben unsere Position auf dem Schlachtfeld gestärkt, und das gibt uns die Möglichkeit, in jedem Format zukünftiger Gespräche mit den amerikanischen und russischen Seiten selbstbewusster zu sein.»
«Zurzeit entwickeln 60 Unternehmen in der Ukraine. Wir planen, diese Fähigkeiten in grossem Massstab auszubauen.»
«Die ukrainische Seite erwartet, dass die Arbeit von Lindsey Graham, einem grossen Freund der Ukraine, von den USA positiv gewürdigt wird. Wir setzen uns für diese Sanktionen ein.»
«Es ist wichtig, dass Steve und Jared unsere Stadt Kyiv und unsere Menschen gesehen haben, insbesondere unsere Sophienkathedrale.»
Jared Kushner übermittelte «persönliche Grüsse» von Trump und betonte, wie wichtig es sei, einen «langfristigen, dauerhaften Frieden» zu schaffen, der es der Ukraine ermögliche, «sich zu der grossen Nation zu entwickeln, zu der sie das volle Potenzial hat».
Steven Witkoff sagte auf der Medienkonferenz, die Vereinigten Staaten unterstützten eine friedliche Lösung des Krieges zwischen der Ukraine und Russland. Er fügte jedoch hinzu, ohne einen Dialog mit Russland seien die Chancen auf eine friedliche Lösung sehr gering.
Auf die Frage eines ukrainischen Journalisten, ob es ihm «peinlich sei, mit einem internationalen Kriegsverbrecher am selben Tisch zu sitzen», betonte Witkoff, dass «wir von Präsident Putin und seinem Team stets respektvoll behandelt worden sind».
Anschliessend nahmen ukrainische und US-amerikanische Vertreter gemeinsam mit Sicherheitsberatern aus Grossbritannien, Frankreich und Deutschland an einer weiteren Verhandlungsrunde teil.
«Der Krieg wird weitergehen – US-Friedensbemühungen scheitern nach dem ersten Besuch von Witkoff und Kushner in Kyiv». Das schreibt die ukrainische Zeitung «The Kyiv Independent» und beruft sich dabei auf die Aussage von Volodymyr Zelenskyj: «Wenn der Krieg weitergeht – und wir gehen davon aus, dass der Krieg weitergehen wird –, setzen wir stark auf das Winterhilfepaket … auf Unterstützung sowohl für die Luftabwehr als auch für den Energiesektor», sagte der Präsident gegenüber Reportern.
Gemäss der Zeitung wird Trump zuerst Putin anrufen und danach Zelenskyj. Als Quelle gibt die Zeitung einen «US-Beamten» an. Zuvor wird der US-Präsident von seinen Vertretern über die Ergebnisse der Gespräche in Moskau und Kyiv informieren.
Jared Kushner (Schwiegersohn von Trump) und Steve Witkoff (New Yorker Immobilienhändler) waren an diesem Wochenende als «Sonderdelegierte» zum wiederholten Mal in Moskau und zum ersten Mal in Kyiv. Obwohl offiziell von niemanden gewählt, reisten sie in der Rolle als USA-Vermittler im Krieg, den Russland gegen die Ukraine vor 4 ½ Jahren begonnen hat.
Die offiziellen Mitteilungen lassen Substanz weitgehend vermissen. Also bleibt ein anderer Blick – jener auf die Bilder. Die beiden Herren wurden am Samstag im Kreml fotografiert und am Sonntag im Regierungssitz der ukrainischen Regierung.
PUTIN MACHT WEITER
Nach dem Besuch von Sonderbeauftragten der USA in Moskau schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg, Putin sei nur bereit, den Krieg zu russischen Bedingungen zu beenden. Moskaus Forderungen seien noch härter geworden, weil die Besatzer glauben, einen militärischen Vorteil gegenüber der Ukraine zu haben. Bloomberg beruft sich bei seinem Bericht auf «kremlnahe Quellen». https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-09-05/us-envoys-arrive-in-moscow-with-proposal-to-end-war-in-ukraine
Das amerikanische «Institute for the Study of War» (ISW) kommt zum Schluss, dass der Diktator keine Bereitschaft zu substanziellen Kompromissen in den Verhandlungen zeige. Er rechne weiterhin damit, seine maximalistischen Ziele auf militärischem Weg zu erreichen. Putin gehe davon aus, dass Russland einen Vorteil auf dem Schlachtfeld hat, obwohl seine Vorstellungen verzerrt sind, schreiben die ISW-Experten: «Eine Person, die dem Kreml nahesteht, erklärte vor dem Besuch von Witkoff und Kushner in Moskau, dass es keine Friedensvereinbarung geben werde, solange die russischen Truppen nicht den verbleibenden Teil der Region Donezk erobert hätten, und betonte, dass Putin davon überzeugt ist, dass die russischen Truppen bis Ende 2026 die gesamte Region Donezk erobern können.» https://understandingwar.org/research/russia-ukraine/russian-offensive-campaign-assessment-september-6-2026/
DIVERSE SCHÄDEN IN SOTSCHI
Nach mehreren ukrainischen Drohnenangriffen auf Sotschi und Umgebung in den vergangenen Tagen wurden im Luxus-Ferienort Sotschi und dessen naher Umgebung verschiedene Schäden festgestellt:
Militärhubschrauber: ein zerstörter Ka-52, ein zerstörter Mi-28 und ein beschädigter Mi-8
Luftabwehr: zwei zerstörte S-300-Startgeräte und ein zerstörtes Pantsir-System
Treibstoffanlagen: Schäden und Brände an Öllager-/Treibstoffanlagen
Die weiterentwickelten russischen Drohnen der Typen «Geran-4» und «Geran-5» sind schneller und verfügen über verbesserte Reichweiten und Steuerungsmöglichkeiten. Besonders die jetgetriebene Geran-4 erreicht deutlich höhere Geschwindigkeiten als ältere iranisch-russischen Shahed/Geran-2-Drohnen. Die ukrainische Luftabwehr konnte die Mehrzahl der «Shaheds» abfangen. Dies gelingt bei den neuen «Gerans» noch nicht oft.
Die ukrainische Industrie entwickelt nun ihre Abfangdrohnen weiter (siehe Ukraine Aktuell Nr. 1637), um die neuen Gerans bekämpfen zu können. Aber dies ist nicht das alleinentscheidende: Genauso wichtig sind die Fähigkeiten, die Einsätze frühzeitig zu erkennen und mit kurzen Befehlsketten die Neutralisierung zu erreichen. Dies schreiben die Analysten von «InformNapalm».
In einem umfassenden Artikel zeigt «InformNapalm» auf, in welche Richtung sich die ukrainische Verteidigung entwickelt und richtet gleichzeitig eine Warnung an die westlichen Armeen, die nicht die neusten Erkenntnisse verinnerlichen: «Der Hauptfehler Europas besteht darin, sich auf den Krieg vorzubereiten, den Russland vor zwei bis drei Jahren geführt hat.»
Westliche Militärs waren 2017 von den russischen Daten der sogenannten Hyperschallraketen «Kynzhal» («Dolch») beeindruckt. Höchstgeschwindigkeit: Mach 5; Reichweite: 1’500–2’000 Kilometer; Gefechtskopfgewicht ca. 500 Kilogramm für konventionelle oder Atomsprengköpfe; Abgeschossen von MiG-31K-Kampfjets oder von strategischen Bombern Tu-22M3M.
Nun wurde bekannt, dass Russland die Produktion der Kinzhal im April 2026 ausgesetzt hat. Als einen Grund nannte der ukrainische Militärgeheimdienst Probleme mit der Treffgenauigkeit.
2024 wurden 44 «Kinzhal» produziert und 2025 sogar 144 Exemplare. Dann kam es zu einem abrupten Stillstand. Der stellvertretende Leiter des ukrainischen Militärgeheimdienstes, Wadym Skibizkyj, sagte, der Kreml habe die Produktion im April eingestellt – weil die Rakete immer wieder ihr Ziel verfehlte.
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