«Wir haben den Befehl erhalten, den Beschuss (an der Front und überall) bis zum 8. September einzustellen. Die Einstellung beginnt am 5. September um 00:00 Uhr.» Diese Meldung verbreiteten ukrainische Militärblogger am Freitag um 22:45 Uhr mitteleuropäische Zeit. https://t.me/vanek_nikolaev/42806
Weiterhin hiess es: «Den Einheiten ist es untersagt, Schüsse abzugeben und aktive Operationen an Land, auf See und in der Luft durchzuführen. Gleichzeitig werden die Aufklärung und die Überwachung der Aktionen des Gegners verstärkt.» https://t.me/Crimeanwind/108777
Ähnliche Meldungen von russischen Militärbloggern gibt es nicht. Gemäss der ukrainischen Nachrichtenagentur RBC verhandelt eine amerikanische Delegation mit Russland über eine Einhaltung des Waffenstillstands. https://t.me/RBC_ua_news/204189
Vermutet wird, dass diese angebliche Waffenruhe mit dem angekündigten Besuch der beiden Trump-Sondergesandten Jared Kushner und Steven Witkoff zusammenhängen soll, die am Sonntag zu einem Besuch in Kyiv erwartet werden.
Volodymyr Zelenskyj hatte am Freitagabend angekündigt: «Heute haben wir besprochen, dass Steve Witkoff und Jared Kushner am Sonntag Moskau und Kiew besuchen werden. Wie schon bei früheren diplomatischen Besuchen der amerikanischen Seite werden wir dafür sorgen, dass der russische Luftraum normal funktioniert, damit die Unterhändler sicher ankommen können.
Wir kümmern uns um sie, nicht um Russland. Es wird keine Luftangriffe von unserer Seite geben, und Russland muss dasselbe tun und sicherstellen, dass es für die Dauer dieser Gespräche und der logistischen Vorbereitungen im Zusammenhang mit diesem amerikanischen Besuch keine Luftangriffe von seiner Seite gibt.» https://x.com/ZelenskyyUa/status/2095923193290834050
ANGRIFFE IN DER NACHT
Nach der angekündigten «Waffenruhe» gab es keine Meldungen über ukrainische Flugbewegungen oder Angriffe. Demgegenüber gibt es Meldungen zu Angriffen der russischen Armee:
In Kamjanske in der Region Dnipro wurde ein Industrieunternehmen getroffen: 4 Menschen sind gestorben, 5 wurden verletzt. Drei Verletzte befinden sich in einem Krankenhaus. Unter ihnen ist eine 30-jährige Frau, die sich in der Intensivstation befindet. Dies teilte Alexander Ganža, der Leiter der Oblastverwaltung mit. https://t.me/u_now/211260
In Boryspil, Region Kyiv, schlug eine russische Drohne in einem 9-stöckigen Mehrfamilienhaus ein. Zwei Frauen wurden mit Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. https://t.me/RBC_ua_news/204194
Gemäss der ukrainischen Luftwaffe gab es Raketen-Drohnen-Angriffe in Richtung Kyiv und Odesa, sowie Drohnenangriffe auf Kharkiv und Mykolajiv. https://t.me/uniannet/200405
DIREKTANGRIFF AUF GEHEIMDIENST
Am Freitagmittag schlug eine russische Drohne in der Zentrale des ukrainischen Inlandgeheimdienstes SBU ein. Nach ukrainischen Angaben war das Büro des SBU-Leiters Alexander Pokla das Ziel. Es entstand ein Brand, der rasch gelöscht werden konnte. Nach nicht weiter präzisierten Meldungen gab es Verletzte. Das SBU-Gebäude befindet sich an der Wolodymyrskaja Strasse in Kyiv, direkt gegenüber der Sophienkathedrale. Bei der Drohne soll es sich um eine neue «Geran-5» gehandelt haben. https://t.me/Crimeanwind/108760
Der russische Militärblogger «Rybar» schrieb dazu: «Ein gezielter Angriff auf das Büro des Chefs des SBU mitten am Tag in Kiew war der „Kranich“ auf dem Kuchen.» https://t.me/rybar/82904
Volodymyr Zelenskyj bestätigte den Angriff. Er teilte mit: «Ich habe Poklad angewiesen, angemessen, spürbar und, wenn möglich, auf gleiche Weise auf diesen Angriff zu reagieren, sobald alles vorbereitet ist. Unsere Streitkräfte werden diese Reaktion unterstützen.» https://t.me/V_Zelenskiy_official/20700
BERICHT EINER KRIEGSKRITIKERIN
Die russische Ärztin Natalya Polyakova hatte an ihrem Arbeitsplatz gegenüber Kollegen Putin mit Hitler verglichen. Danach kam sie in die Mühle des russischen Unterdrückungsapparats, wie sie dem russischen Magazin «The Insider» erzählte.
«Ich bin Fachärztin für klinische Labordiagnostik. Nach dem Mutterschaftsurlaub wurde mir eine Stelle als leitende Labortechnikerin in der Strafvollzugsanstalt Nr. 32 angeboten, einem Gefängnis für Frauen mit Tuberkulose. Man sagte mir, die Arbeit dort wäre ruhig und niemand würde mich stören.
Die Ausrüstung dort stammte noch aus den 1990er Jahren. Ich musste lernen, weisse und rote Blutkörperchen manuell unter dem Mikroskop zu zählen, eines nach dem anderen. Das war die Arbeit jeder Labortechnikerin für zwanzig Patientinnen pro Tag.
In der gemeinsamen Personalküche lief eine Radiosendung des Kreml-Propagandisten Wladimir Solowjow, der forderte: «48 Stunden Zeit, um Kharkiv zu verlassen, dann wird die Stadt Block für Block dem Erdboden gleichgemacht.» Ich sagte laut, dass das Propaganda im Stil von Goebbels sei, und verglich Putin mit Hitler. Sie hörten mir lächelnd zu.
Am nächsten Tag rief mich mein Chef zu sich und sagte, jemand sei zu ihm gekommen und habe gewarnt, dass unsere Gespräche verboten seien.
Danach fingen die Kollegen an, mich zu meiden. Einige assen nicht mehr mit mir zu Mittag. Andere sprachen überhaupt nicht mehr mit mir. Wir wussten genau, welche Insassen Informanten waren, die uns ausspionierten, um der Sicherheitsabteilung Bericht zu erstatten.
Am 4. Juni 2025 morgens standen FSB-Agenten (FSB = Inlandgeheimdienst) mit einem Gerichtsbeschluss vor meiner Tür. Sie durchsuchten eine Stunde lang meine Wohnung und nahmen meinen Laptop sowie meine beiden Handys mit.
Zwei Beamte setzten mich stundenlang unter Druck. Hätte ich Verwandte in der Ukraine? Warum würde ich nicht für den Krieg spenden? Ich sagte, ich hätte ein krankes Kind und andere Prioritäten.
Ich weigerte mich, meinen Lohn «freiwillig» an den Kriegsfonds zu spenden. Einen Monat später sagte mein Chef, Moskau habe angerufen und ihm befohlen, mich zu entlassen, da ich ein unzuverlässiges Element sei.
Sie drohten mir, meine Akte wegen Diskreditierung der Armee an den FSB weiterzuleiten. Ich schrieb mein Rücktrittsgesuch fünfmal um.
Am 3. Juni 2026, Punkt 7 Uhr morgens, klopften drei FSB-Ermittler mit zwei Zeugen an meine Tür. Sie zeigten mir einen Gerichtsbeschluss, der mich des Hochverrats und der Unterstützung von Organisationen verdächtigte, die in der Russischen Föderation als extremistisch oder als Bedrohung der nationalen Sicherheit eingestuft wurden.
Ich bekam meinen Pass gerade noch rechtzeitig und reiste am nächsten Tag mit meiner Tochter ab.
Jeden Morgen wachte ich auf und wartete darauf, ob sie um 7 Uhr wieder vor meiner Tür stehen würden. Ich möchte diese Angst nicht an meine Kinder weitergeben, aber ich werde sie für den Rest meines Lebens mit mir herumtragen.
Ich bin jetzt in Sicherheit. Meine Familie und ich denken über die Zukunft nach, schmieden Pläne und überlegen uns einen neuen Lebensweg. Wir werden sehen, was passiert, aber es ist besser als Gefängnis.»
Am dritten Tag in Folge schoss die ukrainische Luftabwehr neue russische Raketen-Drohnen vom Typ «Geran-5» über Kyiv ab. Nach Angaben des ukrainischen Experten Serhij «Flash» Beskreschtnow werden diese Drohnen aus einer Entfernung von etwa 400 km gestartet. Zuvor wurden ähnliche Raketen-Drohnen bei Angriffen auf Sumy und Tschernihiw beobachtet.
Die «Geran-5» ähnelt in ihren Eigenschaften und ihrer Konstruktion eher einer Rakete: Die Drohne erreicht eine Geschwindigkeit von bis zu 600 km/h, kann etwa 90 kg Sprengstoff transportieren und hat eine Reichweite von bis zu 950 km. Für den Antrieb sorgt das chinesische Turbostrahltriebwerk TELEFLY TF-TJ2000A mit einem Schub von ca. 200 kgf.
Die russische Armee reagierte auf den Besuch des CIA-Direktors in Moskau mit einer
Eskalation in der Ukraine. Zu diesem Schluss kommt die «Washington Post».
Nach dem unerwarteten Besuch von CIA-Direktor John Ratcliffe in Moskau nahm die Intensität der russischen Angriffe auf die Ukraine zu. Die Angriffe richteten sich auch gegen zivile Infrastruktur, darunter Energie- und Wasserversorgungsanlagen, Supermärkte und Lebensmittellager.
Laut der «Washington Post» hofft Putin, dass die Verschärfung der Angriffe Kyiv zur Kapitulation zwingen und dazu bringen wird, seine zentralen territorialen Forderungen zu akzeptieren – möglicherweise bereits in diesem Winter.
Während seines Besuchs warnte Ratcliffe russische Geheimdienstvertreter, dass eine weitere Eskalation das Gegenteil bewirken würde, und forderte Moskau nachdrücklich auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. In Russland scheint die Botschaft jedoch als Zeichen der Schwäche der USA interpretiert worden zu sein.
Die Intensivierung der Angriffe nach dem Besuch könnte auch ein Signal an Washington sein: Russland wird seine Position nicht ändern und seine Offensivstrategie nicht aufgeben.
Mykhailo Drapatyi, Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, hat die Grundsätze seiner Arbeit veröffentlicht: «Priorität hat der Schutz der Bevölkerung, der Städte und Dörfer. Der Dienst muss berechenbar sein. Personalentscheidungen basieren auf Professionalität und Ergebnissen. Das Hauptquartier dient den Truppen, nicht umgekehrt.» Drapatyi fasste sein Programm in acht Punkten zusammen:
➡️ Stabilisierung der Front und Schutz von Städten und kritischer Infrastruktur; ➡️ Entwicklung eines neuen Systems für Einberufung, Ausbildung und Dienst; ➡️ Synchronisierung aller militärischen Fähigkeiten; ➡️ Schnellere Einführung von Innovationen als der Gegner; ➡️ Transformation der ukrainischen Streitkräfte – von der Führung und Ausbildung bis zur Logistik und dem Kommando; ➡️ Anwendung des Prinzips der «Mission Command» mit grösseren Befugnissen für die Kommandeure; ➡️ Fürsorge für die Soldaten, ihre Familien, Veteranen und die Erinnerung an die Gefallenen; ➡️ Wahrung des Vertrauens der Ukrainer und internationaler Partner.
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