Bis heute (28. Juni 2026) hat die russische Armee im Bereich der 1. Front 1’400’970 Soldaten und Offiziere im Krieg gegen die Ukraine durch Tod oder schwere Verwundung verloren. Die tägliche Verlustrate ist unterdessen auf 1’200 bis 1’500 russische Armeeangehörige gestiegen.
Auch die Zahl der zerstörten Lastwagen und Tanklastwagen beträgt unterdessen pro Tag mehr als 500 Fahrzeuge, wodurch sich der Gesamtverlust auf 131’350 Fahrzeuge erhöht hat. Die zunehmenden Schäden sind die Folge der ukrainischen Angriffe auf die russische Logistik in der 2. Front.
Alle diese Zahlen stammen vom ukrainischen Generalstab. Da sie seit Kriegsbeginn auf verlässlicher Basis erhoben werden, gelten sie auch bei zahlreichen ausländischen Geheimdiensten und Militärbeobachtern als glaubwürdig. https://www.facebook.com/photo?fbid=1370995601880181&set=a.229159256063827
ERFOLGREICHE UKRAINER
In einem Interview mit der britischen «The Times» sagte General Olexandr Syrskyj, Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte:
Seit dem 1. Januar haben die ukrainischen Streitkräfte 183’500 russische Soldaten getötet oder schwer verwundet. Diese Zahl übersteigt die 180’500 Soldaten, die Russland im gleichen Zeitraum vermutlich rekrutiert hat.
Unser Hauptziel ist es, sicherzustellen, dass der Feind täglich mehr als 1’000 Soldaten durch Tod oder Verwundung verliert – Verluste, die so gross sind, dass sie die Fähigkeit des Feindes übersteigen, seine Streitkräfte wieder aufzufüllen.
Im Mai haben die ukrainischen Truppen zum ersten Mal seit 2023 schrittweise mehr Gebiet zurückerobert, als sie verloren hatten, und damit einen dreijährigen Trend schleichender russischer Gebietsgewinne umgekehrt.
Ich kann nicht ohne Weiteres sagen, dass sich der Krieg einem Wendepunkt nähert. Wir hoffen, dass der Moment kommt, in dem der Feind all seine Kräfte, Ressourcen und Massnahmen mobilisiert, woraufhin Erschöpfung einsetzt und ein Wendepunkt folgen könnte.
Krieg ist ein ständiger Wettstreit – ein Wettstreit zwischen Technologien, Volkswirtschaften und Ressourcen sowie eine Konfrontation zwischen Armeen.
Dieser Wettstreit äussert sich in einem Wettlauf, um mit neuen Waffentypen Schritt zu halten, für die dann Gegenwaffen entwickelt werden. Es ist entscheidend, dass wir in keinem dieser Bereiche unseren Vorsprung verlieren.
Das russische Kommando hat seine Pläne zur Eroberung ukrainischen Territoriums nicht aufgegeben. Sie passen lediglich ihre Zeitpläne an. Wie bereits im letzten Jahr setzen sie ihre Operationen mit Infanterieeinheiten fort und wenden dabei die Taktik der „tausend Schnitte“ an, um so tief wie möglich in unsere Verteidigungslinien vorzudringen.
Wir müssen proaktiv handeln und dem Feind durch aktive Operationen stets unseren Willen aufzwingen. Selbst ohne Überlegenheit müssen wir aktive Verteidigungsoperationen und, sofern es die Umstände zulassen, Offensivoperationen durchführen.
Der Einsatz modernster Technologie ist absolut unerlässlich – sie verschafft uns einen Vorteil. Beim Einsatz von FPV-Drohnen sind wir dem Feind nun zahlenmässig im Verhältnis von 1,7:1 bis 2:1 überlegen.
Wir dürfen den Feind nicht unterschätzen. Russland verfügt über ein enormes Potenzial, vor allem was seine Waffensysteme angeht.
Keith Kellogg war Sicherheitsberater der US-Regierung und Trumps Ukraine-Sondergesandter – der von Trump abgesetzt wurde, nachdem ihn der Kreml als zu «Ukraine-freundlich» bezeichnet hatte.
Am Samstag sagte er in Trumps TV-Lieblingssender Fox: «Die Ukrainer leisten derzeit grossartige Arbeit. Sie isolieren die Krim, führen Angriffe tief in Russland hinein und bringen die Russen in die Defensive. Viele haben gesagt: „Wow, na ja, es ist eben die Ukraine, die kann sich doch nicht gegen Russland stellen.“ Doch, das können sie, und das haben sie gerade unter Beweis gestellt.» Video: https://x.com/BohuslavskaKate/status/2070899767928852620/video/1
ANGRIFFE ZEIGEN WIRKUNG
Die Analysten des amerikanischen «Institute for the Study of War» (ISW) schreiben, dass die Angriffe der Ukraine mit Langstrecken- und Mittelstrecken Raketen und Drohnen die Anforderungen an die russische Luftabwehr erhöhen. «Angesichts der riesigen Landfläche und der grossen Anzahl an Einrichtungen, die Russland schützen muss», werde dies immer schwieriger für die russische Armee.
Das ISW schreibt: «Die Angriffskampagne der Ukraine hat Russland gezwungen, schwierige Entscheidungen darüber zu treffen, wo es seine begrenzten Luftabwehrressourcen einsetzen soll.
Die ukrainischen Angriffe, durch die in den vergangenen Monaten russische Luftabwehrradare ausser Gefecht gesetzt wurden, tragen wahrscheinlich ebenfalls dazu bei, dass Russland selbst in Gebieten mit verstärktem Luftabwehrschutz nicht in der Lage ist, Angriffe ausreichend abzuwehren.» https://twitter.com/thestudyofwar/status/2069254114345959448
BREITER BENZINMANGEL
Die Kraftstoffknappheit hat mittlerweile fast alle 89 Regionen Russlands erfasst, wobei an vielen Orten Kaufbeschränkungen pro Kunde eingeführt wurden und das Befüllen von Kanistern verboten ist. In einigen Regionen wurden entlang der Warteschlangen mobile WC-Anlagen eingerichtet.
Die Schläge der ukrainischen Armee gegen Raffinerien, Wartungsstillstände in den Anlagen, Hamsterkäufe und die sommerliche Nachfrage verschärfen die Krise. Am schlimmsten ist die Lage auf der Krim und in den besetzten Gebieten, wo Angriffe gegen die russische Logistik die Versorgungswege einschränken.
Yugra heisst die russische Region hinter dem Ural in Sibirien und dort findet 50% der russischen Ölförderung statt. Aber auch in dieser Region fehlt das Benzin. Bilder von Tankstellen ohne Benzinangebot erschienen aus Surgut. Surgut hat 400’000 Einwohner, wird als «Ölhauptstadt Russlands» bezeichnet wird und ist gemäss Wikipedia die drittreichste Stadt nach Moskau und St. Petersburg.
Lange Warteschlangen vor Tankstellen, die noch beschränkte Treibstoffmengen verkaufen, gibt es nun auch in Moskau und im Grossraum Ufa sind viele Tankstellen geschlossen.
Weinende Russinnen filmten sich selber, nachdem sie ergebnislos für Benzin angestanden waren. Eine Frau tat dies während 12 Stunden in der Region Irkutsk. Eine andere Frau unterhält ihr Tik-Tok-Publikum mit Videos ihrer Wartezeit, die nun schon eineinhalb Tage dauert.
Unterdessen gehen die Angriffe der ukrainischen Armee auf die Raffineriekapazitäten weiter. Videos mit Bränden gibt es von der Raffinerie «Slawjansk-na-Kuban» in der Region Krasnodar, gegenüber der Krim, aus welcher früher die Halbinsel beliefert wurden.
Im Kampf gegen die Logistik in der 2. Front fokussiert sich die ukrainische Armee auf Brückenübergänge. Bilder zeigen eine zerstörte Brücke in der Nähe des Dorfes Wladimirowka über den Fluss Korsak im derzeit besetzten Teil der Region Saporischschja. (Koordinaten: (46.71932253179294, 35.86188365457319)
Diese Brücke war ein wichtiges Element der Verbindungsstrasse E58 durch die besetzte Südukraine. Nun werden russische Lastwagen und Tanklastwagen auf kleine, einspurige Nebenstrassen umgeleitet. https://x.com/osinttechnical/status/2070895122183577659
DER BESONDERE KOMMENTAR
Roger C. hat auf meinen Text: «Das Konzept der drei Fronten – persönliche Kriegseinschätzung» reagiert, ein Text, der über 50’000 mal gelesen wurde. Roger C. schreibt:
«Ich weiss jetzt genau, wie man die 1. Front, die 2. Front und die 3. Front erklären muss.
Vor allem in der Planzeichnung erkennt man, wie die 1. Front und die 2. Front sich teilweise überschneiden, und dass die eigentliche 1. Front, die Frontkämpfe, nicht auf einer Linie, sondern auf einer gewissen Breite stattfinden.
In der 3. Front – oder ist es eine 4. Front – muss man auch den finanziellen und wirtschaftlichen Niedergang der russischen Föderation miteinbeziehen. Ich kann mir vorstellen, dass dieser Niedergang irgendwann den Bruch bringen und den Kreml (also Putin) zwingen wird, einen
Waffenstillstand zu akzeptieren. Dieser Bruch, wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich, wird meines Erachtens eine grosse Herausforderung bedeuten, für Russland, die umliegenden Länder, ganz Europa. Was das alles bedeuten wird, ist mir noch nicht klar. Aber man kann sich schwere
Verwerfungen und Erschütterungen vorstellen, über die Russische Föderation hinaus.»
Im Text zu den drei Fronten hatte es einen Fehler: Richtig heisst es: «Die Angriffe in der dritten Front erstrecken sich zunehmend auf die riesigen Gebiete hinter Moskau und St. Petersburg. In diesem Bereich zwischen 1’000 und 1’800 Kilometer Entfernung von der Front zielt die ukrainische Armee vor allem auf die Basis-Industrie der russischen Wirtschaft.». Im ursprünglichen Text stand: «… die russische Armee …»
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