Alle Quellenangaben im täglich erscheinenden Newsletter. Informationen zu «Ukraine Aktuell» und zu den Spendemöglichkeiten gibt es unter www.ukraineaktuell.com
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AUSWEITUNG DER 3. FRONT
Im russischen Krieg gegen die Ukraine existieren aktuell drei Fronten:
Die 1. Front verläuft entlang der Kampflinie und hat eine Tiefe von 0 bis 30 Kilometern.
Die 2. Front haben die Ukrainer in den vergangenen Monaten durch Fernangriffe auf Raffinerien, Pipelines, Häfen und Militärfabriken eröffnet.
Die 3. Front ist seit ein paar Wochen jene hinter der 1. Front und bezieht die Logistikrouten ein.
Diese 3. Front wird nun von den Ukrainern laufend erweitert und intensiviert. Pro Tag werden gemäss dem ukrainischen Verteidigungsministerium 400-500 russische Lastwagen und Tanklastwagen auf diesen Strassen ausgeschaltet.
Ukrainische Mittelstreckendrohnen haben die Luftkontrolle über die Strassen rund um Mariupol übernommen. Diese sind zu Todeszonen für den russischen Transport geworden.
Die drei Hauptachsen Taganrog–Novoazovsk–Mariupol, Mariupol–Volnovakha (N20) und die Strassen in Richtung Krim (M‑14/R‑280) sind Gefahremstrecken für den Transport russischer Güter.
Die ukrainischen Streitkräfte haben ihre Angriffe auf die russische Logistik auf die Tavrida-Autobahn in der Nähe der Kertsch-Brücke ausgeweitet; russische Quellen berichten, dass sechs Tanklastzüge, die versuchten, auf die Halbinsel zu gelangen, ausgeschaltet wurden. Der Gouverneur der Region sagt, die Tanklastzüge schafften es nicht.
Auf der von Russland besetzten Halbinsel Krim wird kein Benzin mehr verkauft. Nachdem vor zehn Tagen die Liefermenge auf 20 Liter begrenz wurde und danach Benzin nur gegen Rationierungskarten erhältlich war, gibt es nun gar keinen Treibstoff mehr.
Der von Russland eingesetzte Gauleiter «Gouverneur» Sergej Aksjonow erklärte, dass der Benzinverkauf für mehrere Tage ausgesetzt werde. Auch Tankgutscheine sind nicht verfügbar und werden während der Unterbrechung nicht ausgestellt. Aksjonow begründete die Entscheidung mit der «entstandenen Situation», ohne weitere Einzelheiten zu nennen.
Erstmals seit Trumps Rückkehr ins Amt hat der Kongress bedeutende Fortschritte bei einem neuen Hilfspaket für die Ukraine erzielt.
Am Donnerstag verabschiedete das US-Repräsentantenhaus einen Gesetzentwurf zur Bereitstellung von mehreren Milliarden Dollar an Hilfe für die Ukraine und zur Verhängung neuer Sanktionen gegen Russland.
Der Gesetzentwurf wurde mit 226 Stimmen gegen 195 angenommen und zur Prüfung an den Senat weitergeleitet. Der «Ukraine Support Act» liegt seit Monaten bereit, wurde aber von der Führung der Republikanischen Trump-Partei immer wieder verzögert.
18 Republikaner und ein Unabhängiger, der normalerweise mit ihnen stimmt, schlossen sich den Demokraten an, um den Gesetzentwurf zu verabschieden. Die Nachrichtenagentur Reuters schreibt: «Dies war das jüngste Anzeichen für einen Riss in der zuvor nahezu einstimmigen Unterstützung der Mitglieder von Trumps Partei für seine Politik.»
Eingebracht worden war das Gesetz vom New Yorker Demokraten Gregory Meeks. In der Debatte sagte er: «Wladimir Putin ist ein autoritärer Schläger, der die Invasion der Ukraine aus imperialistischen Ambitionen angeordnet hat. Er hat die Entführung ukrainischer Kinder und die Ermordung unschuldiger Zivilisten angeordnet. Und da die Unterstützung der Vereinigten Staaten nachgelassen hat, hat das Gemetzel nur noch zugenommen.»
Auch US-Aussenminister Marco Rubio ändert seinen Ton gegenüber dem Krieg Russlands. Bei einer Anhörung vor einem Ausschuss des US-Senats machte Rubio unter anderem folgende Aussagen:
«Die Invasion der Ukraine war für die Russen eine strategische Katastrophe. Sie werden die Ziele, die sie sich am ersten Tag gesetzt haben, mit Sicherheit nicht erreichen, und militärisch gesehen sind sie möglicherweise nicht einmal in der Lage, die Ziele zu erreichen, die sie jetzt in den Verhandlungen fordern.»
«Die Ukrainer kämpfen nicht nur tapfer, sie kämpfen auch effektiv. Die Ukrainer haben im letzten Monat sogar einige Geländegewinne erzielt.»
«Die Russen verlieren mehr Männer durch Tod als durch Verwundung. Tatsächlich ist dies laut dem Verteidigungsministerium einer der ersten Konflikte überhaupt, in denen die Todesrate auf russischer Seite höher ist als die Verwundetenrate.»
«Es ist noch nicht zu spät, der Ukraine beizustehen und zu gewinnen. Helfen Sie uns, Russland an den Punkt zu bringen, an dem es diesen Krieg nicht mehr aufrechterhalten kann.»
«Die Ukrainer vollbringen Wunder auf dem Schlachtfeld, und Sie können helfen, die russische Kriegsmaschinerie wirtschaftlich zu strangulieren und ukrainische Zivilisten durch Luftabwehr zu retten. Lassen Sie uns gemeinsam gewinnen!»
In einem offenen Brief richtete sich der ukrainische Präsident Volodymyr Zelenskyj an den «Präsidenten der Russischen Föderation». Den vollstädnigen Brief veröffentliche ich im Original am Ende des Newsletters. Die Nachrichtenagentur «Associates Press» fasst ihn so zusammen:
Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelenskyj forderte am Donnerstag in einem öffentlichen Brief, der direkt an den russischen Präsidenten Wladimir Putin gerichtet war, direkte Verhandlungen.
Der Brief, die erste öffentliche Botschaft, die Zelenskyj seit dem Beginn der gross angelegten Invasion Russlands im Jahr 2022 direkt an Putin verfasst hat, war eine umfassende Kritik an den 26 Jahren, die der russische Staatschef an der Macht ist.
«Ich schlage ein Treffen vor», schrieb Zelenskyj. Die Gespräche könnten von einem neutralen Drittland ausgerichtet werden, schloss sowohl Moskau als auch Kyiv als Veranstaltungsorte aus und schlug die Schweiz, die Türkei oder arabische Staaten als mögliche Gastgeber für die Verhandlungen vor. «Es sind die Staats- und Regierungschefs, die die entscheidenden Fragen lösen. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben», schrieb er.
Er schrieb, ukrainische Geheimdienstinformationen deuteten darauf hin, dass Russland Pläne erwäge, den Krieg bis in die Jahre 2027 und 2028 zu verlängern, und dabei zunehmend auf ballistische Raketenangriffe setze, um das zu erreichen, was seine Bodenoffensive nicht geschafft habe.
Zelenskyj warf Moskau zudem vor, Belarus tiefer in den Konflikt hineinziehen zu wollen und zu versuchen, die Lage um Transnistrien, die von Russland unterstützte abtrünnige Region Moldawiens, zu destabilisieren.
Der ukrainische Staatschef argumentierte, dass Russland die Kosten des Krieges zunehmend zu spüren bekomme, und verwies auf Drohnenangriffe tief im russischen Territorium, wirtschaftliche Belastungen, Treibstoffknappheit, steigende Preise und die Notwendigkeit weiterer militärischer Mobilisierung.
Zelenskyj behauptete, Russland habe allein im Mai mehr als 30’000 getötete oder schwer verwundete Soldaten zu beklagen, und erklärte, die Ukraine verfüge über «videobestätigte» Verluste auf dem Schlachtfeld und dass ein solches Ausmaß an Opfern Monat für Monat zu verzeichnen sei.
Er fügte hinzu, dass auch die Ukraine trotz eines, wie er es nannte, günstigen Verlustverhältnisses weiterhin schmerzhafte Verluste erleide.
Er erklärte, die Ukraine sei bereit, für die Dauer der Verhandlungen einen vollständigen Waffenstillstand umzusetzen, und schlug einen Gefangenenaustausch nach dem Prinzip «alle gegen alle» als ersten Schritt zur Beendigung des Konflikts vor.
Zelenskyj forderte zudem die Rückführung von Zivilisten und Kindern, die während des Krieges aus der Ukraine verschleppt wurden.
«Die Welt ist der Ukraine nicht überdrüssig geworden, wie Sie es sich lange erhofft hatten. Aber die Ermüdung gegenüber Russland nimmt zu», schrieb Zelenskyj.
Dmitri Peskow, Pressesprecher des Kremls, reagierte umgehend: Man habe den Brief erhalten, aber Putin werde er erst später vorgelegt. Zelenskyj könne ja nach Moskau kommen, wenn er den «Gastgeber des Kremls» treffen wolle. https://twitter.com/nexta_tv/status/2062619395810279927
Trump reagierte auf Zelenskys Brief an Putin und erklärte, es wäre «grossartig», wenn sich die beiden Staatschefs treffen würden. Er sagte, beide Seiten würden Zugeständnisse machen, behauptete, er habe diese Zugeständnisse vorgeschlagen, und erklärte, die Ukraine würde ohne die militärische Unterstützung und die Waffen der USA heute nicht existieren. https://twitter.com/noelreports/status/2062631938771603584
UKRAINE ERHÄLT DIEBSTAHLSCHIFF
Am 7. März blockierte Schwede den Frachter «Caffa», der unter der Flagge Guineas als Teil von «Putins Schattenflotte» gestohlenes Getreide aus der Ukraine abtransportierte. Am 1. Mai wurde das Schiff beschlagnahmt. (Siehe «Ukraine Aktuell Nr. 1529»)
Nun hat ein schwedisches Gericht hat die Übergabe des Schiffes der «Caffa» (IMO 9143611) an die Ukraine genehmigt. Dies ist das erste Mal, dass ein solcher Schritt unternommen wurde. Der ukrainische Generalstaatsanwalt Ruslan Kravchenko sagte: «Dies ist der erste Fall, in dem ein ausländisches Gericht auf Antrag der ukrainischen Strafverfolgungsbehörden auf internationale Rechtshilfe die Beschlagnahmung eines Schiffes genehmigt hat, das mutmasslich an der illegalen Ausfuhr ukrainischer Güter aus den vorübergehend besetzten Gebieten beteiligt war.
Wie der «Kyiv Independent» schreibt, unternahmen zwischen Januar und April 25 Schiffe der russischen Getreideflotte 50 Fahrten von besetzten ukrainischen Häfen in Drittländer, wobei sie laut ukrainischen Beamten überwiegend illegale Getreidetransporte beförderten.
Das Präsidialamt der Ukraine veröffentlicht am Donnerstagabend einen «offenen Brief» von Volodymyr Zelenskyj an Putin. Es ist das erste Mal seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine, dass sich Zelenskyj direkt an den Kreml-Herrscher wendet. Ich bin der Meinung, dass es sich dabei um ein historisch bedeutendes Schreiben handelt und veröffentliche es hier im Originalwortlaut:
An den Präsidenten der Russischen Föderation
Vom Präsidenten der Ukraine
Als Sie vor mehr als 26 Jahren in Russland an die Macht kamen, sahen Sie viele Menschen in der Ukraine positiv. So war es damals. Doch das gehört nun der Vergangenheit an.
Heute sieht die überwiegende Mehrheit der Ukrainer es positiv, dass unsere Langstrecken-Drohnen der Eröffnung Ihres Forums in St. Petersburg einen Besuch abstatteten und dabei eine Strecke von mehr als 1’000 Kilometern zurücklegten. Wie Sie sehr gut wissen, ist diese Entfernung nicht die Grenze unserer Fähigkeiten.
In den 26 Jahren Ihrer Amtszeit hat sich die Agenda der Beziehungen zwischen der Ukraine und Russland völlig verändert. Von Diskussionen über Handel und andere zivile Angelegenheiten sind unsere Nationen dazu übergegangen, fast ausschliesslich über Angriffe und Verluste zu sprechen.
Sie haben fast die Hälfte Ihrer 26 Jahre an der Macht in Russland damit verbracht, Krieg gegen die Ukraine zu führen.
Was auch immer Sie über die NATO, Geopolitik oder die russische Sprache sagen mögen, dieser Krieg ist Ihre persönliche Entscheidung – ein Krieg ohne wirklichen Grund. So wird ihn die Geschichte in Erinnerung behalten. Diese Jahre hätten ganz anders verlaufen können.
Wir hören oft, dass Sie sich mit diesem Krieg wohlfühlen. Natürlich nicht in den Fällen, in denen es um die Sicherheit Ihrer Residenz in Valdai oder Ihre Parade in Moskau geht. Ihr eigenes Leben ist Ihnen wertvoll.
Aber jetzt können wir alle sehen, dass die Russen sich mit dieser Realität endlich immer weniger wohlfühlen – mit der Tatsache, dass der Krieg immer mehr negative Folgen für Russland mit sich bringt.
Sie mögen unsere Drohnen und Raketen nicht.
Sie mögen Benzinknappheit und ständig steigende Preise nicht.
Sie mögen ständige Einschränkungen nicht.
Sie mögen Ihre Absicht nicht, eine zweite Mobilisierungswelle zu starten, um den Krieg in der Ukraine in eine andere Richtung auszuweiten oder ihn gegen andere Nachbarländer Russlands einzusetzen.
Sie mögen es nicht, dass kein Ende Ihres Krieges in Sicht ist.
Ja, Sie können die Russen weiterhin zwingen, so zu leben. Aber Ihre Ressourcen schwinden erheblich.
Sie werden nicht genug Geld oder politisches Kapital haben, um sich die Loyalität der Russen weiterhin so zu erkaufen, wie Sie es in den letzten 26 Jahren getan haben.
Und wir werden alles tun, was wir können, um sicherzustellen, dass die Welt dabei hilft, diesen Moment näher zu bringen.
Wie Sie selbst gerne sagen: „Wir müssen die Zahlen durchrechnen.“
Gestern erhielt ich einen Bericht über die Verluste Ihrer Armee an der Front in der Ukraine im Mai. Erneut lag die Zahl bei über 30’000 getöteten und schwer verwundeten russischen Soldaten. Wir halten dieses Niveau Monat für Monat aufrecht, und wir haben für jeden einzelnen Ihrer Verluste eine Video-Bestätigung – das sind keine leeren Behauptungen.
Wir wissen, dass 63 Prozent Ihrer Verluste auf dem Schlachtfeld Getötete sind, während nur 37 Prozent Verwundete sind. Im 21. Jahrhundert kann sich keine Armee ein solches Verhältnis leisten. Und der Anteil der Getöteten wird weiter steigen.
Es ist nicht so, dass wir in der Ukraine uns um das Schicksal russischer Soldaten sorgen, nach allem, was Ihr Krieg unserem Land gebracht hat.
Aber mir liegen die Ukrainer am Herzen.
Wir verlieren unsere Menschen, und jeder Verlust schmerzt uns. Selbst wenn das Verhältnis der ukrainischen Verluste zu den russischen Verlusten eins zu fünf oder eins zu sechs beträgt, ist es dennoch von grosser Bedeutung.
Es spielt auch eine Rolle, dass Sie regelmässig, alle paar Monate, Ihre eigenen Fristen für die Eroberung unserer Regionen – insbesondere der Region Donezk – verschieben. Und Sie werden sie auch in diesem Jahr nicht einnehmen.
Aber wir in der Ukraine wollen keinen dauerhaften Krieg. Wir wissen sehr gut, dass das Leben ohne Krieg unendlich viel besser ist. Und das wollen wir erreichen.
Ich bin überzeugt, dass die Mehrheit der Russen darauf ebenfalls positiv reagieren würde – und das wissen Sie.
Viele haben nicht geglaubt, dass die Ukraine so lange durchhalten würde. Sie haben es nicht geglaubt. Und diejenigen, die Sie beraten haben, haben es auch nicht geglaubt. Das war ein Fehler.
Sie haben keinen umfassenden Widerstand seitens der Ukraine erwartet, und Sie haben nicht vorausgesehen, dass die Dinge so weit gehen würden. Doch hier sind wir alle – im fünften Jahr dieses umfassenden Krieges.
Haben Sie keine Angst, den Weg aus diesem Krieg einzuschlagen. Das ist das Wichtigste, was jetzt von Ihnen verlangt wird.
Die Ukraine hat ihre Unabhängigkeit bewahrt. Und sie wird sie bewahren. Trotz aller gegenteiligen Vorhersagen.
Wir haben viele Menschen auf der ganzen Welt vereint, um an der Seite der Ukraine und gegen Sie zu stehen. Wir haben die Waffen und die Finanzierung gefunden, die wir brauchten.
Wir erhalten Unterstützung. Sie erhalten Sanktionen. Und das wird so weitergehen, bis Gerechtigkeit für die Ukraine herrscht – die Gerechtigkeit, die wir anstreben, und die Gerechtigkeit, die erreicht werden kann.
Wir werden nicht zulassen, dass diejenigen Erfolg haben, die versuchen, Sie davon zu überzeugen, dass die Sanktionen gegen Russland erheblich gelockert und die Unterstützung für die Ukraine deutlich reduziert werden, ohne dass sich Ihre Haltung gegenüber der Ukraine wesentlich ändert. Das Beispiel Orbán zeigt, wie diejenigen, die sich dafür entscheiden, Russland in seinem Krieg gegen uns zu helfen, in Schande enden.
Die Ukraine hat harte Winter durchgestanden, während Sie versuchten, unser Energiesystem zu zerstören. Wir hielten stand – und selbst in der Dunkelheit blieb die Widerstandsfähigkeit der Ukrainer ungebrochen.
Wir haben den Krieg auf Ihr Territorium getragen, und ohne die Hilfe Nordkoreas hätten Sie damit nicht fertig werden können. Sie sind der erste Herrscher Russlands, der sich an Pjöngjang gewandt hat, um Hilfe zu erhalten.
Und heute sind Sie vollständig von China abhängig – ebenfalls zum ersten Mal in der Geschichte Russlands.
Sie glaubten, die Ukrainer hätten nicht die Kraft, sich zu verteidigen. Doch heute hilft unser Volk unseren Partnern im Nahen Osten und am Golf dabei, ihre eigene Verteidigung aufzubauen.
Sie hofften auf innere Unruhen in der Ukraine. Stattdessen waren es Ihre eigenen militärischen Verbände, die gegen Sie meuterten. Der 23. Juni markiert einen weiteren Jahrestag dieses Ereignisses, und Schweigen wird diese Tatsache nicht aus der Geschichte tilgen.
Und nun sind Sie es, den Ihre eigenen Beamten, Geschäftsleute und Propagandisten mit offensichtlicher Ermüdung betrachten. Die Welt kann das sehen.
Die Welt ist der Ukraine nicht überdrüssig geworden, wie Sie es sich lange erhofft hatten. Aber die Ermüdung gegenüber Russland wächst – selbst unter jenen in der übrigen Welt, die Ihnen helfen, Sanktionen zu umgehen und Ihre Wirtschaft über Wasser zu halten.
Das kann Ihnen nicht entgehen. Nach 26 Jahren an der Macht fordert das Alter seinen Tribut. Und mit der Zeit wird die Ermüdung Ihnen gegenüber nur noch zunehmen.
Wir haben Geheimdienstberichte gesehen, die zeigen, dass Sie nun Pläne erwägen, den Krieg bis in die Jahre 2027 und 2028 fortzusetzen. Wir wissen auch, dass Sie hoffen, ballistische Raketen würden für Sie das erreichen, was alles andere nicht geschafft hat. Sie wollen Belarus noch tiefer in diesen Krieg hineinziehen, und wir sind nun gezwungen, uns auch darauf vorzubereiten. Wir sehen, dass Sie versuchen, etwas rund um Transnistrien zu inszenieren. Ihre Propagandisten bedrohen auf die eine oder andere Weise jedes Nachbarland Russlands. Wollen Sie das wirklich alles durchmachen?
Die Entscheidung liegt nun bei Ihnen.
Genug vom Krieg.
Die Ukraine schlägt vor, diesen Krieg zu beenden.
Dies muss ehrlich, in Würde und mit Garantien geschehen, dass der Krieg nicht erneut entfacht wird.
Wir sehen, dass die Vereinigten Staaten sich voll und ganz auf die Iran-Frage konzentrieren, und es wäre falsch, einfach abzuwarten, bis der Krieg in Europa wieder in den Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit rückt.
Die Ukraine schlägt vor, diesen Krieg durch direkte Gespräche zwischen uns – und Ihnen – zu beenden. Ich schlage ein Treffen vor.
Alle haben gehört, wie Ihre Vertreter lächelnd sagten, ich könne angeblich nach Moskau kommen. Doch nach diesen 26 Jahren gibt es für einen ukrainischen Staatschef in Ihrer Hauptstadt nichts zu tun – genauso wie es für einen russischen Staatschef in Kyiv nichts zu tun gibt.
Es gibt Länder, die traditionell Staatschefs empfangen, um Fragen von Krieg und Frieden zu lösen. Die Schweiz, die Türkei, die Länder der arabischen Welt – viele sind in der Lage und bereit, ein solches Treffen auszurichten.
Es sind die Staats- und Regierungschefs, die die entscheidenden Fragen lösen. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben.
Ich schlage vor, einen konkreten Termin für ein solches Treffen festzulegen.
Wir haben gehört, dass Ihnen in Alaska die Lösung bestimmter Fragen bezüglich der Ukraine und Europas versprochen wurde. Aber Sie können selbst sehen, dass ukrainische und europäische Fragen nicht in Anchorage entschieden werden.
Andere vereinbarte Teilnehmer könnten sich dem bilateralen Dialog anschließen, der zwischen uns eingerichtet werden soll.
Da der Krieg in Europa stattfindet und da die Ukraine Sicherheitsgarantien benötigt, während auch Sie Sicherheitsgarantien für sich selbst anstreben, wäre es logisch, diejenigen einzubeziehen, die wirklich als Garanten fungieren können.
Wir sind der Ansicht, dass Europa Teil dieses Prozesses sein sollte – diejenigen, die tatsächlich die Fähigkeit haben, die Situation zu beeinflussen.
Wir sind auch der Ansicht, dass die Vereinigten Staaten Teil des Prozesses sein müssen. Dies könnte dazu beitragen, eine neue Sicherheitsarchitektur für unseren Teil der Welt zu gestalten.
Wir haben bereits viele Abkommen mit Russland erlebt, darunter die Minsker Vereinbarungen, die letztendlich gescheitert sind. Deshalb müssen wir zunächst untereinander direkte Antworten auf die noch offenen Fragen finden und dürfen uns nicht hinter Formulierungen, technischen Arbeitsgruppen oder endlosem Zeitverlust durch Pendeldiplomatie vor schwierigen Themen verstecken.
Ihr Krieg hat die Ukraine und Russland dauerhaft voneinander getrennt.
Die Frontlinie ist heute die Linie, an der die Diplomatie beginnen muss.
Die Ukraine ist bereit für einen vollständigen Waffenstillstand für die Dauer der Verhandlungen. Das ist gängige Praxis, und die aktuellen Entwicklungen rund um den Iran unterstreichen diesen Punkt nur noch. Der Versuch, echte Stille herzustellen, ist der beste Weg, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Wir glauben, dass es nicht nur ein Versuch wäre, sondern ein echter Waffenstillstand – wenn Sie das wollen.
Sie wissen, dass die Vereinigten Staaten in der Lage sind, einen Waffenstillstand entlang der Linie zu überwachen, an der die Feindseligkeiten eingestellt werden.
Die Ukraine ist bereit für einen umfassenden Austausch von Kriegsgefangenen, und dies könnte ein guter Auftakt zur Beendigung des Krieges sein.
Es müssen ernsthafte Schritte unternommen werden, um Zivilisten und Kinder zurückzuholen, die während des Krieges verschleppt wurden.
Wir müssen entscheiden, welche Zukunft die Generationen von Ukrainern und Russen erwartet, die nach uns kommen werden.
Wenn Sie nicht persönlich zu dem Schluss kommen, dass es Zeit ist, diesen Krieg zu beenden, wird die Ukraine weiter um ihre Existenz kämpfen. Wir werden diejenigen haben, die uns unterstützen.
Aber auch Sie werden viel härter um Ihre eigene Existenz kämpfen müssen – nicht um die Russlands, sondern um Ihre eigene. Und das ist keine Drohung von mir oder von der Ukraine. Es ist eine Tatsache der russischen Geschichte, die Sie gut kennen: Wenn Russland müde wird, kommt der Wandel.
Wir können auf diese Ermüdung hinarbeiten.
Sie können Ihren Krieg beenden.
Ewiges Gedenken all jenen, deren Leben dieser Krieg gekostet hat.
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