
#UKRAINE AKTUELL Nr. 1582 (23.6.2026 / 8Uhr)
• Russen greifen Familien an
• Schutz für Moskau verstärkt
• Gazprom verliert an Wert
• Massive Ostfront-Kämpfe
• Wichtige Brücke gesprengt
• Russen sollen Krieg zahlen
• Die Rolle von Weissrussland
MUTMACHER ZELENSKYJ
Zu Pfingsten hat der ukrainische Präsident Volodymyr Zelenskyj eine Videobotschaft vor einer noch intakten Kirche aufgenommen:
«Die Position der Ukraine ist heute stärker als in den vergangenen Jahren. Seit Jahresbeginn wurden 590 Quadratkilometer unseres Territoriums befreit und unter ukrainische Kontrolle gebracht. Die Entwicklung verläuft ganz sicher nicht zugunsten der Besatzer. Wir steigern weiterhin die Zahl der ausgeschalteten russischen Soldaten, und zusammen mit Sanktionen in all ihren Formen zwingt dies Russland zur Diplomatie.» https://x.com/zelenskyyua/status/2057876684573921403; https://x.com/i/status/2057876684573921403;

WIDERSTANDSFÄHIGE KYIVER
In der Nacht auf Pfingstsonntag hat die russische Armee die Hauptstadt Kyiv und Städte in den Regionen Tscherkassy, Kharkiv, Kropyvnyzkyj, Odesa, Poltava, Sumy und Schytomyr angegriffen.
Zum Einsatz kamen «rund 600 Drohnen, mehrere Dutzende ballistische, luftgestützte ballistische und Marschflugkörper sowie eine Attrappe einer Mittelstreckenrakete», wie der ukrainische Aussenminister Andrii Sybiha schreibt.
Sybiha: «Da Putin auf dem Schlachtfeld keine Ergebnisse erzielen kann, greift er zum Terror gegen Zivilisten. Dieser Angriff sollte wahrscheinlich der heimischen Öffentlichkeit „Stärke“ demonstrieren, bestätigt jedoch stattdessen nur Putins Schwäche. Selbst die Russen sehen, dass er ein Verlierer ist.»

Bei den Angriffen wurde unter anderem ein erst am Samstag eröffnete Kaffee-Kuchen-Bar in Kyjv getroffen. Videos zeigen die beschädigte Inneneinrichtung. Aber die Kuchen sind noch unbeschadet in der Vitrine und die Kaffeemaschine funktioniert.

Das Video zeigt Kunden, die am Sonntag vor dem Haus in einer Warteschlange stehen, danach über die Trümmer steigen und sich mit Kaffee und Kuchen versorgen. «Der Kaffee ist exzellent», schrieb Stephan Jensen.
https://x.com/andrii_sybiha/status/2058441853368705416; Video: https://x.com/i/status/2058547777777381755

BRAND EINER KIRCHE
Die Russen bombardieren weiterhin evangelikale Kirchen in der Ukraine. Diesmal traf es in der Stadt Balaklija in der Region Kharkiv die Kirche «Light of the Gospel». https://twitter.com/rshereme/status/2058313782984597556

DIE KOSTEN DES ANGRIFFS
Mykhailo Rohoza, ein heute in Kanada lebender ukrainischer Offizier, hat die Kosten für den Angriff Russlands vom Pfingstsonntag berechnet. Er schreibt: «Ich komme einfach nicht aus dem Staunen heraus. Sie haben ihre «Oreshnik» – eine strategische Rakete im Wert von rund 100 Millionen Dollar, die einen Atomsprengkopf tragen kann – auf einen Garagenkomplex in der Region Kiew abgefeuert.»
Rohoza macht die Rechnung:
Rohoza schreibt: «Und was haben sie für diese Ausgaben erhalten? Sie haben Garagen in Bila Tserkva getroffen. Das Einkaufszentrum Kvadrat zerstört. Das Dach eines Wohnheims im Bezirk Darnytskyi in Brand gesetzt. Einen Eingangsbereich eines fünfstöckigen Wohnhauses im Bezirk Shevchenkivskyi in die Luft gesprengt. Einen Markt getroffen. Einen Supermarkt. Einen Baumarkt in Obolon. Trümmer auf das Valeriy-Lobanovskyi-Dynamo-Stadion fallen lassen.
Zwei schlafende Zivilisten getötet. Sechsundfünfzig Verwundete, darunter Kinder. Ist das ihr strategisches Ergebnis für eine Milliarde Dollar? Das ist ihre „Sonderoperation“. Das ist ihre „Grösse“.
Sie kommen auf dem Schlachtfeld nicht voran. Können keine einzige wirklich bedeutende Ortschaft einnehmen. Können die Armee eines Landes nicht besiegen, das sie vor vier Jahren versprochen hatten, in drei Tagen zu erobern. Und in Krämpfen, in Qualen, in ohnmächtiger Wut schlagen sie nachts in Wohnviertel zu – Museen, Märkte, Geschäfte, Garagen.» https://twitter.com/mykhailorohoza/status/2058508442461978752

NUR EIN SIEG SCHÜTZT DIE UKRAINE
Die Plattform «Kyiv Independent» veröffentlicht einen Text des «Sahaidachnyi Security Center» in dem nur der volle Sieg über Russland als Sicherheitsgarantie für die Ukraine beschrieben wird.
Die ukrainischen Analysten blicken auf das Modell der strategischen Abschreckung – das «Stahl-Stachelschwein» – zurück. Dieses Modell geht davon aus, dass angesichts des erheblichen Ressourcenvorteils Russlands die einzige realistische Strategie der Ukraine darin besteht, eine Verteidigung aufzubauen, die so stark ist, dass eine fortgesetzte Aggression für Russland unerschwinglich teuer wird. Dies Strategie wurde seit mehr als vier Jahren verfolgt. Bis heute betragen die Verluste an Getöteten und Verletzten gemäss dem ukrainischen Generalstab 1’355’920 – mehr als 1,35 Millionen ausfallende Soldaten – und diese Menschen fehlen auch als Arbeitskräfte in der Heimat.
Ab 2026 genügt das «Stahl-Stachelschwein-Modell für die Ukraine allein nicht mehr. Es führe zwar zu einer «funktionellen Niederlage» des Angreifers, aber die ständige Verteidigung schwächt das eigene Land ebenfalls, weil für die Abwehr zu viele Ressourcen aufgewendet werden müssen.
Notwendig sei eine «endgültige Niederlage» Russlands, die dem Aggressor die blosse Fähigkeit zum Krieg führen entzieht. Erreicht werden kann das mit zwei Elementen:
Die Analysten schreiben: «Strategischer Erfolg, so ungewiss er auch sein mag, ist nur möglich, wenn beide Wege gleichzeitig beschritten werden: Eindämmung und Beseitigung. Keiner von beiden kann ohne den anderen funktionieren.»
Die vom «Sahaidachnyi Security Center» aufgezeigten zwei Elemente werden aktuell bereits umgesetzt. Das erkennt man sowohl bei den konsequenten Angriffen auf die Ölindustrie, von der bereits ein Viertel nicht mehr produktiv ist. Und dies erkennt man beim Ausbau einer Verteidigung, bei der Erweiterung der Frontzone auf 30 bis 50 Kilometer durch Drohnen und beim Einsatz von bewaffneten Bodendrohnen zur Abwehr von Infanterieangriffen.
https://sahasec.org/; https://kyivindependent.com/why-ukraine-needs-russias-terminal-defeat-not-just-deterrence/

UKRAINE BAUT VERTEIDIGUNG AUS
Die Ukraine verstärkt ihre Verteidigung in der Nähe von mindestens 45 Städten in den Regionen Tschernihiv, Sumy, Kharkiv, Saporischschja und Dnipropetrovsk, einschliesslich der Zentren im ukrainischen Donbass, die nicht von Russland besetzt sind.
Es handelt sich dabei um den Ausbau von bestehenden Anlagen und um neuerrichtete Verteidigungsstellungen. Die neuen Anlagen bestehen nicht wie früher aus Bunker und Schützengräben, sondern aus Reihen von Panzer- und Infanteriehindernissen, die durch Erdwälle, Stacheldraht, Palisaden und Minenfelder getrennt sind.
Die Aufgabe solcher Ingenieurbauten ist, den Vormarsch der Infanterie und der Technik der russischen Streitkräfte zu stoppen, indem sie gezwungen werden, sich vor einer solchen Linie und ihren seltenen engen Durchbrüchen zu sammeln, die sehr leicht von Artillerie und Drohnen beschossen werden können. Dies führt den Angreifern schwere Verluste zu bei minimalem Einsatz eigener Kräfte an der Frontlinie.

Russische Militär-Blogger sind von dieser Entwicklung auch angesichts der militärischen Schwäche der russischen Armee nicht begeistert: «Wenn die Kampfhandlungen weiterhin in Form von Angriffen auf einzelne Positionen mit kleinen Gruppen und der Eroberung eines Dorfes pro Woche stattfinden und der Gegner weder wirtschaftlich noch militärisch zusammenbricht, könnte ein solcher Krieg noch Jahre andauern.» https://t.me/milinfolive/171680; https://t.me/milinfolive/172761;

UKRAINE HAT ZU VIELE DROHNEN
Unerwartete Auskünfte gibt es von Vasyl Bodnar, dem ukrainischen Botschafter in Polen: «Wir haben jetzt, bis zu einem gewissen Grad, eine Überproduktion von Drohnen. Zum Beispiel die Magura-Drohnen, das ist ein See-Drohne. Sie haben die russische Flotte im Schwarzen Meer praktisch zerstört. Aber wir haben jetzt kein Ziel mehr für sie. Also ist es möglich, sie ins Ausland zu verkaufen.»
Dies gelte auch für FPV-[First-Person-View-] Drohnen, wo die Produktion für dieses Jahr mehr als 4 Millionen Exemplare betragen wird.
Die Ukraine will aber nicht einfach Geld kassieren, sondern mit dem Drohnenverkauf ihre eigene Verteidigung stärken. So wird Polen neun ausgemusterte MiG-29-Kampfflugzeuge an die Ukraine übergeben, im Austausch für eine nicht näher bezeichnete «Unterstützung» im Bereich der Drohnentechnologie.
Und im April hatte der ukrainische Staatspräsident Volodymyr Zelenskyj zehnjährige Rüstungsexportabkommen mit Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar unterzeichnet.

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