Das Bild zeigt einen ferngesteuerten Bodenroboter, der einen Karren zur Evakuierung von Verletzten zieht. Diese Art von Fahrzeugen hat derzeit bei der Weiterentwicklung der ukrainischen Armee eine hohe Priorität.
Das ukrainische Verteidigungsministerium hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, die Logistik an der Front zu 100 % auf Robotersysteme umzustellen. Aktuell führen die ukrainischen Streitkräfte jeden Monat mehr als 9’000 Einsätze mit unbemannten Bodenfahrzeugen (UGVs) durch. Es handelt sich dabei um eigenständig einsetzbare bewaffnete Systeme und solche für die Versorgung der Frontsoldaten mit Waffen und Lebensmitteln oder für die Bergung von Verletzten.
Um das neue Ziel zu erreichen, plant das ukrainische Verteidigungsministerium, in der ersten Hälfte des Jahres 2026 25’000 UGVs zu beschaffen, Das sind doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2025.
Das Verteidigungsministerium unterzeichnete 19 Verträge mit Herstellern von Bodenrobotern im Wert von 11 Mrd. UAH (212 Millionen Euro / 195 Mio. CHF).
Verteidigungsminister Michail Fedorov bezeichnet die Bodenrobotik als einen der am schnellsten wachsenden Verteidigungstechnologiesektoren der Ukraine mit über 280 Unternehmen und 550 aktiven Lösungen.
Am 14. Mai hatte die russische Armee mit 1’600 Drohnen mehrere ukrainische Städte angegriffen und dabei 24 Menschen getötet. Volodymyr Zelenskyj hatte «spiegelbildliche Reaktionen» der Ukraine im Fall von russischem Terror angedroht. Dies geschah mit einem ukrainischen Massenangriff am 17. Mai auf Industrieanlagen in der Region Moskau. Dabei wurde die russische Luftverteidigung durch parallel fliegende ukrainische Drohnen und durch die Anflüge aus verschiedenen Richtungen überlastet.
Zu den beschädigten Zielen gehören die Verladestation Solnechnogorsk; das Unternehmen Angstrem JSC; der Elma Technopark; das Transneft-Öllager oder die Kapotnya-Ölraffinerie. Erste Satellitenaufnahmen bestätigen die Beschädigungen.
Die Analysten des amerikanischen «Institute for the Study of War» (ISW) schreiben: Die ukrainische Angriffsserie vom 16. bis 17. Mai bewies, dass Russland weiterhin nicht in der Lage ist, die russische Hauptstadt wirksam zu verteidigen – eine Schwäche, die im Informationsraum der russischen Ultranationalisten erhebliche Frustration auslöste.»
Der prorussische aber nicht in Russland lebende Militärblogger «Atomic Cherry» schreibt: «Die Region Moskau ist der Ort der höchsten Dichte und Konzentration von Luftverteidigungskräften in Russland. Die am besten geschützte Region. Die am besten geschützte Stadt. Früher haben ukrainische Einheiten diesen Umstand berücksichtigt und nicht wirklich versucht, tatsächliche Angriffe auf bestimmte Objekte durchzuführen.»
Die jetzigen Angriffe seien jedoch noch nicht optimal organisiert, schreibt «Atomic Cherry». Noch fehlten der Ukraine genug produzierte Marschflugkörper und Raketen und auch die interne Organisation in der ukrainischen Armee müsse noch verbessert werden: «Natürlich ist es zu erwarten, dass der nächste Zyklus seiner Verbesserung – und damit seiner Effizienz, seines Umfangs und seiner Intensität – beginnt.
Und es ist nicht weniger wichtig, den folgenden feinen Punkt zu beachten. Die Erhöhung der Organisationsqualität erhöht die Qualität des Ergebnisses nicht linear, sondern exponentiell. Also… das Beste kommt noch.»
Die Gaspipelines «Belousovo-Leningrad» und «Konya Lakhta» in der Nähe von St.Petersburg wurden angeblich durch Sprengungen stark beschädigt. Den Anschlag meldete die russische Partisanengruppe «Black Spark». Nach Angaben der Gruppe stammten die Sprengstoffe für die selbstgebaute Sprengvorrichtung von einer Militäreinheit im Leningrader Militärbezirk.
Die betroffenen Pipelines versorgen wichtige russische Industrie- und Verteidigungsanlagen mit Gas. Dazu gehören die Admiralitätswerften, das Kirov-Werk und Produktionsstätten von Almaz-Antey. «Konya Lakhta» versorgt zudem das Nordwest-Wärmekraftwerk.
Heute ist Putin zu Besuch in Peking und will dort mit Xi Jinping die «strategische Zusammenarbeit vertiefen».
Ein Tag vor Putins Besuch hat eine russische Drohne einen chinesischen Frachter im Schwarzen Meer bei Odesa angegriffen. Gemäss der ukrainischen Marine handelt es sich um die «KSL DEYANG» (IMO 9457725), die lose Massengüter wie Getreide oder Kohle transportiert, unter der Flagge der Marshallinseln fährt und einem chinesischen Unternehmen gehört.
Der grösste Teil der Schiffsbesatzung stammt aus China, die durch den Angriff gefährdet wurde. Dmytro Pletenchuk, der Sprecher der ukrainischen Marine, schrieb auf Facebook ironisch: «Es ist interessant, was die Russen dazu bewogen hat, heute Nacht ein chinesisches Handelsschiff in unseren Gewässern mit einer „Schahid“-Drohne anzugreifen. Es gab zwar keine Opfer, aber das ist etwas Neues.»
Das tschechische Verteidigungsministerium kauft weltweit Artilleriegeschosse der Kaliber 122 mm und 155 mm ein und gibt sie der ukrainischen Armee. Finanziert wird dieses Programm von verschiedenen westlichen Staaten.
Deutschland gehört zu den grössten Spendern. Offiziell bekannt war, dass Berlin seit 2024 insgesamt 180’000 155-mm-Geschosse im Wert von 576 Millionen Euro finanziert hatte. Nun schreiben russische Blogger, dass Berlin tatsächlich 300 Millionen Euro mehr gespendet hat.
55% der insgesamt 900 Millionen Euro wurden über die «tschechische Initiative» bereitgestellt. Der Rest umfasst Direktlieferungen von Deutschland an die ukrainischen Verteidiger.
Die Infografik zeigt die monatliche Struktur der Munitionslieferungen Deutschlands an die Ukraine seit Juli 2022, die vom Projekt German Aid to Ukraine bereitgestellt wird. https://t.me/milinfolive/172462
MERKEL WILL PUTIN NICHT TREFFEN
Die EU soll erwägen, Merkel mit Verhandlungen mit Putin zu betrauen – doch sie ist dagegen. Die ehemalige deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat klargestellt, dass sie sich nicht als geeignete Vermittlerin sieht und glaubt, dass Verhandlungen von den derzeitigen Regierungschefs der Europäischen Union geführt werden sollten.
Gleichzeitig kritisierte die ehemalige deutsche Kanzlerin die EU dafür, dass sie nicht mit Russland spricht: «Ich halte die militärische Unterstützung, die wir bisher geleistet haben, für absolut richtig. Ich halte es auch für richtig, dass wir weit über unsere Unterstützung für die Ukraine hinaus viel mehr tun, um eine abschreckende Wirkung zu erzielen. Was ich bedaure, ist, dass Europa meiner Ansicht nach sein diplomatisches Potenzial nicht ausreichend nutzt», sagte Merkel in einem Interview mit dem öffentlich-rechtlichen Sender WDR. «Es reicht nicht aus, dass Trump den Kontakt zu Russland aufrechterhält», fügte Merkel hinzu.
Gemäss dem US-Magazin «Politico» wächst der Druck auf Europa, einen Sonderbeauftragten für Friedensgespräche zwischen Russland und der Ukraine zu ernennen. Sowohl Moskau als auch Kiew haben sich offen für einen solchen Vermittler gezeigt, während Trumps Verhandlungsteam sich ganz auf den Krieg der USA und Israels gegen den Iran konzentriert.
Der chinesische Staatschef Xi Jinping sagte Trump bei dessen Besuch letzte Woche, dass Putin die Invasion der Ukraine vielleicht «bereuen» werde. Dies berichtet die «Financial Times» unter Berufung auf «mehrere Personen, die mit der US-Einschätzung des Gipfeltreffens in Peking letzte Woche vertraut sind». Xis Äusserungen zu Putins Krieg gegen die Ukraine, «schienen weiter zu gehen, als in der Vergangenheit», schreibt die «Financial Times».
Während seines Gipfeltreffens habe Trump vorgeschlagen, dass die USA, China und Russland ihre Kräfte bündeln sollten, um gegen den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH/ICC) vorzugehen. Trump habe Xi erklärt, dass ihre Interessen deckungsgleich seien, so die mit den Gesprächen vertrauten Personen. Das Weisse Haus lehnte eine Stellungnahme zu den IStGH-Äusserungen ab.
Die Trump-Regierung hatte bereits zuvor scharfe Kritik am IStGH geäussert, dem sie Politisierung, Machtmissbrauch, Missachtung der nationalen Souveränität der USA und unrechtmässige gerichtliche Übergriffe vorwirft. (Anmerkung: Der internationale Strafgerichtshof hat Haftbefehle gegen Putin und Benjamin Netanjahu ausgestellt.) https://www.ft.com/content/567c57b0-6346-43e6-9d14-840a793b4d1d?syn-25a6b1a6=1
WIND DREHT IN WASHINGTON
Der Schweizer Militärhistoriker und Journalist Bojan Stula analysiert in der «Aargauer Zeitung» die veränderte Stimmungslage in Washington. Die Weigerung von Volodymir Zelenskyj jeden Stimmungswechsel von Trump wohlwollend zu begleiten und die zunehmenden Erfolge der ukrainischen Streitkräfte zeigen Wirkung bis hinein in das amerikanische Militär und die Regierung und führen in den letzten Wochen zu einem «bemerkenswerten Stimmungsumschwung».
Aussenminister Marco Rubio sprach in einem Interview mit Fox News mit «ungewöhnlich emphatischen Worten» über die ukrainischen Streitkräfte: «Die Ukrainer haben neue Taktiken, Techniken, Ausrüstung und Technologien entwickelt (…). Das ist beeindruckend», lobte Rubio. Noch bemerkenswerter war seine strategische Einordnung: Die Ukraine habe heute «die stärksten und mächtigsten Streitkräfte in ganz Europa».
Bojan Stula schreibt: «Die Ukraine wird nicht mehr nur als gieriger und undankbarer Bettler von Rüstungsgütern dargestellt, sondern zunehmend als militärischer Innovator. Sie ist nicht mehr der Verlierer am Pokertisch «ohne Karten», sondern eine militärische Macht, von der selbst die USA lernen müssen.»
Gleichzeitig meldeten sich militärische Führungskräfte wie Admiral Brad Cooper, der republikanische Abgeordnete Don Bacon oder US-Heeresminister Dan Driscoll positiv über die ukrainische Armee, respektive kritisch gegenüber der Position von Trump.
Das Präsidialamt der Ukraine veröffentlicht am Donnerstagabend einen «offenen Brief» von Volodymyr Zelenskyj an Putin. Es ist das erste Mal seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine, dass sich Zelenskyj direkt an den Kreml-Herrscher wendet.
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