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In der Nacht auf Mittwoch griff Russland die Ukraine mit 140 Drohnen an und während des Tages mit weiteren 753. Zeitweise waren am Mittwoch 250 Drohnen gleichzeitig in der Luft. In der Nacht konnte die ukrainische Flugabwehr 110 Drohnen abschiessen und während des Tages 710. Nach ukrainischen Angaben handelte es sich um einen der grössten Drohnenangriffe seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022. Am Mittwoch wurden sechs Tote und Dutzende Verletzte gemeldet, darunter auch Kinder.
Angriffe wurden in den Regionen Transkarpatien, Lemberg, Wolhynien, Ivano-Frankivsk, Rivne, Vinnyzja, Tschernovitz, Chmelnyzkyj, Dnipropetrovsk, Kirovohrad, Saporischschja, Schytomyr, Kyiv, Nikolajev, Odesa, Sumy, Tscherkassy und Kharkiv durchgeführt.
Eine dritte Angriffswelle erfolgte in der Nacht auf Donnerstag. Bei dieser war die Region Kyiv das Hauptziel. Gemäss der ukrainischen Luftabwehr benutzte Russland 731 Drohnen allein in dieser Nacht und von diesen konnten 693 unschädlich gemacht werden.
Nach russischen Angaben waren die Hauptziele die Energieversorgung, die Eisenbahninfrastruktur und die Industrie in den meisten Regionen der Ukraine. Es scheinen aber vor allem zivile Orte getroffen worden zu sein. Der ukrainische Militärblogger «ExileNovaPlus» schreibt: «Alle russischen Nachrichtenquellen und Chats sind voll von brennenden Gebäuden, verletzten Menschen und den Folgen der verkommenen kombinierten Angriffe auf die zivile Infrastruktur. Kein einziges Objekt, das mit der Verteidigung zu tun hat. Nur Chaos in zerstörten Gebäuden.»
Der Kyiver Bürgermeister Wladimir Klitschko begab sich am Donnerstagmorgen in ein Wohngebiet im Darnyzkyi-Bezirk, wo ein ganzes Mehrfamilienhaus nach den Angriffen eingestürzt war.
Volodymyr Zelenskyj schrieb über die Angriffe, von denen viele in der Nähe zur NATO-Grenze stattgefunden haben: «Unsere Soldaten verteidigen die Ukraine, aber das offensichtliche Ziel Russlands ist, die Luftverteidigung zu überlasten und in diesen Tagen so viel Leid und Schmerz wie möglich zu verursachen. Es ist wichtig, dass die Welt darüber nicht schweigt.»
Die russischen Militärblogger von «Milinfolive» vermuten, dass mit diesem «Angriff mit verstreuten Kräften» die Luftverteidigung der Ukraine erschöpft werden sollte, bevor es zu einem grossen Raketenangriff kommt.
Gleichzeitig haben diese Blogger Zweifel an dieser Art der Kriegsführung: «Der Erfolg solcher einmaligen Aktionen mit Angriffen überall und gleichzeitig bleibt äusserst fraglich, da grosse einmalige Kosten für die Anschaffung von Selbstmorddrohnen anfallen.»
Wie ukrainische Übersichtskarten zeigen, wurde bei allen drei Angriffen die Mehrzahl der Drohnen aus dem grenznahen russischen Brjansk und den besetzten Gebieten in der Südukraine gestartet. Aus der Krim wurden keine Angriffe gemeldet, weil dort viele Anlagen von den Ukrainern bereits neutralisiert wurden.
Der Generalstab der Streitkräfte der Ukraine meldete die Zerstörung und Beschädigungen des Jaroslawski Raffineriekomplexes, des Astrachaner Gasverarbeitungswerkes und des Ölterminals «Tamanneftegas».
Das zerstörte Gasverarbeitungswerk «Astrachaner» sei zuvor «ein wichtiger Bestandteil der Gastransport- und Kraftstoffinfrastruktur des russischen Militär-Industrie-Komplexes» gewesen.
Beim Jaroslawski Raffineriekomplex wurde die zentrale ATV-Anlage zerstört, welche für die Aufspaltung des Erdöls in Elemente wie Teer, Heizöl und Benzin eingesetzt wird. Diese Anlage habe eine wichtige Rolle bei der Logistik der russischen Armee gespielt.
Ausserdem bestätigte der Generalstab die gestrige Beschädigung des Ölterminal «Tamanneftegas» im Dorf Volna in der Region Krasnodar. «Die Anlage versorgt die russischen Streitkräfte mit Treibstoff», heisst es in der Mitteilung.
In Moskau wurde verboten, Videos und Fotos von Drohnenangriffen zu veröffentlichen. Damit sollen «Fake News» bekämpft werden.
Bürgern, Behörden, Firmen und Medien ist es untersagt, Daten über Drohnenangriffe in Moskau vor offiziellen Meldungen des Verteidigungsministeriums und Veröffentlichungen auf Behördenressourcen zu veröffentlichen.
Für die Veröffentlichung droht eine Strafe: Für Bürger in Höhe von 3’000 bis 5’000 Rubel (34-57€), für Beamte von 30’000 bis 50’000 Rubel (340-570€) und für juristische Personen von 50’000 bis 200’000 Rubel (570-2300€).
Der Ex-KGB/FSB-Agent und international gesuchte Verbrecher Igor Strelkov («Girkin») schrieb vor zwei Wochen (siehe «Ukraine Aktuell» Nr. 1527), dass es zu spät für eine umfassende Mobilisierung der Russen sei. Nun geht Girkin einen Schritt weiter:
«Der Gegner ist auf dem Vormarsch. Der Gegner hat die Vorbereitungen für sein strategisches Programm zur Ausgrenzung unserer Wirtschaft durch massive Drohnen- und Raketenangriffe abgeschlossen. Der Gegner hat derzeit einen Vorteil in der Luft und leistet aktiven Widerstand an Land. Nach den Informationen, die ich erhalte, greifen wir manchmal an, und manchmal greifen sie an.
Die letzten Angriffe auf die Krim, die jeden Tag andauern, zeigen, dass der Feind unsere Luftverteidigung und unsere militärischen Einrichtungen ausschaltet, und wir können diesen Strom von Drohnen und unbemannten Flugzeugen, Booten und allem anderen trotz allem nicht verhindern.
Das heisst, wir waren auf die aktuelle Situation nicht vorbereitet. In einer solchen Situation wird der Gegner überhaupt keinen Frieden mit uns schliessen, selbst entlang der OSZE-Linie, selbst ohne Annexionen und Reparationszahlungen. Seine Forderungen werden zunehmen, seine Verhandlungspositionen werden sich verhärten. (…) In diesem Krieg wird es nur einen Sieger geben. Und es wird überhaupt keine Kompromisse geben.»
Die Anti-Korruptionsstiftung des in Russland ermordeten Alexander Navalny hat den Besitz von Putins Familie und Geliebten in Europa recherchiert.
Katerina TIKHONOVA, Putins Tochter: Villa in BIARRITZ, Frankreich
Eine vierstöckige Villa an der Biskaya. Die Immobilie wurde 2015 aufgedeckt und war auf den Namen von Tichonowas damaligem Ehemann, Kirill Schamalow, eingetragen. Geschätzter Wert: 3,5 Millionen Euro.
Sanktionen: Katerina Tikhonova und Kirill Shamalov unterliegen seit 2022 EU-Sanktionen. Die Villa befindet sich nach wie vor im Besitz von Shamalov, er kann jedoch nicht darüber verfügen.
Maria VORONTSOVA, Putins Tochter: Penthäuser in VOORSCHOTEN, Niederlande
Zwei Penthäuser in einem Vorort von Leiden waren auf Vorontsova und ihren Ehemann Jorrit Faassen eingetragen. Im Jahr 2009 lag der Katasterwert der Wohnungen bei rund 700’000 Euro; 2019 wurden sie für 2,9 Millionen Euro zum Verkauf angeboten.
Sanktionen: Maria Vorontsova unterliegt EU-Sanktionen.
Ljudmila PUTINA, Putins Ex-Frau: Villa in BIARRITZ, Frankreich
Eine 450 m² grosse Villa, umgeben von einem weitläufigen Privatpark. Sie war auf den Namen von Artur Ocheretny, Putinas neuem Ehemann, eingetragen. Im Jahr 2017 wurde ihr Wert auf etwa 7 Millionen Euro geschätzt.
Sanktionen: Im Dezember 2023 beschlagnahmten die französischen Behörden die Villa im Rahmen einer Geldwäscheuntersuchung.
Ljudmila PUTINA, Putins Ex-Frau: Zwei Wohnungen in MARBELLA, Spanien
Die erste, mit einer Fläche von 229 m², wurde 2011 für 800’000 € erworben. Die zweite, mit einer Fläche von 405 m², wurde 2014 für 1 Million € gekauft. Beide sind auf den Namen von Artur Ocheretny eingetragen, der durch diese Käufe möglicherweise eine Aufenthaltsgenehmigung für Spanien erhalten hat.
Ljudmila PUTINA, Putins Ex-Frau: Eine 200 m² grosse Wohnung in einem Gebäude in DAVOS nahe dem Davosersee. Im Jahr 2015 wurde der Wert der Immobilie auf über 3,5 Millionen Euro geschätzt.
Lyudmila Putina und Artur Ocheretny unterliegen keinen EU-Sanktionen.
Alina KABAEVA, Putins Lebensgefährtin: Villa in COLOGNY, Schweiz
Eine zweistöckige Villa mit Hubschrauberlandeplatz am Ufer des Genfer Sees. Sie befindet sich neben der Residenz des Oligarchen und Putin-Verbündeten Gennadi Timtschenko. Im Jahr 2022 wurde sie für über 80 Millionen Euro zum Verkauf angeboten. Formal war das Haus auf den Finanzier Pierre Alain Folliet und seine Frau eingetragen, doch Kabaeva war die tatsächliche Nutzerin.
Sanktionen: Gegen Alina Kabaeva gelten EU-Sanktionen.
Svetlana KRIVONOGIKH, Ex-Geliebte von Putin: Wohnung in MONACO
Eine Luxuswohnung mit Meerblick im Wert von 3,6 Millionen Euro. Sie befand sich früher im Besitz einer Offshore-Gesellschaft, deren Begünstigte Krivonogikh zumindest bis 2017 war.
Sanktionen: Gegen Svetlana Krivonogikh gelten EU-Sanktionen.
Der Gouverneur der Region Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow (FOTO links), hat sein Amt niedergelegt, wie die Pressestelle des Kremls mitteilte. BBC Russland schreibt, dass Gladkow dies nicht freiwillig tat, sondern sich aktiv auf den Wahlkampf um seinen Posten im Herbst vorbereitete.
Bei der lokalen Bevölkerung war Gladkow offenbar beliebt. Im russischen sozialen Netzwerk «VK» ist unter anderem zu lesen: «Sie waren der beste Gouverneur» oder «Für uns sind Sie einer der Unseren geworden.»
Putin ernannte den aus Belgorod stammenden Kriegsteilnehmer Generalmajor Alexander Schuwaew (FOTO rechts) zum neuen Gouverneur. Die russische Oppositionsplattform ASTRA beschreibt ihn als besonders brutal: «Schuwaew kommandierte die 1. Slawische Brigade. Sie ist bekannt für ihre Foltergefängnisse und Gewalt gegen Soldaten.» Ausserdem wurden in der Brigade Verwundete und erwischte Deserteure als «Verbrauchsmaterial» für Fronteinsätze benutzt. «Angehörige der Soldaten bezeichnen diese Brigade als „Bermuda-Dreieck“ wegen der hohen Anzahl vermisster Personen.»
Putin hatte Schuwaew den Titel «Held Russlands», drei Orden der Tapferkeit und andere staatliche Auszeichnungen für das Kommando der Brigade verliehen.
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