Putin hat sich am Montag mit einer Meldung an das eigene Volk gewandt und dabei die neusten Waffen Russlands vorgestellt. Er sprach von der ballistischen Interkontinental-Rakete «RS-28 Sarmat», die angeblich mehr als 18’000 Kilometer weit fliegen kann (Bild).
Ausserdem betonte Putin, dass die Mittelstreckenrakete «Orekhnik» mit Atomsprengköpfen ausgestattet werden könne.
Das amerikanische «Institute for the Study of War» (ISW) qualifiziert die Aussagen Putins so: «Der russische Präsident Wladimir Putin setzt auf nukleare Drohgebärden, um militärische Stärke zu demonstrieren, nachdem es Russland offenbar nicht gelungen ist, die vollständige Sicherheit für die Parade zum Tag des Sieges am 9. Mai zu gewährleisten, ohne den ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelenskyj um einen Waffenstillstand zu bitten.»
Während des drei Tage dauernden Waffenstillstands haben die Russen ihre strategischen Bomber ausgerüstet. Das sagte Juri Ignat, Sprecher der ukrainischen Luftwaffe.
«Es wird eine Verlegung der taktischen Luftwaffe und eine erhöhte Aktivität auf den Stützpunkten beobachtet. Normalerweise rüstet der Gegner vor Angriffen seine Flugzeuge im Voraus aus, und eine solche Aktivität wurde in den letzten Tagen festgestellt.»
Nach dem dreitägigen Waffenstillstand gehen die Kämpfe an der Front und die Angriffe auf die Ukraine und von der Ukraine auf Russland weiter.
In der Nacht auf heute flogen mindestens 250 ukrainische Drohnen in Richtung Russland und in die besetzten Gebiete im Donbass und auf der Krim.
Aus dem Treibstofflager Taman im russischen Krasnodar Gebiet wird mit Videos ein Brand belegt. Ort: 45°09’10.9″N 36°39’58.2″E. Die Schadensgrösse ist derzeit nicht bekannt. Taman befindet sich gegenüber der besetzten Halbinsel Krim im Süden Russlands und ist ein Exporthafen für Erdölprodukte und «Trockengüter». Der lokale Gouverneur bestätigte den Brand, entstanden «durch herabfallende Trümmer».
In der russischen Stadt Ohrenburg, 1’500 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, brennt eine Gasanlage nach einem Angriff ukrainischer Drohnen. Volodymyr Zelenskyj bestätigte den Angriff und nannte ihn eine «Sanktion» gegen die russischen Drohnen und Gleitbomben auf die ukrainische Bevölkerung.
Russische Militärblogger melden über die Angriffe ihrer eigenen Truppen: «Heute Nacht setzten die Kamikaze-Drohnen ihre Angriffe auf feindliche Ziele in Kharkiv, der Dnipropetrovsker Region, Poltava, Krywyj Rih und nicht zuletzt in der Region Odesa fort.»
Laut den regionalen ukrainischen Behörden haben die Russen
in der Region Dnipropetrowsk bei 30 Angriffen acht Menschen getötet und weitere elf Menschen wurden verletzt.
In Sinelnikovo wurden mehr als zwei Dutzend Gebäude zerstört. Zwei Menschen wurden getötet.
In Kryvyi Rih wurden ein Unternehmen, Infrastruktur und eine Gaspipeline beschädigt. Zwei Menschen wurden getötet, vier weitere verletzt.
Das oberste Antikorruptions-Gericht der Ukraine prüft zurzeit, ob der ehemalige Leiter des Präsidialamtes Andrij Jermak in Untersuchungshaft genommen werden soll. Jermak steht unter Verdacht, dass er die Summe von 8.9 Millionen US-Dollar (460 Mio. UAH) von mehreren hohen Beamten entgegengenommen und deren «Weisswaschung» organisiert haben soll.
Vor dem Gericht sprachen die Ermittler und die Verteidiger. Die Unterlagen der Anklage umfassend 16 Bände mit je 250 Seiten. Die Anwälte beklagten sich, dass sie diese umfassenden Unterlagen nicht studieren konnten. Der Entscheid über die Untersuchungshaft wurde am Abend verschoben.
Jermak sagte nach der ersten Anhörung: «Seit 2019 habe ich meinem Land ehrlich gedient. Für mich sind meine Interessen wichtig, aber die Interessen meines Landes sind noch wichtiger. Ich habe mich immer von diesem Prinzip leiten lassen und werde es auch weiterhin tun, egal was passiert.»
Andrij Jermak ist seit Jahren nicht nur beruflich, sondern auch freundschaftlich mit Volodymyr Zelenskyj verbunden. Die Antikorruptionsbehörden betonen jedoch, dass es derzeit kein Verfahren gegen den Staatschef gebe.
Polen und Frankreich widersetzen sich am stärksten dem schnellen Fortschritt der Ukraine in der EU. Der «Radio Liberty» Journalist Rikard Jozwiak schreibt, dass gerade Polen und Frankreich am stärksten gegen die Eröffnung mehrerer Verhandlungscluster sind. (Cluster bezeichnen Gruppen zusammenhängender Verhandlungskapitel.)
Die Länder bestehen darauf, im Juni nur einen Cluster — „Grundlagen“ — zu eröffnen, der Fragen der Justiz, der Grundrechte und der Staatsführung umfasst.
Allerdings unterstützen einige EU-Länder, darunter die baltischen Staaten, eine schnellere Variante — die Einführung aller sechs Cluster und damit aller 33 Verhandlungskapitel.
Die endgültige Entscheidung wird auf dem EU-Gipfel in Brüssel am 18. und 19. Juni getroffen.
Juliia Mendel ist eine ukrainische Journalistin. Von Juni 2019 bis Juli 2021 war sie Mediensprecherin von Volodymyr Zelenskyj. Dann wurde sie entlassen. Ende Februar 2022 überfiel Russland die Ukraine.
Im September 2022 veröffentlichte Mendel das Buch «The Fight of Our Lives. My Time with Zelenskyj, Ukraine’s Battle for Democracy and what it Means for the World», in dem sie Zelenskyj positiv beschrieb. Im Pressetext zum Buch steht: «Mendel erlebte hautnah mit, wie Zelenskyj sich bemühte, sein Land von einem armen, rückständigen Sowjetstaat in eine lebendige, prosperierende europäische Demokratie zu verwandeln».
Doch seither hat sich Juliia Mendel von der Verteidigung der Ukraine abgewendet. In ihrem «X»-Profil schreibt sie: «Der russisch-ukrainische Krieg ist blutig und sinnlos – mittlerweile werden massives Töten und Zerstörung um nichts herum angerichtet.»
Juliia Mendel war am Wochenende Gast in der amerikanischen TV-Show von Tucker Carlson. In dem 100 Minuten dauernden Interview machte Mendel ein paar Aussagen, welche den Kreml enorm freuen. Der russische Sonderbeauftragte für die Ukraine, Kirill Dmitriev, teilte dieses Video sofort und bezeichnete es als «augenöffnend».
Tucker Carlson macht verständlicherweise Werbung für seine eigene Sendung, verbreitet dabei aber irreführende Informationen. Er schreibt: «Iuliia Mendel arbeitete JAHRELANG (Hervorhebungen von mir) als Zelenskyjs Pressesprecherin und hatte dadurch einen Blick aus nächster Nähe auf seine tiefgreifende DYSFUNKTIONALITÄT und DESTRUKTIVITÄT. Diese ERFAHRUNG machte ihr klar, dass er eines der grössten Hindernisse für den Frieden in der Region ist.»
Die wichtigsten Aussagen von Mendel in der Tucker Show:
Zelenskyj sei korrupt und missbrauche seine Macht.
Auf Tuckers Frage, ob Zelenskyj Drogen konsumiere, sagte Mendel: «Das ist für niemanden ein Geheimnis.». Sie betonte allerdings, dass sie ihn niemals dabei beobachtet habe, aber es andere Leute gebe, die das wüssten.
Es habe Bargeldzahlungen und illegale Geldflüsse gegeben, wie ihr Zeugen berichtet hätten.
Die Ukraine sei im Frühling 2022 in Istanbul bereit gewesen, den Donbass den Russen abzugeben. (Kommentar: Mendel war damals nicht in Istanbul und nicht mehr Teil des Regierungsteams.)
Für Mendel ist Zelenskyj «eines der grössten Hindernisse für den Frieden heute». Ausserdem beschrieb sie den ukrainischen Präsidenten als emotional instabil: «Er ist emotional unkontrollierbar, oft hysterisch.»
Die ukrainische Behörde für strategische Kommunikation «SPRAVDI—Stratcom Centre» stellt die Aussagen über den Donbass in Abrede und betont, dass die Ukraine sich immer gegen Gebietsabtretungen ausgesprochen hat. Zum Rest der Vorwürfe äusserte sich die Behörde nicht. SPRAVDI schreibt: «Es lohnt sich auch, den Kontext des Interviews selbst zu betrachten. Tucker Carlson verbreitet systematisch pro-russische Narrative und hat zuvor bereits Putin, Lawrow und den Ideologen der „russischen Welt“, Dugin, interviewt. Volodymyr Zelenskyj warf Carlson direkt vor, russische Propaganda und Desinformation zu verbreiten.»
KOMMENTAR: Juliia Mendel wurde vor fünf Jahren mit sofortiger Wirkung aus ihrem Amt entlassen und verfügt seither über dieselben Informationen, wie andere Journalisten. Warum sie sich von einer glühenden Anhängerin von Zelenskyj zu einer scharfen Kritikerin wandelte, ist unklar.
Zum vierten Jahrestag des Überfalls schrieb Mendel am 24. Februar 2026 auf «X» über Zelenskyj: «Als er 2021 kurz davor stand, die Macht zu verlieren, ermöglichte ihm der Krieg, zu florieren, an allen Aspekten dieses Krieges Geld zu verdienen, fast unbegrenzte Macht im Land zu erlangen und sich dabei in internationalem Ruhm zu sonnen.» Sie beschreibt also eine Zeit, die sie teilweise selbst erlebte, aber in ihrem Buch ganz anders beschrieb. Tucker Carlson machte sie nicht auf diesen Widerspruch aufmerksam.
Es gibt Gerüchte, dass Mendel ein neues Buch vorbereitet hat und der Auftritt in der TV-Show Teil der Vermarktungstakti war.
Mit Sicherheit werden ihre Aussagen von Kreml-Kreisen in den nächsten Tagen weit verbreitet werden. Dies wird auch genutzt, um Druck auf die ukrainische Führung auszuüben, sich den amerikanisch-russischen Forderungen nach Gebietsabtretungen zu unterwerfen.
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