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DIE ERFOLGREICHEN DROHNEN
Etwa 60 Prozent der Tiefangriffe auf russisches Territorium werden von ukrainischen Drohnen des Typs «Fire Point FP-1» durchgeführt. Sie können Ziele mit einer geringeren Nutzlast in einer Entfernung von 1’500 Kilometern innerhalb Russlands erreichen. Ihre Software ist hochentwickelt und resistent gegen elektronische Störsender.
Olena Kryzhanivska, Expertin für ukrainische Waffensysteme, weist darauf hin, dass die FP-1-Drohne nur etwa 55’000 Dollar pro Stück kostet. Mittlerweile werden pro Tag mehr als 100 Stück produziert. Die Ukraine nutzt ausserdem die schwerere und teurere «Lyutyi»-Drohne mit einer Reichweite von 2’000 Kilometern.
Es gibt auch Berichte über den Einsatz von ukrainischen Marschflugkörpern des Typs «Fire Point FP-5 „Flamingo“». Sie sind deutlich schneller als die Drohnen, fliegen nur 50 Meter über dem Boden, haben eine Reichweite von über 3’000 Kilometern. Dank eines 1’150 Kilogramm schweren Sprengkopfes verfügen sie über eine enorme Durchschlagskraft.
Der FP-5 Fire Point nutzt umgebaute Turbofan-Triebwerke aus der Sowjetzeit. Die Produktion seines Kohlefaserrumpfes dauert sechs Stunden. Derzeit werden zwei bis drei FP-5 pro Tag hergestellt. Im Laufe des Monats soll die Produktion auf sieben steigen. Jeder kostet rund 500’000 Dollar.
Im Vergleich dazu kostet eine amerikanische Tomahawk-Rakete viermal so viel, hat eine geringere Reichweite und trägt eine leichtere Nutzlast. Gleichzeitig stellt «The Economist» fest, dass sie «wahrscheinlich präziser und schwieriger abzuschiessen ist».
Die Russen produzieren den ursprünglich iranischen «Shahed» zu einem Preis von ca. 30’000 US-Dollar pro Stück. Täglich verlassen 200 Drohnen die Fabriken. Auch die Ukraine kann dieses Niveau erreichen, da sie leichteren Zugang zu den benötigten Materialien hat. https://x.com/Tatarigami_UA/status/1975078260766818709
PRÄZISE SCHLÄGE
In Nowosibirsk brennt es auf dem Gelände der Firma ZAO «Lötwerkstatt». Die Firma mit dem unscheinbaren Namen ist spezialisiert auf die Herstellung von Elektronik und Mikrochips sowie Reparatur und Montage elektrotechnischer Geräte insbesondere auch für die russische Kriegsindustrie. https://t.me/exilenova_plus/12983
In der russischen Region Lipezk wurde ein Eisenbahnabschnitt beschädigt und das Geleise wurde danach gesperrt. Einheimische berichten aus der Stadt Usman, dass gegen 3:40 Uhr nachts eine Explosion auf den Gleisen stattfand. Unklar ist, ob Drohnen oder lokale Partisanen dies verursacht haben. https://t.me/exilenova_plus/12982
In der russischen Region Rostow brennt es bei der «Pump- und Förderstation (NPS) Ekaterinowskaja». Betroffen ist die elektrische Umspannstation. https://t.me/exilenova_plus/12981
GROSSE VERLUSTE
In der Abendansprache nannte der ukrainische Präsident Volodymyr Zelenskyj erstmals seit langem Zahlen zu den verschiedenen Operationen, insbesondere im Osten der Ukraine:
«Derzeit liegt der Fokus natürlich auf der Dobropillia-Operation, unserer Gegenoffensive. Seit ihrem Beginn und bis heute haben die Russen bereits über 12’000 Verluste erlitten – und das allein in den Gebieten Pokrowsk und Dobropillia, insbesondere seit dem 21. August. Von diesen 12’000 sind mehr als 7’200 (Tod oder kampfunfähig) unwiederbringliche Verluste.»
Zu den Aktionen im Innern Russlands sagte Zelenskyj ganz generell: «Ich habe einige Pläne für den Dienst genehmigt für unsere asymmetrischen Reaktionen auf den Krieg Russlands.» https://t.me/V_Zelenskiy_official/16430
DIE RUSSISCHEN DROHNEN
Russland verwendet mindestens drei verschiedene Modelle von «Shahed» Drohnen bei denen erhebliche Unterschiede in der Zusammensetzung der importierten Komponenten festgestellt wurden.
➡️ Shahed «Alabuga» (russische Montage, Werk in Tatarstan).
Hier gibt es die höchste Dichte an importierten Komponenten: 294 Einheiten aus China, aus Taiwan 120; Aus den USA 100; der Rest aus anderen Ländern. Es werden Prozessoren, Mikrocontroller, Analog-Digital-Wandler und andere High-Tech-Elemente verwendet. Im Wesentlichen handelt es sich um eine Montage mit importierter Elektronik und minimalen Konstruktionsänderungen; russisch sind vorwiegend Gehäuse- und Hilfskomponenten.
➡️ Shahed «Izhevsk» (russische Modifikation) hat 112 importierte Teile: je 40 aus China/Taiwan und den USA, der Rest aus anderen Ländern. Höherer Lokalisierungsgrad: Es wird ein russisches Navigationsmodul und andere Komponenten inländischer Produktion verwendet. Die Konstruktion ist „wirtschaftlicher“ — vereinfachte Steuerungselemente und ein größerer Anteil lokaler Materialien. Dies deutet auf Versuche hin, die Abhängigkeit vom Import zu verringern, jedoch wurde auf kritische ausländische Elektronik nicht vollständig verzichtet.
➡️ Klassischer iranischer «Shahed» enthält etwa 105 importierte Komponenten, davon etwa 40 aus den USA; der Rest aus anderen Ländern. Die klassische Anordnung und ein robusteres Gehäuse sind erhalten geblieben.
.@vladvlas : “Росія використовує щонайменше три різні моделі дронів Shahed/Герань, і в кожній з них виявлено суттєві відмінності у складі іноземних компонентів.
1. Shahed “Alabuga” (російська збірка на заводі в Татарстані) • Найбільша насиченість імпортними компонентами — 294… pic.twitter.com/0ra6dflVrw
Die Zunahme von Sabotageversuchen durch russische Spione unter diplomatischer Tarnung beunruhigen die europäischen Länder. Als Reaktion haben sich die EU-Regierungen darauf geeinigt, russische Diplomaten zu verpflichten, andere Länder zu informieren, bevor sie die Grenzen innerhalb der Union überschreiten.
Von Moskau unterstützte Agenten werden für eskalierende Provokationen gegen NATO-Staaten verantwortlich gemacht, darunter Brandstiftung, Cyberangriffe, Sabotage von Infrastruktur und Drohnenangriffe im Rahmen einer koordinierten Kampagne zur Destabilisierung der europäischen Verbündeten Kiews.
Die Tschechische Republik setzte sich seit Mai 2024 für die Initiative ein und verwies darauf, dass Hunderte von in Österreich akkreditierten russischen Diplomaten legal in die Tschechische Republik einreisen können. Schliesslich hatte Ungarn sein Veto aufgehoben.
EU-Geheimdienstberichte zeigen, dass russische Spione, die sich als Diplomaten ausgeben, Operationen ausserhalb ihrer Gastländer durchführen, um der Überwachung durch den Gegenspionagedienst zu entgehen. Der tschechische Aussenminister Jan Lipavský, sagte, es gibt kein „Schengen für Russland”, daher macht es keinen Sinn, dass ein in Spanien akkreditierter russischer Diplomat nach Prag kommen kann, wann immer er möchte.
Tschechien hat sich besonders engagiert, weil sie bereits 2014 den schlimmsten Sabotageanschlag Russlands auf EU-Boden erlebt hatte. Als Explosionen im Munitionslager Vrbětice zwei Menschen töteten, war dieser Terrorakt Agenten des russischen Geheimdienstes GRU zugeschrieben worden. https://www.ft.com/content/bc1aeba0-d5f8-482e-b121-d71f8ceff23b
ABGESANG AUF PUTIN
Der Tag nach Putins 73. Geburtstag ist ein guter Zeitpunkt für die Publikation einer Bilanz des Wirkens des Kreml-Herrschers. Frank Mertens hat das gemacht:
«Es war eine riesige Überraschung, als der russische Präsident Boris Jelzin freiwillig einem Nachfolger Platz machte: dem bis dahin fast unbekannten Ministerpräsidenten Wladimir Putin. Jelzin ging es vor allem darum, dass er und seine Familie nach seinem politischen Abgang vor rechtlicher Verfolgung sicher wäre; was Putin ihm zugesichert hatte – und auch einhielt.
Jelzin hatte den Übergang von der sowjetischen Kommandowirtschaft zum Kapitalismus durchgesetzt, war aber bei der nachhaltigen Verankerung demokratischer Reformen gescheitert. Nun sollte Putin das Werk fortführen: «Behüten Sie Russland», sagte Jelzin theatralisch zum Abschied. Sein Wunsch ging nicht in Erfüllung – Putin hatte andere Pläne.
Putin wollte Russland wieder gross machen. Für ihn war der Zusammenbruch und Zerfall der Sowjetunion die „grösste geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts“. Russland sollte wieder zu jener alten Grösse zurückfinden, die es unter den russischen Zaren und als Sowjetunion hatte. Putin wollte Russland wieder zur Weltmacht machen und mit einer kruden Mischung aus christlichen und chauvinistischen Inhalten einen Gegenentwurf zum „schwachen und degenerierten Westen“ schaffen.
Putin hatte dank sprudelnden Rohstofferlösen zwar die Armut in den beiden russischen Metropolen Moskau und Sankt Petersburg verringern können und das Land wieder zur gefürchteten Militärmacht aufgebaut. Aber dabei griff er auf die übelsten russischen Herrschaftstraditionen zurück: Er schaltete politische Gegner systematisch aus, installierte eine ihm ergebene Führungsclique, brachte grosse Teile der Wirtschaft zurück unter staatliche Kontrolle, schanzte der Elite kolossale Reichtümer zu und entfesselte und führte zuletzt einige der furchtbarsten Kriege der Gegenwart.
Putin hat sein Land letztlich in die Katastrophe geführt. Die Geschichte wird kaum gnädig über seine Herrschaft urteilen. Denn Putin unterscheidet sich in einem zentralen Punkt von früheren Gewaltherrschern Russlands. Prägende Figuren wie Zar Peter oder der Sowjetdiktator Lenin unterwarfen das Land zwar skrupellos ihrem Willen, aber sie nutzten ihre Macht mit dem Anspruch, Russland tiefgreifend zu modernisieren. Putin dagegen betreibt kein Aufbau-, sondern ein Zerstörungswerk. Russland hat demografisch, wirtschaftlich und politisch keinerlei Zukunftschancen.
Putin wirkt immer mehr wie ein raffinierter Taktiker, der aber letztlich ein miserabler Stratege ist. Selbst wenn er aus dem Ukraine-Krieg mit territorialen Gewinnen hervorgehen sollte, hat er seinem Land keine günstige Perspektive mehr zu bieten. Wirtschaftlich ausgelaugt, vom Westen geächtet und vom Welthandel und dem politischen Weltgeschehen abgeschnitten, in demütigende Abhängigkeit von China geraten, befindet sich Russland auf einem kostspieligen und kaum noch umkehrbaren Irrweg.
Wirtschaftlich und politisch hat das Regime nach aussen und innen nichts mehr zu bieten. Es benötigt das Schreckgespenst eines angeblichen äusseren Feindes, um sich noch legitimieren zu können und dem eigenen Volk eine sinnhafte Identifikationsmöglichkeit zu bieten. Wie ein Sektenführer hämmert Putin seinem Volk dazu abstruse Gruselbotschaften ein: Amerika und „der degenerierte Westen“ wollten Russland in eine Kolonie verwandeln „und uns zu einer Masse seelenloser Sklaven machen“. Der Westen bedrohe „die russischen Werte“ und Russland sei „das letzte christlich-abendländische Bollwerk gegen das Verderben der Sünde“.
Diese Erzählung als Gegenmodel zum Westen ist abhängig vom nachweisbaren Erfolg des „russischen Weges“. Stürzt die russische Wirtschaft aber weiter ab und vertieft sich die internationale Isolation weiter, gewinnt Russland in der Ukraine keinen moralischen Sieg über die „westlichen Faschisten“ und kann den letzten Abtrünnigen der allrussischen Dreieinigkeit aus Russland, Belarus und Ukraine nicht dem „russischen Kernland“ eingliedern, wird Putins Erzählung von der Überlegenheit der „russischen Welt“ nicht mehr funktionieren.
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