#UKRAINE AKTUELL Nr. 1309 (23.9.25 / 19 Uhr)

  • Polens Regierung warnt Russland
  • Chronik der russischen Übergriffe
  • Erfolgreiche ukrainische Drohnen

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POLEN WARNT RUSSLAND

Radoslaw Sikorski, polnischer Aussenminister und stellvertretender Regierungschef, sprach am Montagabend vor dem UNO-Sicherheitsrat. Bei der ausserordentlichen Sitzung ging es um die Verletzung des estnischen Luftraums durch Russland. Sikorski liess keine Zweifel an der Verantwortung Russlands offen und sprach sein russisches Gegenüber direkt an:

«Wir wissen, dass Sie sich nicht um das Völkerrecht scheren und nicht in der Lage sind, in Frieden mit Ihren Nachbarn zu leben. Ihr wahnsinniger Nationalismus ist eine Gier nach Herrschaft, die nicht nachlassen wird, bis Sie erkennen, dass die Ära der Imperien vorbei ist und Ihres nicht wiederhergestellt werden kann. (…) Jeder Drohnenangriff der Helden der ukrainischen Streitkräfte – möge Gott sie segnen – bringt diesen Tag näher. (…) Niemand unterstützt Ihre Versuche, die Ukraine zu erobern, und wir lassen uns nicht einschüchtern. Wenn eine weitere Rakete oder ein anderes Objekt, absichtlich oder versehentlich, in unseren Raum fliegt und abgeschossen wird und die Trümmer auf NATO-Territorium fallen, kommen Sie nicht hierher, um sich zu beschweren. Sie wurden gewarnt.» Video: https://youtu.be/rpwHKpyQ8go

BEWUSSTE PROVOKATIONEN

Der letzte dreiste Überflug von drei russischen MiG-31 in den estnischen Luftraum war nur eine weitere Episode in einer langen Reihe von Provokationen, mit denen Moskau seit Jahrzehnten die Reaktionen der Nachbarn und NATO-Verbündeten testet. Vor diesem Hintergrund haben wir die bekanntesten Fälle von Luftraumverletzungen verschiedener Staaten zwischen 2007 bis heute in einer übersichtlichen Chronologie zusammengestellt. (Alle Fälle geschahen unter der Führung Putins).

2007 – GEORGIEN

Eine Serie von Überflügen russischer Flugzeuge über Georgien mit einem Raketenabschuss im Gebiet von Gori. Internationale Experten bestätigten die Invasionen.

2013 – JAPAN

Zwei separate Episoden: Im Februar drang ein Paar Su-27 über Hokkaido ein, im August durchbrachen zwei Tu-95 den Luftraum über Kyushu. Die Proteste Tokios stoppten die weiteren Flüge nicht.

2014–2021 – BALTIKUM

Nach der Besetzung der Krim verzeichnet die NATO einen starken Anstieg gefährlicher Abfangmanöver und kurzer «Überflüge» über Estland, Litauen, Dänemark, Schweden und Finnland. Typisches Muster: ausgeschaltete Transponder, fehlende Kommunikation mit der Flugverkehrskontrolle.

2015 – TÜRKEI

Ein russischer Su-24 verletzte den türkischen Luftraum und wurde abgeschossen. Zuvor gab es mehrfach kleinere Verletzungen des türkischen Hoheitsgebietes. Nach dem Abschuss keine mehr.

2016 – FINNLAND

Zwei Einsätze von Su-27 im Finnischen Meerbusen innerhalb eines Tages. Helsinki hob Abfangjäger auf und protestierte offiziell.

2017 – LITAUEN

Zwei Il-76 flogen bis zu zwei Minuten über das Staatsgebiet.

2020 – DÄNEMARK (Bornholm).

Ein Su-27 beging eine «erhebliche Verletzung» beim Abfangen einer amerikanischen B-52.

2022 – SCHWEDEN UND DÄNEMARK

Im März verletzten zwei Su-24 und zwei Su-27 den Luftraum über Gotland; im April flog ein russisches Flugzeug zuerst über Dänemark, dann über Schweden.

2023/2024 – POLEN, RUMÄNIEN

Im Kontext des Krieges gegen die Ukraine wurden Überflüge russischer Marschflugkörper im Luftraum beider Länder sowie der Absturz von Shahed-Drohnenfragmenten registriert.

2024 – SCHWEDEN

Kurze Aktion eines Su-24 östlich von Gotland im Juni.

2024 – JAPAN

Ein Il-38 verletzte dreimal den Luftraum bei der Insel Rebun; japanische F-15/F-35 setzten erstmals Wärmetäuschkörper ein.

2025 – ESTLAND

Eine Serie von Episoden: Im Mai, Juni und September drangen MiG-31, Il-76 und Mi-8 in den estnischen Luftraum ein. Am 19. September ein Rekordflug von zwölf Minuten mit drei MiG-31, woraufhin Tallinn Konsultationen mit der NATO nach Artikel 4 einleitete.

Analyse und Trends

  • Systematische Druckpolitik: Von Georgien bis Japan ist eine Strategie erkennbar: regelmässige kleine Verletzungen zur Testung der Reaktion der Luftverteidigung, des politischen Willens und der Schnelligkeit der Entscheidungsfindung.
  • Eskalation nach 2014: Die Annexion der Krim war ein Wendepunkt. Die Anzahl der Abfangmanöver und kurzen „Überflüge“ im Baltikum und Nordeuropa stieg stark an. Russland zeigt die Bereitschaft, „am Rande“ ohne direkten Krieg zu agieren.
  • Neue Phase seit 2022: Hinzu kamen Raketen und Drohnen, die nicht mehr vereinzelt, sondern massenhaft auftreten: Fälle in Polen und Rumänien sind faktisch Kampfhandlungen auf NATO-Territorium.

Regionale Besonderheiten.

  • Baltikum und Skandinavien sind das häufigste Einsatzgebiet.
  • Die Schwarzmeerregion ist am heftigsten betroffen (abgeschossener Su-24 durch die Türkei).
  • Asien-Pazifik: regelmässige Einsätze in Japan und gemeinsame russisch-chinesische Demonstrationen.

Fazit:

Die russischen Überflüge sind keine zufälligen «Navigationsfehler», sondern ein langfristiges Instrument hybrider Kriegsführung. Sie dienen gleichzeitig:

  • dem Testen der Reaktion und Bereitschaft der NATO;
  • dem Gewöhnen an Verletzungen, wodurch die „Empfindlichkeitsschwelle“ gesenkt wird;
  • dem Aufbau politischen Drucks, besonders wenn Mitglieder des Bündnisses ins Visier genommen werden.

Dies sind keine einzelnen Vorfälle, sondern Teil einer einheitlichen Strategie, bei der jeder «kurze Überflug» in eine reale Kampfoperation übergehen kann. https://t.me/Crimeanwind/86504

RUSSLAND UNTER BESCHUSS

Auch in der letzten Nacht griffen ukrainische Drohnen verschiedene Militärstellungen, Energiestationen und Flugplätze in Russland und in den von Russland besetzten Zonen an.

Während der ganzen Nacht flogen ukrainische Drohnen bis in die Region Moskau. 32 Drohnen seien abgeschossen worden, berichtete das russische Kriegsministerium.

Explosionen waren zu hören in Dubna, Reutow, Kubinka, Odinzowo, Podolsk, Selenograd und Sergijew Possad. Ob sie von den Abschüssen stammen oder von Einschlägen, steht nicht fest. In Solntsevo und Reutov stürzten Drohnen in Wohngebieten ab, da die russische Luftabwehr sie über Wohngebieten abgeschossen hatte. https://x.com/jurgen_nauditt/status/1970356672389349670

Eine der Folgen war, dass heute Morgen der Betrieb der vier Moskauer Flughäfen aufgrund der Drohnenanflüge eingestellt wurde.

In der Region Kaluga zwischen der ukrainischen Grenze und Moskau betrieben die russischen Streitkräfte eine Raketenabwehrstellung. Sie bestand aus Radar und Trägerraketen eines russischen S-400-Luftabwehrsystems. Diese Station wurde diese Nacht zerstört.

Der ukrainisch-amerikanische Militärbeobachter Igor Sushko schreibt: «Es fühlt sich an, als würde die Ukraine den Weg für Raketenangriffe auf Moskau freimachen.» https://x.com/igorsushko/status/1970058555203162596

Wie solche eine Raketenstation nach einem Angriff aussieht, zeigen heute veröffentlichte Fotos einer im August zerstörten russischen Raketenstellung. Es handelt sich um «Iskander-M» Raketen sowie das dazugehörige Boden-Luft-Raketensystem «Pantsir-S1» auf dem Truppenübungsplatz Molkino in der Region Krasnodar im Südwesten Russlands. https://x.com/sentdefender/status/1970516672923525173/photo/1

Eine Übersicht über weitere Angriffe der letzten Nacht veröffentlichte der ukrainische Generalstab:

  • Auf der besetzten Krim wurden auf dem Militärflughafen Kacha zwei Flugzeuge der russischen Luftwaffe auf dem Luftwaffenstützpunkt Kacha getroffen.
  • In der russischen Region Brjansk wurde bei Topowitschi  der Hauptpipelinekomplex LVDS „8-H“ getroffen und damit die Lieferung von Erdölprodukten an die russische Armee vereitelt.
  • In der russischen Region Astrachan wurde eine Gasverarbeitungsanlage bombardiert, die Gaskondensat raffiniert und Benzin/Diesel für die südlichen Regionen Russlands produziert.
  • In der russischen Region Samara wurde die Pipeline-Dispatchstation «Samara» getroffen.  Dies ist eine Anlage, in der Öl mit hoher und niedriger Dichte aus verschiedenen Quellen gemischt wird, um die Exportqualität von Uralöl zu bilden.

In allen Fällen fehlt noch eine abschliessende Beurteilung der nachhaltigen Folgen dieser Angriffe. https://www.facebook.com/GeneralStaff.ua/posts/pfbid02KQqVATn4ZkFkFMzQpvbzi5vgry2i8RcS25QnyA4zCt9kvY4r9RLrZ9JqSBasPSwwl

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