#UKRAINE AKTUELL Nr. 1280 (25.8.25 / 22Uhr)

  • Gefolterte aus Gefangenschaft zurück
  • 1 Milliarde Dollar pro Monat für Waffen
  • 1’120 Corona-Fälle allein letzte Woche
  • Ukraine kontert die ungarischen Klagen
  • Woody Allen in Moskau und im Abseits
  • Kommentar von Timothy Garton Ash

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GEFOLTERTE WIEDER ZURÜCK

Am Sonntag fand ein weiterer Austausch von ukrainischen und russischen Kriegsgefangenen statt. Auf der Seite der Ukraine wurde die Freilassung von vier Verteidigern besonders gewürdigt.

Frei kam unter anderen der Bürgermeister von Kherson Wladimir Mykolajenko. Er war am 18.April 2022, also knapp zwei Wochen nach dem russischen Überfall, von russischen Soldaten verschleppt worden. Was russische Kriegsgefangenschaft mittels Foltern, Aushungern und Kälte aus einem Menschen macht, zeigt ein Vergleich der beiden Fotos von Mykolajenko. Rechts der Bürgermeister bei seine Freilassung, links dreieinhalb Jahre zuvor im Amt, kurz vor der Verschleppung.

Den Tag der Freilassung bezeichnete Mykolajenko als seine zweite Geburt und sagte, dass er zum ersten Mal seit dreieinhalb Jahren wieder Bäume und Gras gesehen habe. Video mit englischen Untertiteln: https://x.com/i/status/1959631326228680769

Zwei weitere Freigelassene sind die Journalisten Dmytro Khyliuk und Mark Kaliush. Khyliuk, ein Journalist der Nachrichtenagentur UNIAN, wurde im März 2022 zusammen mit seinem Vater aus ihrem Haus in der Oblast Kiew entführt, während das Gebiet unter russischer Besatzung stand.

Der vierte Zivilist, der besonders erwähnt wurde, ist Serhiy Kovalov vom privaten Sanitätsbataillon «Hospitallers» (https://www.hospitallers.org.uk/ ). Er hat «während der Belagerung des Stahlwerks Azovstal in Mariupol im Frühjahr 2022 sowohl Verteidigern als auch Zivilisten das Leben gerettet», schreibt die ukrainische Regierung.

https://kyivindependent.com/ukraine-russia-hold-prisoner-exchange-on-independence-day

Zur Verschleppung des Bürgermeisters von Kherson hier noch ein weiterer Bericht: https://www.facebook.com/story.php?story_fbid=24259543037006095

Das Entführer und Gefangenhalten von Zivilisten, egal ob Bürgermeister, Journalisten, medizinisches Personal oder gewöhnliche Bürger ist ein Kriegsverbrechen und wird international verfolgt.

1 MILLIARDE DOLLAR PRO MONAT

Die Ukraine benötigt monatlich mindestens 1 Milliarde US-Dollar von Verbündeten, um Waffen aus den USA zu kaufen und den Widerstand gegen Russland fortzusetzen, sagte Selenskyj bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Kyiv mit dem norwegischen Premierminister.

Diesen Sommer haben die USA und die NATO einen neuen Mechanismus für Waffenlieferungen an die Ukraine gestartet – die «Priority Ukraine Requirements List» (PURL). Nach dem neuen System erstellt die Ukraine eine Liste der benötigten Waffen, und die NATO-Mitglieder finanzieren den Kauf aus amerikanischen Beständen.

Heute sagte der deutsche Finanzminister Lars Klingbeil: Deutschland wird die jährliche Unterstützung der Ukraine in Höhe von 9 Milliarden Euro für die nächsten zwei Jahre festschreiben. Klingbeil betonte, dass dies wichtig für die Stabilität des Landes und die Sicherheit Europas sei. Der Minister stellte fest, dass trotz der «Euphorie» in Teilen der deutschen Gesellschaft Putin nicht an Frieden interessiert sei, weshalb die Bundesregierung weiterhin an der Seite der Ukraine stehen werde. https://t.me/uniannet/172797     

CORONA AUSBRUCH IN KJIV

In der ukrainischen Hauptstadt Kyiv wurden innerhalb einer Woche 1’121 neue Corona-Fälle registriert, das sind 418 mehr als in den vorangegangenen sieben Tagen. 117 Personen wurden hospitalisiert, sechs Patienten landeten auf der Intensivstation.

Unterdessen wird in Riwne und Odessa das Tragen von Masken verpflichtend eingeführt, vorerst jedoch nur in einzelnen medizinischen Einrichtungen.

UNGARN IN SCHRANKEN WEISEN

Die Ukraine hat den Durchfluss von russischem Öl durch die Druschba-Pipeline erfolgreich gestoppt, indem sie die zentrale Ölpumpstation «Unecha»  in der Region Brjansk in die Luft gesprengt hat. https://ukraineaktuell.com/ukraine-aktuell-nr-1277-22-8-25-22uhr/

Durch diese Leitung floss bis anhin auch russisches Öl für die ungarische Regierung, welche als Lohn für diese Lieferungen die Ukraine zu blockieren versucht, wo immer sie kann.

Nachdem diese Lieferung nun gestoppt ist, reklamiert der ungarische Aussenminister Péter Szijjártó : «In den letzten Tagen hat die Ukraine schwere Angriffe auf unsere Energieversorgung verübt. Ein Angriff auf die Energiesicherheit ist ein Angriff auf die Souveränität. Ein Krieg, mit dem Ungarn nichts zu tun hat, kann niemals eine Verletzung unserer Souveränität rechtfertigen. Wir fordern Volodymyr Zelenskyj auf, die Drohungen gegen Ungarn einzustellen und die rücksichtslosen Angriffe auf unsere Energiesicherheit zu beenden!» https://x.com/FM_Szijjarto/status/1959657523864027327

Auf dieses Jammern und Schimpfen reagierte der ukrainische Aussenminister auf «X»: «Ich werde auf ungarische Weise antworten: Sie brauchen dem ukrainischen Präsidenten nicht zu sagen, was er tun oder sagen soll und wann. Er ist der Präsident der Ukraine, nicht Ungarns. Die Energiesicherheit Ungarns liegt in Ihren eigenen Händen. Diversifizieren Sie und machen Sie sich unabhängig von Russland, wie der Rest Europas.» https://x.com/andrii_sybiha/status/1959676672573419701

WOODY ALLEN IM ABSEITS

Der amerikanische Regisseur Woody Allen wurde nach seinem Auftritt in Moskau in die Datenbank der Moskauer Kriegsunterstützer aufgenommen. Zu ihm lautet der Eintrag: «Bewusste Teilnahme an einer russischen Propagandaveranstaltung während des russisch-ukrainischen Krieges und der Ermordung ukrainischer Bürger. Öffentliche Unterstützung der russischen Aggression.» https://t.me/uniannet/172829

Der Eintrag ist eine Reaktion auf die Teilnahme von Woody Allen bei der «Moskauer Internationalen Filmwoche». Dort sagte er, dass er russisches Kino liebe und Interesse an Dreharbeiten in Russland habe. Der Moderator der Veranstaltung war der russische Regisseur Fedor Bondartschuk, bekannt für seine öffentliche Unterstützung des Kremls und des Krieges.

Diese internationale Filmwoche entstand erst im letzten Jahr und soll zeigen, dass Russland trotz Sanktionen angeblich weiterhin ein aktiver Teilnehmer am kulturellen Leben der Welt bleibt. Das ukrainische Aussenministerium bezeichnete die Teilnahme von Woody Allen am Filmfestival als Schande, da es ein Instrument der russischen Propaganda ist. https://t.me/c/1197363285/173671

Gegenüber dem britischen «Guardian» sagte Woody Allen: «Was den Konflikt in der Ukraine betrifft, bin ich fest davon überzeugt, dass Wladimir Putin völlig im Unrecht ist. Der von ihm entfesselte Krieg ist schrecklich. Aber egal, was Politiker tun, ich halte es nicht für einen guten Weg, kreative Diskussionen zu beenden». https://www.theguardian.com/film/2025/aug/25/woody-allen-rebuts-ukrainian-condemnation-over-moscow-film-festival-appearance

DER BESONDERE KOMMENTAR

In Zukunft werde ich Kommentare mit dem Newsletter verteilen, welche sich auf Berichte beziehen, die hier publiziert wurden. Heute ein etwas längerer Kommentar des britischen Historikers und Publizisten Timothy Garton Ash. Er bezieht sich auf die Aktualität des Alaska-Gipfels https://ukraineaktuell.com/ukraine-aktuell-nr-1271-16-8-25-20uhr/ , des White-House Gipfels https://ukraineaktuell.com/ukraine-aktuell-nr-1274-19-8-25-19uhr/ und das allgemeine Versagen des aktuellen amerikanischen Präsidenten. (Die Texte von Ash können abonniert werden unter https://timothygartonash.substack.com/)

Zur Erinnerung: Donald Trump hatte Wladimir Putin eine Frist bis zum 8. August gesetzt, um einem sofortigen Waffenstillstand zuzustimmen, andernfalls drohte eine neue Runde schwerer Wirtschaftssanktionen. Stattdessen empfing Trump den russischen Diktator in Anchorage, Alaska, überschwänglich, als wäre er der Führer einer befreundeten Supermacht, und übernahm schliesslich Putins Position (zuerst eine vollständige Friedensregelung statt eines Waffenstillstands) anstelle seiner eigenen.

Wo stehen wir nun nach drei Wochen Trump’scher Polit-Theateraufführung?

Putin ist hocherfreut. Wir sehen Putin nicht oft so breit lächeln, aber durch das hintere Seitenfenster von „The Beast“, dem schwer bewachten Wagen des US-Präsidenten, konnten wir es sehen, als er auf Einladung Trumps dort sass – der Kriegsverbrecher, herzlich empfangen von dem, den wir einst „Führer der freien Welt“ nannten. Die Bestie in der Bestie.

Allein die Tatsache dieses Treffens war ein großer Sieg für Putin. Stellen Sie sich vor, FDR (Franklin D. Roosevelt) hätte Adolf Hitler Ende 1940 zu einem freundschaftlichen Gipfeltreffen in Alaska empfangen, während deutsche Flugzeuge London bombardierten, und dann vor einer von den USA entworfenen Kulisse mit der Aufschrift „Pursuing Peace“ eine gemeinsame Pressekonferenz abgehalten.

Das einzige Zugeständnis, das Putin machte, war, dass russische Drohnen und Raketen am Tag des Gipfels nur ukrainische Städte an der Frontlinie wie Kharkiv und Sumy angriffen, nicht Kyiv und Lemberg. Wahrlich ein grosses Zugeständnis.

Und dann hat Putin Trump, wie zu erwarten war, um den Finger gewickelt. Für Putin ist es perfekt, endlos mit den USA über Friedensgespräche zu reden, während er einen Krieg weiterführt, den er in der Ukraine langsam zu gewinnen glaubt.

Fünf Tage später traf ein russischer Luftangriff eine US-Fabrik in der Westukraine. Putins Verachtung für Trump hätte nicht deutlicher zum Ausdruck kommen können.

Trumps Schande. Weil Politiker versuchen, das Beste daraus zu machen, und Kommentatoren nach positiven Aspekten suchen, sagen wir nicht oft und laut genug, wie moralisch verwerflich, diplomatisch inkompetent und offen gesagt lächerlich sein Verhalten ist. Narzissmus und Eigeninteresse (einschliesslich der kommerziellen Interessen seiner Familie) scheinen mindestens 70 % seines Verhaltens auszumachen. Er dreht sich wie eine überölte Wetterfahne im Wind und wiederholt so ziemlich alles, was ihm der Letzte gesagt hat. Seine Eitelkeit ist unglaublich und er redet viel Unsinn.

Ja, er hat ein paar konsistente Themen (z. B. Zölle, „America First“, Abneigung gegen Krieg an sich) und ein brillantes politisches Gespür für Narrative und performative Handlungen, mit denen er seine Wähler bei der Stange hält. Aber die meiste Zeit benimmt er sich wie eine groteske Figur aus einer der politischen Parodien von Sacha Baron Cohen.

Die Solidarität Europas. Sieben europäische Staats- und Regierungschefs haben mitten in den Sommerferien alles stehen und liegen lassen, um nach Washington zu eilen und ihren europäischen Amtskollegen Volodymyr Zelenskyj zu unterstützen. Bravo. Wenn Sie nach einem Silberstreif am Horizont suchen, hier ist er. Und dies war nicht nur eine einmalige Solidaritätsbekundung. Diese Staats- und Regierungschefs, darunter fast alle wichtigen des Kontinents (wenn auch mit der politisch festgefahrenen Polen als bedauerliche Abwesende), haben sich nun persönlich zur Unterstützung der Ukraine verpflichtet.

Demütig mussten die Präsidenten und Premierminister anschließend Trumps Ego streicheln und ihn dabei geschickt – und gut koordiniert – auf die zuvor vereinbarte Position zurückholen, dass ein Waffenstillstand und die Planung von Sicherheitsgarantien notwendig sind. Ihre fortgesetzte Schmeichelei gegenüber diesem grauenhaften Narzissten ist peinlich, würdelos und verdient tatsächlich das, was das britische Satiremagazin Private Eye als OBN (Order of the Brown Nose / Orden der Arschlecker) bezeichnet – aber es ist das, was die europäischen Staats- und Regierungschefs tun müssen, solange Europa selbst keine dreidimensionale Supermacht wird. (Was es werden sollte, aber darauf sollte man nicht warten.)

Wo bleibt da die Ukraine? Ziemlich genau dort, wo sie vorher war. Der Ausgang dieses Krieges wird nicht durch Friedensgespräche in naher Zukunft entschieden werden. (Das Weisse Haus behauptete, Putin habe einem Treffen mit Zelenskyj zugestimmt, aber der russische Aussenminister Sergej Lawrow sagt, dass er das nicht tun werde. Ein weiterer Schlag ins Gesicht für Trump.)

Nein, der Ausgang dieses Krieges wird durch den Verlauf dieses Krieges entschieden werden – und durch die Verteidigungs- und Abschreckungsmassnahmen, die zum Zeitpunkt des endgültigen Waffenstillstands bestehen. „Sicherheitsgarantien” sind keine blossen Worte auf dem Papier. (Die Ukrainer erinnern sich noch gut an die schönen Worte der Sicherheitszusagen, die die USA, Grossbritannien und Russland 1994 im Budapester Memorandum gegeben haben und die sich als wertlos erwiesen haben.) In der Realität sind Sicherheitsgarantien eine Frage von Stahl, Feuerkraft, Elektronik, physischer Präsenz und gegenseitigem Vertrauen.

Wenn die Ukraine trotz des akuten Mangels an kampfbereiten jungen Männern mit nur geringen Gebietsverlusten die Stellung halten kann und Europa (zusammen mit Ländern wie Kanada und einigen wichtigen strategischen Akteuren aus den USA) seine militärische, verteidigungsindustrielle und wirtschaftliche Unterstützung für die Ukraine aufrechterhalten und gleichzeitig längerfristige Abschreckungsmassnahmen – insbesondere in der Luft – plant, könnte der Druck auf Russland schliesslich grösser werden als auf die Ukraine. Das ist eher im nächsten Jahr als in diesem Jahr zu erwarten. Nur dann, wenn Putin feststellt, dass er militärisch nicht weiterkommt, während die zurückkehrenden Leichen und eine schwächelnde Wirtschaft die Stabilität seines Regimes zu bedrohen beginnen, könnte er bereit sein, ernsthafte Gespräche aufzunehmen.

Wenn Trump es satt hat, in seiner Beziehung zu Putin (um eines seiner Lieblingswörter zu verwenden) ein „Verlierer“ zu sein, und härtere Sanktionen verhängt, würde das helfen – aber nichts in seiner bisherigen Bilanz deutet darauf hin, dass dies geschehen wird, geschweige denn, dass es lange genug aufrechterhalten werden könnte, um den Zeitplan für eine schmerzhafte Pattsituation zu verkürzen.

Der Rest ist alles nur Lärm und Wut à la Trump, die nichts bedeuten.

https://timothygartonash.substack.com

Ältere Beiträge nach Monat

#UKRAINE AKTUELL Nr. 1373 -1382 (5.12.25 / 9Uhr)

• Ukraine Aktuell mit Neuerungen
• USA minimieren Russland-Sanktionen
• Busse für New Yorker Immo-Händler
• Die Rolle von Trumps Schwiegersohn
• EU-Politiker befürchten US-Hinterhalt
• 30’000 Ukrainer gegen 150’000 Russen
• Die Lüge des chinesischen Staatschefs
• 12 Länder agieren vereint gegen Kinder

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#UKRAINE AKTUELL Nr. 1370 (23.11.25 / 8Uhr)

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• Zelenskyj organisiert Widerstand
• Verhandlungen beginnen in Genf
• Viktor Orbán für Trumps Plan
• US-Regierung macht mehr Druck
• Trump lässt viele Fragen offen
• Erfolgreiche Anti-Drohnen-Waffe
• Die Geliebte des Kreml-Armeechefs

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#UKRAINE AKTUELL Nr. 1366 (19.11.25 / 9Uhr)

• Russischer Angriff auf Wohntürme
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• Angeblich Geheimverhandlungen
• Tauschhandel statt Geld in Russland
• Trauriges Soldat – Mutter Telefonat
• Video zu Orbàns Raubgut-Palast
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