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Das russische Imperium wackelt von innen. Dazu Meldungen über Repression, wirtschaftliche Schwierigkeiten und interne Kritiken unter der faschistischen Herrschaft von Putin.
UKRAINE EFFIZIENT – BENZIN KNAPP
Von der russisch besetzten Krim werden Videos veröffentlicht, die Tankstellen zeigen, die keinen Treibstoff mehr im Angebot haben. https://x.com/i/status/1959179469161156728
Der russische Telegram Nezygar (seit einem Jahr gemäss Kreml ein «ausländischer Agent») schreibt: «Die Spannungen auf dem russischen Kraftstoffmarkt nehmen zu: In Primorje bilden sich kilometerlange Schlangen an Tankstellen, und die Grosshandelspreise für Benzin und Diesel haben Rekordhöhen erreicht. Offiziell werden die Gründe dafür nicht länger verschleiert – Raffinerien werden nach ukrainischen Angriffen geschlossen. An Spitzentagen im Sommer standen bis zu 14 % der Verarbeitungskapazitäten still. (…)
Die Wahl der Raffinerien als Ziele erklärt sich durch ihre technologische Verwundbarkeit. Moderne russische Raffinerien wurden mit Anlagen von Shell, Axens, UOP und Haldor Topsoe gebaut – Hydrocracking, katalytische Reformierung, Isomerisierung und Euro-5-Komponentenproduktion. Seit 2022 wurden die Lieferungen von Ausrüstung, Software und Katalysatoren eingestellt. Katalysatoren sind Verbrauchsmaterialien, die alle 1–3 Jahre ausgetauscht werden müssen. Ohne westliche Lieferungen ist Russland auf alte Bestände oder chinesische Analoga mit schlechterer Leistung angewiesen.
China kann nur einen Teil des Defizits decken: Pumpen, Wärmetauscher und einfache Katalysatoren. Bei komplexen Prozessen hinkt die Technologie jedoch hinterher, und der Ersatz westlicher Komponenten durch chinesische erfordert eine Umstrukturierung der gesamten Raffinerieanlage. Infolgedessen führt jeder ukrainische Angriff auf eine Hydrocracking- oder Reformieranlage zu monatelangen Ausfallzeiten.
Ein zentrales strategisches Problem russischer Raffinerien besteht darin, dass die wichtigsten Verarbeitungskapazitäten im europäischen Teil des Landes konzentriert sind, während der Kraftstoffverbrauch im Fernen Osten steigt. Die Kraftstofflogistikkette für die östlichen Regionen erstreckt sich über Tausende von Kilometern, was zusätzliche Kosten und Risiken mit sich bringt.
Kilometerlange Warteschlangen in Primorje sind eine direkte Folge dieses Ungleichgewichts zwischen westlicher Produktion und östlichem Verbrauch. Grosse Raffinerien – von Kirishi bis Wolgograd – liegen in Reichweite ukrainischer Drohnen. Die ukrainische «Flamingo»-Rakete kann, sofern ihre Spezifikationen bestätigt werden, die grösste Raffinerie Russlands in Omsk erreichen.
Mit zunehmender Reichweite sind nun auch Anlagen bedroht, die bisher als unerreichbar galten, was ein Problem für die Luftabwehr darstellt – der Schutz aller Raffinerien im gesamten Gebiet von Kaliningrad bis zum Fernen Osten, ist praktisch unmöglich. Folglich ist die russische Öl- und Gasindustrie, einst eine Quelle wirtschaftlicher Stärke, zu einer Schwachstelle geworden.
DISSIDENT GEGEN ILLUSIONEN
Der bekannte russische Nationalist und ehemalige politische Gefangene Dmitri Djomuschkin spricht in einem Interview über den anhaltenden Krieg mit der Ukraine:
🔻 «Unser Militär überzeugt die Führung des Landes davon, dass die Ukraine, wenn nicht heute, dann morgen erschöpft sein wird, die Front durchbrochen wird und sie den Krieg gewinnen wird. Als Beispiel wird das kaiserliche Deutschland genannt, das den Ersten Weltkrieg verlor, weil es logistisch erschöpft war.»
🔻 «In unserem Fall, in dem 55 Länder der Ukraine materiell und finanziell helfen, gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass die Ukraine den Krieg logistisch verlieren wird.»
🔻 «Das Personal unserer Brigaden an der Front besteht aus so minderwertigem Personal, dass es übertrieben ist, von einem grossflächigen Durchbruch der Front durch sie zu sprechen. Ich weiss das direkt von den Soldaten an der Front. Ich kann nicht über alles sprechen, weil sie mir unter dem Artikel ‚Diskreditierung der Armee‘ vorwerfen werden.»
🔻 «Trotz grosser Propagandabemühungen ist dieser Krieg in Russland nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Ein grosser Teil der Bevölkerung betrachtet ihn als eine Katastrophe, die man hinter sich bringen möchte.» https://x.com/visionergeo/status/1958825608785395870
STALIN-KRITIKER VERURTEILT
Im russischen Jekaterinburg wurde ein 75-jähriger Rentner verurteilt, weil er Stalin einen Diktator und Mörder genannt hatte. Das Gericht befand Nikolai Dolguschin wegen «Rehabilitierung des Nationalsozialismus» für schuldig.
Er hatte im sozialen Netzwerk «Odnoklassniki» folgendes geschrieben: «Der Zweite Weltkrieg wurde vom Diktator und Mörder Stalin begonnen» und «Es war der Mörder und Diktator Stalin, der dem friedlichen Polen den Krieg erklärte.» Der Rentner wurde zu einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung verurteilt und erhielt ein anderthalbjähriges Internetverbot. Ausserdem wurde ihm die Anmeldung bei einem Psychiater auferlegt.
Der ukrainische Journalist Anton Gerashchenko schreibt: «Im heutigen Russland muss sich eine psychisch stabile Person, die die Dinge beim Namen nennt, einer psychiatrischen Behandlung unterziehen». https://x.com/Gerashchenko_en/status/1957870026738004165
Kleiner historischer Hinweis: Heute vor 86 Jahren, am 23. August 1939, unterzeichnete die russische Regierung unter Stalin und die deutsche Regierung unter Hitler einen gegenseitigen Nichtangriffspakt. In einem geheimen Zusatzprotokoll hatten die beiden Diktatoren die Aufteilung von Polen und die Herrschaft Russlands über die baltischen Staaten Estland, Lettland sowie über Finnland und einen Teil Rumäniens festgelegt. Daraufhin stellten die kommunistischen Parteien ihren Kampf gegen die Nazis ein. Erst als Hitlers Armee im Juni 1941 Russland überfiel, organisierte die damalige UdSSR unter Stalin den Kampf gegen die Nazis.
Heute überfällt, zerstört und massakriert Russland die unabhängige Ukraine und bezeichnet dies als «Kampf gegen Nazis» und Stalin-Denkmale werden unter Putin faschistischer Diktatur wieder in vielen Teilen des Landes aufgestellt.
Diese Kreml-Kritik aus Baku hat direkte Folgen für einen bisher immer stets treuen Kreml-Politologen. Der Mann heisst Sergej Markow. Er wurde nach einer Reise in aserbaidschanische Hauptstadt und nachdem er sich positiv über dessen Regierungschef Ilham Aliyev geäussert hatte, als «ausländischer Agent» eingestuft.
Markow war ein ehemaliger Mitarbeiter des Propaganda-Senders «Russia Today», Professor an der Moskauer Uni und konnte in internationalen Publikationen wie die «New York Times» oder der «Washington Post» Texte veröffentlichen, welche die Politik des Kremls positiv darstellten.
Zum Verhängnis wurde nun Markow, dass er den aserbaidschanischen Regierungschef lobte: «Er ist, wie Sie wissen, ein sehr erfahrener, kluger, korrekter, ruhiger Führer. In diesem Sinne würden viele andere Führer gerne von ihm lernen, wissen, was das Geheimnis des Sieges ist. Wir alle wollen wissen, was das Geheimnis des Sieges ist.» https://t.me/istories_media/10244
PUTINS FLOP-GENERAL PENSIONIERT
Der russische Dreisterne-General Alexander Lapin hat in mindestens zwei Kriegssituationen massiv versagt. Er war verantwortlich für die panikartige Flucht der russischen Armee beim grossen Frontdurchbruch der ukrainischen Armee im Herbst 2022 im Osten der Ukraine. Und Lapin war verantwortlich für die mangelnde Verteidigung der russischen Region Kursk, von der die Ukrainer in einem Handstreich im August 2024 mehr als 1’000 Quadratkilometer erobern konnten. Aber Lapin stand immer loyal zu Putin und dieser zu ihm. (Siehe «Ukraine Aktuell Nr. 903 «Putins Verlierer General» https://ukraineaktuell.com/ukraine-aktuell-nr-903-14-8-24-20uhr/
Nun hat das russische Kriegsministerium General Alexander Lapin in den «Ruhestand» versetzt. An seiner Stelle übernimmt Generaloberst Jewgeni Nikiforow das Kommando über die Truppeneinheit «Sever». Gründe für die Absetzung wurden keine genannt. Interessant ist, dass die Entlassung am Jahrestag des ukrainischen Angriffs auf die Region Kursk bekannt wurde. Lapin ist noch nicht im Pensionierungsalter. https://t.me/istories_media/10235
DER BESONDERE KOMMENTAR
In Zukunft werde ich Kommentare mit dem Newsletter verteilen, welche sich auf Storys beziehen, die hier publiziert wurden. Heute jener von Thomas Sochart aus Koblenz zur Meldung: «DRUSCHBA-PIPELINE IST «OFF» – Ungarn & Slowakei ohne Blut-Öl» im UKRAINE AKTUELL Nr. 1277 (22.8.25).
«Es gibt Länder, die planen ihre Energiezukunft mit Windrädern, Solaranlagen und klugen Speicherkonzepten. Und es gibt Ungarn. Dort vertraut man weiter auf ein Rohr, das quer durch ein Kriegsgebiet läuft, und wundert sich anschliessend ernsthaft, dass es gelegentlich „technische Probleme“ gibt.
Orban nennt das „empörend und inakzeptabel“. Man könnte es auch einfach „vorhersehbar“ nennen. Aber das passt nicht in die Welt des ungarischen Premiers, der seit Jahren mit der Standhaftigkeit eines Betonklotzes an der russischen Pipeline klebt.
Sein jüngstes Kunststück: Nach dem Alaska-Gipfel lobt er, die Welt sei heute „sicherer“ als gestern. Man fragt sich, was der Mann frühstückt. Sicherer vielleicht für ihn persönlich, solange der nächste Tanklastzug aus Russland rollt. Aber für Ungarn? Für Europa? Für die Pipeline? – Eher nicht.
Man muss es wohl so sagen: Orban führt sein Land wie einen Autofahrer mit Dachschaden, der bei jedem neuen Unfall behauptet, die Strasse sei schuld – niemals er selbst. Dabei liegt die Strasse seit Jahren voller Warnschilder: „Vorsicht, Russland ist kein verlässlicher Partner!“ Orban aber fährt stur weiter, hupt und ruft empört: „Unverschämtheit, dass hier Schlaglöcher sind!“
Kurzum: Viktor Orban ist kein Opfer. Er ist ein Mann, der sehenden Auges ins Rohr starrt – und sich jedes Mal wundert, wenn es knallt.»
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