#UKRAINE AKTUELL Nr. 1254 (30.7.25 /17Uhr)

  • Wie Russen Frauen quälen – Teil 3
  • Russland sperrt 16’000 Zivilisten ein

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DREI FRAUEN GEQUÄLT – Teil3

Yuliya Koveshnikova (Bild, Mitte), Vira Biryuk (Bild, rechts) und Nonna Galka (Bild, links) sind drei Ukrainerinnen, welche von russischen Soldaten immer wieder misshandelt wurden und zum Teil noch werden.

Das russische Magazin «The Insider» hat die Geschichten dieser drei Frauen aufgezeichnet. Der erste Teil wurde in «Ukraine Aktuell Nr. 1245» publiziert, der zweite in «Ukraine Aktuell Nr. 1250. Alle bisherigen Newsletter in frei wählbaren Sprachen finden Sie hier: (https://ukraineaktuell.com)

Nonna Galka, 46 Jahre alt, ist immer noch in russischer Gefangenschaft.

Nonna wurde im Juli 2023 festgenommen. Im Dezember 2024 verurteilte sie das Regionalgericht Rostow wegen Spionage zu 15 Jahren Haft in einer Strafkolonie. Ihr Neffe Viktor Meshnyakov erhielt die gleiche Strafe. Die russische Staatsanwaltschaft behauptete, Nonna habe Informationen über russische Truppen an ihren Sohn weitergegeben.

Hier berichtet Irina, die Patin von Nonna Galka über ihr Schicksal.

«Nonna lebte in der Stadt Dniprorudne in der Region Saporischschja. Dort wurde sie 2022 von den Besatzern gefangen genommen. Wir sind nicht blutsverwandt – ich bin ihre Patin –, aber ich habe ihr jüngstes Kind getauft, und sie bedeutet mir sehr viel. Ich habe das besetzte Gebiet fast sofort verlassen, aber Nonna blieb. Wir hatten kaum Kontakt, aber wir schickten uns gelegentlich Nachrichten. Sie hatte einen Lebensgefährten und zwei minderjährige Kinder aus ihrer ersten und zweiten Ehe. Ihr Mann verbot ihr, das Land zu verlassen. Dann, im Juni 2023, verschwand sie – zusammen mit ihrer Schwester Natalia und ihrem Neffen Vitya.

Ich begann nach ihr zu suchen und schrieb Briefe an alle Organisationen, die mir einfielen. Ich war überzeugt, dass sie verschleppt worden war. Ich wandte mich an die Polizeibehörde in Dniprorudne, die mir mitteilte, dass sie keine Aufzeichnungen über sie hätten. Dann sagte mir jemand, sie sei auf der Krim und arbeite in einer Nähfabrik. Ich schickte eine Anfrage an diese Fabrik, aber dort sagte man mir, dass sie keine Mitarbeiterin mit diesem Namen hätten und noch nie von ihr gehört hätten. Acht Monate lang wurde ich hingehalten. Niemand schien etwas über sie zu wissen.

Vier Monate später fanden wir ihre Schwester Natalia in der Leichenhalle. Sie war schwer geschlagen, erschöpft, ihre Haare waren grau geworden. Ihr Körper war in einem solchen Zustand, dass sie nicht in einem offenen Sarg beerdigt werden konnte. Sie war einfach in einem Keller zu Tode gefoltert worden. Die Mitarbeiter der Leichenhalle sagten, sie hätten die Leiche gerade erst gefunden, aber als offizielle Todesursache wurde Herzversagen angegeben.

Über Nonna selbst gab es lange Zeit keine Informationen. Irgendwann hörte ich auf zu glauben, dass wir sie lebend finden würden. Mein Herz hoffte aber mein Verstand nicht. Dann, nach acht Monaten, erfuhren wir, dass sie in einem Gefangenenlager in Rostow war und dass ihr Prozess bald stattfinden würde.

Jetzt wissen wir, dass sie nach ihrer Verhaftung sechs Monate «im Keller» verbracht hat. Wahrscheinlich hat sie die gleichen Folterungen erlitten wie ihre Schwester. Sie zwangen sie, zu gestehen, dass sie Informationen über die Positionen russischer Soldaten weitergegeben und Feuerkorrekturen vorgenommen hatte, nur weil Nonnas Sohn und Natalias Sohn in den ukrainischen Streitkräften gedient hatten. Aber zu diesem Zeitpunkt waren diese Informationen bereits veraltet. Nonna wurde der Spionage beschuldigt, obwohl sie russische Staatsbürgerin geworden war.

Nonna schreibt Briefe, aber wegen der Zensur kann sie nicht viel sagen. Viele Dinge erfährt sie erst viel später. Zum Beispiel starb ihre Mutter im Februar, aber Nonna erfuhr davon erst im Mai. Viele Informationen erreichen sie einfach nicht.

Sie wird jetzt in eine andere Kolonie gebracht. Wo genau, wissen wir nicht. Wir hoffen, dass sie uns kontaktieren kann, sobald sie dort angekommen ist.

Nonna hatte zwei Magenoperationen. Sie hatte schon immer mit ihrem Gewicht zu kämpfen und wiegt jetzt nur noch 30 Kilo. Das ist schrecklich. In der Haft bekommt sie keine Medikamente, nicht einmal die, die wir ihr schicken. Sie muss behandelt werden, aber niemand kümmert sich darum.

Wir hoffen wirklich auf einen Gefangenenaustausch. Jeden Tag denke ich daran – beim Aufwachen, beim Einschlafen. Aber im Moment werden Zivilisten nur selten ausgetauscht. Trotzdem hoffen wir, dass wir sie nach Hause holen können. Dann werden wir darum kämpfen, ihre Kinder zurückzubekommen. Ihre Söhne sind derzeit bei ihrem ehemaligen Lebensgefährten. Er weigert sich, mit uns zu sprechen. Er ignoriert alle.

Es ist erschreckend. Die Kinder haben ihre Mutter verloren. Ihre Grossmutter ist tot, ihre Tante ist tot. Die Kinder ohne Nonna herauszuholen, ist einfach unmöglich. Ich schreibe an jede Organisation, die mir einfällt – die UNO, das Rote Kreuz, überall – nur um sie auszutauschen, denn dort wird sie nicht überleben.»

https://theins.press/en/confession/283265

RUSSLAND VERSTECKT DIESE INFORMATIONEN

Nikolay Polozov, Anwalt und Mitbegründer der öffentlichen Organisation «Search Captives» («Gefangene suchen»), erklärte gegenüber «The Insider», dass Russland etwa 16’000 normale Ukrainerinnen und Ukrainer gefangen hält.

«Die russischen Behörden haben bewusst neue Begriffe geschaffen. Sie sagen, diese Menschen würden ‚wegen Widerstandes gegen die Sonderoperation‘ festgehalten», so Polozov. «Das bedeutet in Wirklichkeit, dass geheime Gefängnisse eingerichtet wurden, in denen Tausende ohne Gerichtsbeschluss und ohne Kontakt zur Aussenwelt festgehalten werden. Diese Menschen befinden sich de facto in Haftanstalten oder Kolonien, die für Kriegsgefangene umfunktioniert wurden. Sie können dort Monate oder sogar Jahre festgehalten werden.»

In der Praxis bleiben Appelle an den russischen Strafvollzugsdienst erfolglos. «Unsere Organisation Search. Captives hat viele Fälle, in denen Anfragen zu vermissten Personen an das Verteidigungsministerium geschickt wurden und die Antwort lautete: ‚Ja, sie leben, sie sind wegen Widerstandes gegen die Sonderoperation inhaftiert und werden irgendwo auf russischem Territorium festgehalten.‘ Aber sie sagen nicht genau wo», erklärt der Anwalt.

«Die russischen Behörden versuchen, diese Informationen so weit wie möglich zu verheimlichen, um alle zu verwirren. Sehr oft werden Ukrainer hin- und hergeschoben, mit Säcken über dem Kopf von einer Einrichtung in die nächste gebracht. Man sagt ihnen nicht, wohin sie gebracht werden – oder man lügt sie an. Man setzt sie zum Beispiel in Busse und sagt: ‚Wir fahren zu einem Austausch.‘ Aber dann werden sie einfach woanders hingebracht. So quält man sie.»

Jewgeni Smirnow, Anwalt beim Menschenrechtsprojekt «Perviy Otdel» («Abteilung Eins»), stimmt seinem Kollegen zu:

«Diese Menschen werden in diesen Kellern brutal gefoltert. Sie werden mit Elektroschocks gequält, geschlagen, an ihren Gliedmassen aufgehängt und sogar sexuell missbraucht. Es gab Fälle, in denen Familienangehörige gezwungen wurden, dabei zuzusehen – beispielsweise eine Frau, die mit ansehen musste, wie ihr Mann vergewaltigt wurde. Diese Folterungen dienen keinem anderen Zweck, als den Inhaftierten Geständnisse zu erpressen, dass sie angeblich Informationen an den ukrainischen Geheimdienst weitergegeben haben.

Die Anschuldigungen basieren oft auf banaler Korrespondenz mit Verwandten oder öffentlich zugänglichen Beiträgen in sozialen Medien. Jemand könnte beispielsweise in einer Nachricht geschrieben haben: „Gestern gab es hier einen Raketenangriff, wir hatten alle Angst wegen dem, was passiert ist.»

Die Hoffnung von Smirnow: «Realistisch gesehen ist die einzige – und schnellste – Lösung für diese Menschen ein Gefangenenaustausch. Seit einem Monat wird über einen geplanten Austausch von zivilen Gefangenen gesprochen. Dies wird in russischen Kolonien diskutiert, und unter Menschenrechtsverteidigern kursieren Gerüchte. Wir alle warten darauf.»

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