#UKRAINE AKTUELL Nr. 1260 (5.8.25 /13Uhr)

  • «Ruhm für Russland» in die Haut gebrannt
  • Wie Russen einen Verletzten folterten

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FOLTERUNG EINES VERLETZTEN

Am 9.Juni zeigte ich im Newsletter «Ukraine Aktuell Nr. 1203 das Foto eines freigelassenen ukrainischen Kriegsgefangenen, in dessen Bauch die Worte «Ruhm für Russland» eingebrannt worden waren.

Dieser Bauch gehört Andriy Pereverzev, ein ukrainischer Soldat der 79. Luftlandebrigade. Er wurde im Februar 2024 gefangengenommen, nachdem er bei der Abwehr eines russischen Angriffs auf seine Stellung durch eine Granatenexplosion schwer verletzt worden war.

In einem Interview mit «United24»im Juli https://united24media.com/latest-news/glory-to-russia-carved-into-ukrainian-pow-torture-photo-confirmed-as-authentic-9015 erinnert sich Andriy, dass er nach seiner Verwundung von den Angreifern aus dem Unterstand gezogen und zu ihrer Stellung gebracht wurde. Dort leisteten sie ihm jedoch zunächst keine medizinische Hilfe. Andriy sagte, er habe die Besatzer gebeten, ihn zu töten, doch sie hätten es nicht getan. «Die Narben, die ich heute habe, waren damals offene, blutende Wunden. Ich glaube, ich war wegen des Blutverlusts ständig ohnmächtig», sagte der Soldat.

Andriy Pereverzev wurde nach einer ersten Untersuchung in einen Keller gebracht. Dort wurde er mit einer vollen Fünf-Liter-Wasserflasche auf den Kopf geschlagen. Ihm wurden die Augen verbunden und seine Hände gefesselt. Anschliessend wurde der Soldat verhört – er sagte, er habe dem russischen Militär «Märchen erzählt», wohl wissend, dass sie versuchen würden, ihn auf jeden Fall zu brechen.

Das Verhör dauerte von Mitternacht bis Sonnenaufgang. Während dieser Zeit wurde Pereverzev gefoltert: Die Besatzer setzten einen Elektroschocker an seinen offenen Wunden an. Am Morgen brachten die Russen den Gefangenen ins Krankenhaus, wo sie ihn auszogen, ihm die Augenbinde abnahmen und seine Hände befreiten. Er verlor weiterhin von Zeit zu Zeit das Bewusstsein.

In diesem Krankenhaus wurde Andrij operiert und anschliessend auf die Intensivstation verlegt, wo er zwei weitere Tage blieb. Dort erfuhr er von einer Krankenschwester von der Inschrift, die auf seiner Haut eingebrannt war. «Keine Sorge, wenn du nach Hause kommst, kannst du sie mit einem Tattoo oder etwas anderem überdecken», sagte sie.

Die Inschrift «Ruhm für Russland» auf dem Körper des ukrainischen Soldaten wurde vom ersten Chirurgen, der ihn operierte, vermutlich mit Hilfe eines medizinischen Lötkolbens angebracht.

Erst eine Woche später sah der Soldat die Inschrift zum ersten Mal mit eigenen Augen, als er auf eine normale Station verlegt wurde. «Ihr seid Alle Abschaum, ich werde euch alle umbringen!», schrie er damals. Daraufhin schlugen die Russen ihn erneut, und einer der Männer, die seinen Verband wechselten, stocherte mit den Fingern in seinen Wunden herum, um ihm Schmerzen zuzufügen.

Andriy verbrachte zweieinhalb Monate in dieser medizinischen Einrichtung, in der er nicht einmal aufstehen konnte, weil ihm die Kraft fehlte. Als er aus dem Bett aufstehen wollte, kamen unbekannte Männer mit Sturmhauben auf ihn zu, angeblich zum Verhör, in Wirklichkeit aber nur, um ihn zu verspotten und um ihn zum Spass etwa 40 Minuten lang zu foltern.

Einer der Männer schlug ihm auf Ohr und Kopf und setzte einen Taser ein, während der andere an seinem Laptop sass. Der Taser wurde auch auf Pereverzevs offene Wunde an seinem Bein eingesetzt. Zusätzlich wurde die Haut an seinem Kinn mit einem harten Handtuch abgezogen.

Als der Soldat kaum noch stehen konnte, wurde er zusammen mit einer Gruppe von sieben Schwerverletzten von einem Krankenhaus in Donezk in die Siedlung Tschistjakowe verlegt. Den Transporteuren wurde befohlen, die Gruppe relativ sanft zu behandeln. Diese «Sanftheit» äusserte sich in Schlägen mit einem Gummiknüppel und einem Elektroschocker.

In der Kolonie wurden Pereverzev und die anderen Neuankömmlinge in eine «Quarantänezelle» geschickt – eine kleine Zelle, die für sechs Personen ausgelegt war, tatsächlich aber neun bis zwölf Personen beherbergte. Die Gefangenen verbrachten täglich 16 Stunden auf den Beinen, was schnell zu Schwellungen führte. Erst am vierten oder fünften Tag bekamen sie ihre Kleidung und Schuhe zurück. Davor trugen die Gefangenen nur Unterwäsche und Hosen.

Ein ehemaliger Häftling sagte, die Wächter in der Kolonie und im Krankenhaus hätten von den Ukrainern verlangt, die russische Hymne auswendig zu wiederholen, und diejenigen, die sie nicht kannten, seien so lange geschlagen worden, bis sie nicht mehr stehen konnten.

Am 9. Juni 2025, 16 Monate nach seiner Gefangennahme, konnte Andriy Pereverzev im Rahmen des 66. Gefangenenaustausches in die Heimat zurückkehren.

Gemäss Untersuchungen der Organisation «OBOZ.UA» waren über 90 % der ukrainischen Kriegsgefangenen, die aus der Russischen Föderation zurückkehrten, in russischer Gefangenschaft gefoltert worden. https://war.obozrevatel.com/ukr/vijskovij-z-vipalenim-slava-rosii-na-zhivoti-pro-torturi-tikali-paltsyami-u-rani-i-bili-elektroshokerom.htm

Weitere Berichte von gefolterten und freigelassenen ukrainischen Kriegsgefangenen hat «United24» veröffentlicht. Es handelt sich um eine Serie von 6 kurzen Videos: https://threadreaderapp.com/thread/1939371617529795054.html

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