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KRITIK AM SCHWÄCHLING TRUMP
Bridget Brink war Botschafterin der USA in der Ukraine. Wenige Wochen nach dem Amtsantritt von Trump gab sie ihren Rücktritt bekannt. Nun erläutert sie in einem Beitrag in der «Detroit Free Press» zum ersten Mal ihre Gründe:
«Ich war US-Botschafter in der Ukraine. Ich bin wegen Trumps Aussenpolitik zurückgetreten.
Ich habe mit Stolz fünf Präsidenten gedient – um sicherzustellen, dass die Vereinigten Staaten das stärkste und grossartigste Land sind, das die Welt je gesehen hat. Ich respektiere das Recht und die Verantwortung des Präsidenten, die US-Aussenpolitik zu bestimmen – mit angemessener Kontrolle und Kontrolle durch den US-Kongress. Die Umsetzung dieser Politik ist die Aufgabe des amerikanischen Auswärtigen Dienstes.
Leider besteht die Politik seit Beginn der Trump-Regierung darin, Druck auf das Opfer, die Ukraine, auszuüben und nicht auf den Angreifer, Russland. Daher konnte ich die Politik der Regierung nicht länger guten Gewissens umsetzen und hielt es für meine Pflicht, zurückzutreten. Nachdem ich unserem Land fast drei Jahrzehnte gedient hatte, trat ich als unser Botschafter in der Ukraine zurück.
Ich kann nicht tatenlos zusehen, wie ein Land überfallen, eine Demokratie bombardiert und Kinder ungestraft getötet werden. Ich glaube, dass die Interessen der USA nur dadurch gewahrt werden können, dass wir uns für Demokratien einsetzen und gegen Autokraten vorgehen.
Frieden um jeden Preis ist kein Frieden – er ist Beschwichtigung. Und die Geschichte hat uns immer wieder gelehrt, dass Beschwichtigung nicht zu Sicherheit, Schutz oder Wohlstand führt. Sie führt zu mehr Krieg und Leid.
Seit Russland am 24. Februar 2022 seine gross angelegte Invasion der Ukraine begann, hat es das getan, was man nur als pures Böses bezeichnen kann: Tausende Zivilisten, darunter 700 Kinder, wurden mit Raketen und Drohnen getötet, die mitten in der Nacht ihre Häuser und Wohnungen trafen.
Sie hat über 150’000 Kriegsverbrechen begangen, 20’000 Kinder aus ihren Familien entführt und Millionen von Männern, Frauen und Kindern zur Flucht nach Europa und anderswo gezwungen.
Drei Jahre lang hörte ich die Geschichten, sah die Brutalität und fühlte den Schmerz der Familien, deren Söhne und Töchter durch russische Raketen und Drohnen getötet und verletzt wurden, die Spielplätze, Kirchen und Schulen trafen.
Im Laufe meiner Karriere in Konfliktgebieten habe ich Massengräueltaten und mutwillige Zerstörung aus erster Hand miterlebt, doch seit dem Zweiten Weltkrieg haben wir in Europa nie wieder so systematische, so weit verbreitete und so schreckliche Gewalt erlebt.
Warum ist der Einmarsch Russlands in die Ukraine für die Vereinigten Staaten von Bedeutung? Es ist wichtig, denn wie wir mit diesem Krieg umgehen, wird sowohl unseren Freunden als auch unseren Feinden viel sagen. Wenn wir Putin erlauben, Grenzen mit Gewalt neu zu ziehen, wird er nicht bei der Ukraine haltmachen. Wörtlich genommen besteht Putins Ziel darin, eine imperiale Vergangenheit wieder aufleben zu lassen – und das kann er nicht tun, ohne die Sicherheit unserer NATO-Verbündeten zu gefährden.
Und sollte Putin Erfolg haben, sendet er Signale an China, die das Sicherheitsgleichgewicht in Asien und weltweit gefährden werden. Dies hätte tiefgreifende Folgen für die Sicherheit und den Wohlstand Amerikas. Bei Russlands Krieg geht es um mehr als nur Aussenpolitik oder Wirtschaft. Es geht darum, wer wir sind.
Obwohl Putin einen sofortigen Waffenstillstand ablehnte und stattdessen Direktgespräche in Istanbul forderte, dort aber gekniffen hatte und stattdessen eine unterqualifizierte Delegation schickte, bleibt sein amerikanischer Gegenpart Trump tatenlos.
Anstelle einer entschlossenen und mehrfach angedrohten konkreten Reaktion schrieb er heute Nachmittag erneut einen Text auf seinem sozialen Netzwerk «Truth» («Wahrheit»). Im Gegensatz zu den bisherigen Deklarationen ist diese ausschliesslich in Grossbuchstaben geschrieben:
«ICH WERDE AM MONTAG UM 10:00 UHR MIT DEM RUSSISCHEN PRÄSIDENTEN WLADIMIR PUTIN TELEFONIEREN. THEMEN DES GESPRÄCHS SIND DIE BEENDIGUNG DES „BLUTBADES“, DAS DURCHSCHNITTLICH MEHR ALS 5000 RUSSISCHE UND UKRAINISCHE SOLDATEN PRO WOCHE DAS LEBEN KOSTET SOWIE DER HANDEL. ANSCHLIESSEND WERDE ICH MIT DEM UKRAINISCHEN PRÄSIDENTEN ZELENSKYJ UND DANN MIT VERSCHIEDENEN MITGLIEDERN DER NATO SPRECHEN. HOFFENTLICH WIRD ES EIN PRODUKTIVER TAG, ES KOMMT ZU EINER WAFFENSTILLSTANDSVEREINBARUNG UND DIESER SEHR GEWALTTÄTIGE KRIEG, DER NIE HÄTTE STATTFINDEN DÜRFEN, WIRD BEENDET. GOTT SEGNE UNS ALLE!!!» https://truthsocial.com/@realDonaldTrump/posts/114523762104941397
Gleichzeitig verbreitete Trump seine neuste These: «Putins Panzer wären innerhalb von 5 Stunden in Kiew gewesen, wenn sie nicht im Schlamm stecken geblieben wären.» Auch diese Aussage des amerikanischen Präsidenten hat mit der Kriegsrealität im Februar und März 2022 keine Berührungspunkte. Bilder aus jener Zeit zeigen zerstörte Panzerkolonnen auf Landstrassen (Video hier: https://x.com/i/status/1923707158404681838 ) oder Panzerwracks in Städten (FOTO). Es ist anzunehmen, dass selbst Trump den ukrainischen Asphalt nicht mit dem ukrainischen Schlammboden gleichsetzt und doch bleiben seine Aussagen unverständlich.
WARUM PUTIN NICHT AUFHÖRT
Der ukrainische Politikwissenschaftler Vadym Denysenko nannte in einem Radiointerview drei Gründe, warum das Gespräch in Istanbul von Beginn am zum Scheitern verurteilt war. Dem Kreml sei es nicht um den Frieden gegangen, sondern um eine «Show für Trump».
Putins drei Gründe:
Psychologischer Faktor – der russische Diktator glaubt trotz der realen Situation auf dem Schlachtfeld an eine erfolgreiche Sommeroffensive der Russen.
Die interne Situation im Kreml – die russischen Behörden wissen nicht, was sie nach Kriegsende mit dem Militär tun sollen.
Wirtschaftliche Interessen der Elite – sechs Familien aus Putins Umfeld profitieren vom Krieg und wollen nicht, dass er endet.
Putin versuche weiterhin, die Beziehungen zu Trump nicht zu zerstören und dass das «Theater von Istanbul» darauf abzielte, ihn und sein Umfeld zu beeinflussen. Denysenko deutet an, dass Verhandlungen vor Ende 2025 möglicherweise keinen Sinn ergeben. https://www.youtube.com/watch?v=1989P3nJ3do
DROHNEN MIT MUSK-VERBINDUNG
Die Luftangriffe mit Russlands Drohnen sind in den vergangenen Monaten deutlich tödlicher geworden. Die Gründe sind einerseits die schwächere ukrainische Luftverteidigung, aber auch die technisch verbesserten russisch-iranischen «Shahed»-Drohnen. Im Gegensatz zu den ersten Modellen sind diese Shaheds nicht mehr mit Zweitaktmotoren ausgerüstet, sondern mit Düsengetrieben und zur Kommunikation sind sie mit einem Link zum Starlink-Satellitensystem von Elon Musk verbunden.
Die vom Iran entwickelten «Shaheds», welche Russland nun selbst herstellt, sind seit Herbst 2022 eine allgegenwärtige Kraft bei den russischen Luftangriffen auf die Ukraine. Mit ihrer grossen Reichweite, ihrer hohen Flughöhe und ihren geringen Kosten sind Schwärme von «Shaheds» zu einer Standardwaffe Moskaus für Tiefangriffe geworden.
Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Aussenministeriums, äussert sich immer wieder in gröbsten Worten über die Ukraine – jenseits jedes zivilisierten Umgangs. Das tat sie auch anlässlich der ergebnislosen Gespräche von Istanbul. Dahinter steckt Methode, schreibt die ukrainische Schriftstellerin Marjana Haponenko:
«Erinnerst du dich?
Du warst vielleicht sieben, ein verträumtes, verletzliches oder sturköpfiges Kind, ganz in deiner Welt, mit deinem Stolz, deinen Träumen, deinen Ängsten. Und da war sie: diese eine „Erwachsene“, diese Lehrerin, die Metzgersfrau, die Nachbarin.
Ihr Lächeln, ihr Augenrollen, ihr Blick – vernichtend.
„Du bist eine dumme, kleine Nuss. Unbedeutend. Luft. Ein Nichts…“ Das sagte dir ihr Blick, und es war keine Einbildung. Denn er liess dich innerlich schrumpfen, verkümmern, wie eine smaragdgrüne Meeresalge, auf das Festland geworfen.
Die Frau liess dich, oft ohne ein Wort, vor Scham erzittern.
Ich habe gestern wieder so ein Gesicht gesehen, das Gesicht des russischen Aussenministeriums.
Ich sah die Pressesprecherin Maria Sacharowa auf einer Pressekonferenz, und mein Körper erinnerte sich, noch bevor mein Kopf verstand, was sie da von sich gab. Alles verkrampfte sich. Die smaragdgrüne Alge wurde zum Klumpen.
Sacharowa inszenierte einen Wutausbruch.
Dass er kein Kontrollverlust war, sondern Teil eines lang eingeübten Repertoires, sieht nur, wer genauer hinschaut. Was wie ein rhetorisches Meltdown wirkte, war sorgfältig choreografiert. Ich will das kurz zerpflücken.
Der Auslöser war Selenskyjs Wort „Scheindelegation“. Er bezeichnete die russische Delegation in Istanbul als das, was sie war: eine potemkinsche Truppe ohne Substanz.
Sacharowa hätte diese Beschreibung sachlich entkräften können. Stattdessen schlug sie unterhalb der Gürtellinie zu:
„WER benutzt das Wort Schein? Ein Clown? Ein Versager? Jemand ohne jegliche Bildung?“
Sacharowas Mikromimik sprach dabei Bände ritualisierten Hasses, eine Verachtung der Ukraine, die nicht nur persönlich ist, sondern systemisch und staatlich gewollt.
Ein Satz in Zeitlupe:
Asymmetrisches Lächeln, einseitiger Mundwinkel. (Ausdruck von Spott und Herabsetzung.)
Gepresste Lippen bevor sie ihre Beleidigung formuliert. (Selbstkontrolle trotz innerer Aggression, sie holt aus.)
Verlangsamte Sprechweise mit betont gesetzten Pausen. (Wer? Er? Clown? Loser.)
Ich habe sie wiedererkannt, diese „Erwachsene“ von früher, die Tante, die nur gross sein konnte, wenn sie jemanden klein machte. Nur steht sie heute nicht mehr auf der Strasse sondern vor einem Mikrofon. Gleiche Mimik, gleiche Technik, gleiche Lust daran, jemanden zu erniedrigen. Und es steht ihr heute kein Kind gegenüber, sondern ein Präsident im Krieg.
Natürlich ist diese Art zu sprechen kein Ausrutscher, keine spontane (russische) Reaktion auf politische, (selbst ausgelöste) Spannungen.
Sie ist Kalkül. Denn Russland, in Gestalt solcher Sprecherfiguren wie Sacharowa, kommuniziert NICHT, um zu überzeugen. Es geht um Dominanz.
Durch Spott, Herablassung und Kontrolle über Tonfall und Bild entscheidet es, worüber überhaupt noch gesprochen werden darf. Zynismus ist hier aus diesem Grund kein „Stilmittel“, sondern Strategie, die sich nicht gegen Argumente richtet, sondern gegen das Gegenüber, in diesem Fall gegen die Ukraine, gegen ihre Glaubwürdigkeit, Selbstachtung.
Demoralisieren. Lächerlich machen. Zeigen, wer klein, minderwertig, vernichtenswert ist. Schaut euch ihr Gesicht an. Es zeigt deutlich, worum es in diesem Krieg wirklich geht.»
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