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Heute zwei Schwerpunktthemen, die mit Wasser zu tun haben. Was ist eigentlich Putins kriminelle «Schattenflotte» und warum endet die Dominanz von Russland im Schwarzen Meer?
PUTINS «SCHATTENFLOTTE»
Nach der Invasion in der Ukraine durch den Kreml und den Sanktionen gegen das Land begann Putin und seine mafiöses Umfeld die Schattenflotte auszubauen. Grob gesagt ist die Schattenflotte ein kriminelles Netz von Schiffen, die für den Transport von Erdölprodukten und verflüssigtem Erdgas aus Russland eingesetzt werden, mit dem Ziel, die Beschränkungen zu umgehen.
Windward – eine AI-gestützte Plattform für Risikoabschätzung im maritimen Bereich – hat drei Typen von Schiffen identifiziert, die Teil von Russlands Ölschmuggel-Schattenflotte sind:
«Freigegebene Flotte» Tankschiffe, die kein verdächtiges Verhalten aufweisen, wie z. B. Flaggenhopping oder unregelmässige Eigentumsverhältnisse. Es ist wichtig, diese Schiffe schnell identifizieren zu können, damit die Schifffahrtsorganisationen nicht durch Falschmeldungen und Unentschlossenheit gelähmt werden, die den globalen Handel weiter behindern.
«Graue Flotte» Ein völlig neues Phänomen, das sich aus dem Russlandkrieg entwickelt hat. Nach Ausbruch des Krieges wurden schnell ausländische Unternehmen gegründet, um die Herkunft und die Eigentumsverhältnisse von Schiffen zu verschleiern und den Anschein zu erwecken, dass sie gesetzeskonform bzw. nicht sanktioniert sind.
Diese Flotte wird als «grau» bezeichnet, da es in vielen Fällen schwierig ist, die Legalität und die Einhaltung von Sanktionen festzustellen. Eine beträchtliche Anzahl dieser Schiffe wechselt ausserdem häufig die Flagge («Flaggenhopping»). Windward hat über 1’000 graue Schiffe in der ganzen Welt identifiziert.
«Dunkle Flotte»
Diese Flotte nutzt häufig «dunkle Aktivitäten», das heisst, sie deaktiviert das weltweite automatischen Identifikationssystems, um nasse Ladung zu transportieren. Hinzu kommen andere betrügerischen Schifffahrtspraktiken, wie z. B. die Manipulation von ID (Identifikation)- Daten und Falschangaben über den aktuellen Standort. Windward hat etwa 1’300 Schiffe der dunklen Flotte identifiziert.
Für seine Schattenflotte begann Russland mit dem Aufkauf alter und rostiger Tanker und schuf so den grössten und gefährlichsten Schiffsverband der Welt. Im März 2023 umfasste sie etwa 600 Schiffe (Wert: mindestens. 2,2 Mrd. USD.). Sie wächst jeden Monat um 25 – 30 Schiffe. (Die am Freitag verhängten Sanktionen der USA und Grossbritaniens betreffen 180 Öltranportschiffe).
Nach Angaben des norwegischen Unternehmens Rystad hat Russland allein im Jahr 2022 seine «Schattenflotte» über verschiedene angeschlossene Strukturen offiziell um 103 Tankschiffe aufgestockt. Diese Tanker fuhren zuvor für den Iran und Venezuela. Sie haben einen Wert von über 850 Mio. USD.
Die meisten Schiffe der Schattenflotte fahren unter ausländischer Flagge, und die Eigentümer dieser Tanker haben in der Regel nur begrenzte Kontakte zu den Regierungen der USA oder der EU. Beides erschwert die Überwachung. Die Sanktionen und Beschränkungen werden durch ein komplexes Netz von Briefkastenfirmen umgangen, bei denen die Schiffe registriert sind, sowie durch die Deaktivierung von AIS-Identifikationssystemen oder Transpondern, mit denen sie verfolgt werden können.
Im Jahr 2023 entdeckten Journalisten der «New York Times» ein neues System. Demnach schalteten die Schiffe nicht einfach das Automatische Identifikations-System (AIS) aus, sondern veränderten eine Technologie, die die Koordinaten der Schiffe nach aussen komplett ändert. Dies ist zu vergleichen mit VPN-Anschlüssen von Computern, welche falsche Standorte simulieren. Auf diese Weise verbergen die Schiffe ihren Standort.
Ausserdem gibt es «Ship-to-Ship» Umladevorgänge zwischen zwei Tankern der Schattenflotte. Das erschwert die Identifizierung der Transporte von russischem Öl und hilft bei der Umgehung der gegen Russland verhängten Sanktionen.
Von der kriminell organisierten Schattenflotte geht aber auch eine konkrete Gefahr für die Umwelt aus. Da es sich um oft schrottreife Kähne handelt, können diese jederzeit auseinanderbrechen oder sinken. Eigentlich sollte das Land, unter dessen Flagge das Tankschiff fährt, die Sicherheit des Schiffes durch regelmässige Inspektionen und Versicherungen gewährleisten.
Dies ist ein Grund dafür, dass die Eigentümer der Schattenflotte für sie «bequeme Länder» suchen, wie Hongkong, die Marshallinseln oder Liberia. Dort sind die Kontrollen nicht streng.
Da die Schattenflotte hauptsächlich aus rostigen und alten Schiffen besteht, stellt sie eine ernsthafte Gefahr für die Umwelt dar. Im Falle einer Ölverschmutzung können die Länder, durch deren Gewässer sie fahren, für die Säuberung verantwortlich gemacht werden. Das hat den folgenden Grund:
Viele der Tanker der Schattenflotte sind versichert – und zwar bei russischen Unternehmen und das führt zu einem sehr reduzierten Versicherungsschutz. Verunfallt ein Tanker in den Gewässern eines zu Russland «unfreundlichen Landes», dann weigern sich die russischen Versicherungen für den Schaden aufzukommen.
Als zu Russland «unfreundlich» gelten alle Länder, welche auf der Seite der Ukraine stehen und sich für Massnahmen gegen Russland ausgesprochen haben. Das sind viele Länder und mehrere davon befinden sich auf der Route der Schattenflotte.
Die russische Schattenflotte ist in letzter Zeit auch häufig wegen Sabotageverdachts in die Schlagzeilen geraten. Russland versucht damit mit allen Mitteln, hybride Angriffe gegen westliche Länder durchzuführen. Der letzte Fall war das Durchtrennen von im Wasser gelegten Stromkabeln zwischen Estland und Finnland durch das Schiff «Eagle S». (Siehe Ukraine Aktuell Nr. 1044, 2.Januar 2025).
Am Freitag wurde bekannt, dass die USA und Grossbritannien ein umfassendes Paket von Sanktionen verhängt haben, die auch die grössten russischen Ölgesellschaften und die Schattenflotte betreffen.
Am selben Tag wurde in der Ostsee, etwa 20 Kilometer vor Rügen, ein manövrierfähiger Tanker mit 99’000 Tonnen Öl gesichtet, der offenbar zur russischen Schattenflotte gehört. (Siehe Ukraine Aktuell Nr. 1052, 10.Januar 2025). Das Schiff fährt unter der Flagge der Vereinigten Arabischen Emirate. Nach neusten Meldungen konnte der Tanker als provisorische Massnahmen zu einem sicheren deutschen Hafen geschleppt werden.
Wie hier schon gemeldet (Ukraine Aktuell Nr. 1048, 6.Januar 2025) verlieren die russischen Truppen die Kontrolle über Meer vor der ukrainischen Küste.
Nikita Gerassimow, «Konfliktbeobachter» aus Potsdam, zeigt auf, was sich im Schwarzen Meer geändert hat: «Während am Boden schwere Kämpfe toben, hat die ukrainische Armee zu Wasser mit dem systematischen Einsatz von neuen Seedrohnen begonnen, die als Flugabwehr agieren können.
Innerhalb weniger Wochen schossen ukrainische Truppen damit mehrere Helis der russischen Schwarzmeerflotte ab.
Seit längerem baut Kyiv die Offensivkapazitäten von Seedrohnen permanent aus. Was mit Angriffen auf statische Ziele begann, entwickelte sich schnell zu einer Kamikaze-Flotte gegen die klassischen Marine.
Vor rund vier Monaten tauchten dann die ersten Berichte auf, dass Kyiv an Seedrohnen mit Flugabwehr tüftelt. Schon damals wurde gewarnt, dass (sofern die Entwicklung erfolgreich voranschreitet) Seedrohnen das Meer zu No-Fly-Areas für russische Kampfflugzeuge machen könnten.
Nun scheint genau dies eingetreten zu sein. Im Einsatz sind offensichtlich modifizierte Drohnen mit darauf installierten R-73 Luft-Luft-Raketen. Am Anfang funktionierte die Zielerfassung vom Meer aus noch nicht. Das scheint mittlerweile behoben zu sein.
Russische Kanäle kommen hier zur Einschätzung, dass Seedrohnen mit Luft-Luft-Raketen «die Lage im Schwarzmeer stark zu unserem Nachteil gedreht habe». Für Marinehelis sei das Schwarzmeer nun de facto eine No-Fly-Zone, schreibt etwa der russische Kanal «Fighterbomber».
Wegen ihrer Geschwindigkeit und Grösse gäbe es gegen Seedrohnen derzeit kaum Gegenmittel. Als bislang effizienteste Lösung erwiesen sich eben Marinehelis, die die Drohnen von oben bekämpften. «Mit dem Wegfall unserer Helis sind wir in dieser Komponente die Gejagten», so Fighterbomber weiter.
Global betrachtet, bestätigt sich die Tendenz, die seit Kriegsbeginn immer deutlicher wurde:
Mit Einführung von Seedrohnen schlägt das Konzept einer «Moskitoflotte» das der klassischen Grossflotte. Konventionelle Marinen können sich gegen Schwärme von Seedrohnen kaum verteidigen.
Bezogen explizit auf die Lage im Schwarzmeer bedeutet es vor allem, dass die russische Schwarzmeerflotte aus dem Krieg wohl endgültig ausgeschaltet ist.
Zum Teil musste sie sich in ihren Militärhäfen mit all möglichen Defensivmassnahmen verbarrikadieren.
Zum anderen Teil wurde sie ans andere Ende vom Schwarzmeer ausser Reichweite von ukrainischen Seedrohnen verlegt. So wurde im Eilverfahren in Abchasien ein russischer Seehafen aufgebaut, der bald grosse Teile der russischen Schwarzmeerflotte beheimaten wird. https://x.com/NikGerassimow/status/1875958714060144902
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